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"Uns verbindet der Glaube an Gott und seinen Sohn"

OWEN Die laue Nacht sorgte für Sommerstimmung und lockte viele Besucher der 18. Owener Rocknacht nach draußen an die frische Luft. Auf den Zufahrtstraßen wurden Kröten

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BARBARA GOSSON

vor den Autos gerettet, in der Teckhalle rockte die christliche Rockszene.

Als Opener traten die Newcomer von "Freequency" an und hinterlie-ßen gleich einen guten Eindruck beim Publikum, obwohl sie als neue Band und an erster Stelle des Sets um 17 Uhr natürlich einen schweren Stand hatten. Die Band um Sängerin Sike liefert kernigen Rock mit einer Prise Punk. Ihr Debutalbum wurde von Tobias Kurrle von Ararat produziert.

"Die rocken, vor allem Sängerin Mimi", war aus dem Publikum über die zweite Band "Phloxx" zu hören. Die Band, die oft mit den "Guano Apes" oder "Evanescence" verglichen wird, spielte in der Rocknacht ihr letztes Konzert. Neben vieler Fans, die "Phloxx" noch einmal erleben wollten, hatten die fünf auch einige illustre Gäste mit auf der Bühne. "Crushead"-Sänger Patrick Reusch gab sich ebenso die Ehre wie Markus Kerni Kern, Schlagzeuger bei "Capewalk" und Peter Pan, Sänger und DJ bei "W4C", der den Phloxx-Sound mit seinen Scratching-Einlagen anreicherte.

Erst in letzer Minute trafen "Seeker's Planet" aus Kroatien ein. Sie hatten auf der Autobahn festgesteckt und gingen fast ohne Soundcheck auf die Bühne. Davon war aber nichts zu bemerken. Ihr höchst tanzbarer Ska ging direkt in die Beine. "Das war besser als wir gedacht haben", ist Sänger und Trompeter Petar Horvad froh. "Das Publikum war einfach toll, die haben uns mitgerissen".

Bundesweit bekannt ist spätestens seit ihrem Auftritt beim Grand-Prix-Vorentscheid "die Allee der Kosmonauten". Sänger Mischa Marin ist hübsch genug, um auch in einer Boygroup Furore zu machen. Neben ihm ist noch Schlagzeuger Jürgen "Jott" Fürwitt Bandmitglied, die anderen auf der Bühne sind Gastmusiker. Die Allee der Kosmonauten bekam Schützenhilfe von Herbert Grönemeyer, auf dessen Label sie auch ihre Platten rausbringen. Die Musik ist durchweg charttauglich und gefällt mit poppigen Synthieklängen ebenso wie mit kernigen Gitarren. Mischa Marins Stimme zeigt vor allem in melodischen, soften Parts ihre Stärken. Natürlich fehlt auch die Botschaft nicht. "turn or burn" sagt das T-Shirt, dass Marin bald schweißnass am Körper klebt. "Uns verbindet der Glaube an Gott und seinen auferstandenen Sohn", leitet er ein Lied über Engel ein. Hier blitzen die Feuerzeuge auf, der Song hat etwas Hymnisches an sich. Das Publikum tanzt und ist dankbar um eine Abkühlung. Viele Fans singen mit. Die Kosmonauten spielen Wohlfühlmusik, die das Publikum mit einem warmen Gefühl im Bauch entlässt.

Christliche Einstellung verträgt sich auch mit extrem lässiger Optik. Gut durchgestylt kommt der "Rock'n'Roll Worship Circus" daher, der sicher Stammkunde beim Friseur vom Limahl ist. Der hypnotische Rock der Band aus Washington taugt nicht zum Tanzen, sondern man muss ihn auf sich einströmen lassen. Anleihen macht der Worship Circus bei Pink Floyd und anderen Rockgrößen der Achtziger.

Psychedelisch wabern die Beats und der Gesang von Sänger Gabriel Wilson durch die Halle. Einen hochfloorigen Soundteppich legt der barfüßige Keyboarder Josiah Sherman, darauf wandelt sicher die elektrische Gitarre von Solo Greely und die halbakustische von Wilson, die beide nicht mit Effekten sparen. Nach dem ersten Song betet Wilson erst einmal das Vaterunser. Das Publikum hört, genießt und betet mit.

Gleich richtig zur Sache gehen "Disciple", die letzte Band und der Headliner des Abends. Wie ein aufgezogener Gummiball springt Sänger Kevin Young auf die Bühne. Von der ersten Minute an hat die Band aus den USA das Publikum im Griff.

Musikalisch haben sie druckvollen Metal mit Rap-Elementen im Gepäck, den man getrost unter das Genre Nu Metal subsummieren kann. Im Publikum wird das Haar geschüttelt und Pogo getanzt, einige lassen sich über die Menge tragen und fallen vorne in den Bühnengraben. Kevin Young sucht intensiv den Kontakt zum Publikum, schüttelt Hände und lässt es beim "Hallelujah" mitsingen. Die Pose des Rockstars geht nahtlos in Gebetshaltung über, der Bass liefert die musikalische Untermalung zum Gebet.

Young zeigt sich stimmlich sehr variantenreich und kann ebenso mit zartem Schmelz in der Stimme balladeske Lieder tragen, wie hochenergetische Metal-Songs als Shouter rüberbringen. Ab Mitternach gratuliert er den Geburtstagskindern und wünscht Gottes Segen.

Als einzige Band hatten sie die Möglichkeit zu Zugaben, und spielten drei. Eine Fragebogenaktion der Veranstalter ergab als Resonanz: "Die waren echt der Oberhammer!"