Lokales

Unsachgemäße Arbeit kommt Kirche teuer

Es ist kein neues Projekt des Verhüllungskünstlers Cristo, sondern die aus Schutzgründen erforderliche Abdeckung, welche das Dekanatamt neben der Martinskirche bereits seit einigen Wochen verhüllt. Hinter dem eingepackten Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1692 finden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt.

KIRCHHEIM Die Fachwerkfassade bedarf kurzfristig einer Überarbeitung, so lautete die erste Problemanzeige in einem Bauschaubericht des Oberkirchenrats im August 2003. Undichtigkeiten, verfaultes Fachwerk und herabfallende Mauer- und Gipsteile aus den Gefachungen des Gebäudes verstärkten diese Feststellung. Nach sofortigen Sicherungsmaßnahmen mussten die Verantwortlichen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde die Planung dieses umfangreichen Vorhabens angehen. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, zusammen mit Fachhandwerkern den Bestand aufzunehmen. Dies erbrachte erschreckende Aussagen zum Zustand der gesamten Fachwerkfassade. Vor Jahrzehnten wurden die Putzflächen unsachgemäß an das Fachwerk angearbeitet. Verstärkt hat sich das Schadensbild durch eine falsche Materialauswahl. Durch die falsche Putzanbringung und abfallende Putzteile konnte Wasser in das Gebälk eindringen, sodass dieses durch Fäulnis stark beschädigt ist. Der Schädigungsgrad an Nord- und Südseite des Gebäudes betrug annähernd 100 Prozent.

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Wie ein Schock traf dann die Kirchenverantwortlichen die Kostensumme von 472 000 Euro. Die Maßnahme war nicht vorhersehbar und auf Grund dessen auch in keiner Finanzplanung enthalten. Durch andere Sanierungsmaßnahmen in jüngerer Vergangenheit wurde auch der Rücklagenbestand auf einen Mindestbestand reduziert. Zwar wird das Vorhaben mit insgesamt 270 000 Euro durch die Landeskirche und den Evangelischen Kirchenbezirk bezuschusst, es verbleiben aber 202 000 Euro, die aus dem Haushalt der Gesamtkirchengemeinde aufzubringen sind. Kirchenpfleger Bernd Kemmner blieb daher nichts anderes übrig, als in den Finanzierungsplan eine Darlehensaufnahme mit 170 000 Euro einzuplanen. Der Schuldendienst wird künftige kirchliche Haushalte erheblich belasten. Bei rückläufigen Kirchensteuermitteln und deutlich reduzierten staatlichen und kommunalen Zuschüssen wird sich auch die Finanzsituation der Kirchheimer Kirchengemeinden verschlechtern.

Aus der Sicht des Bauherrn gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege des Regierungspräsidiums ehemals Landesdenkmalamt wenig erfreulich. Das Motto lautete: Viele Forderungen, keine Zuschüsse. Die denkmalpflegerischen Anforderungen führten zu erheblichen zeitlichen Verzögerung und Mehrkosten durch die Hinzuziehung von weiteren Fachrestauratoren. Als wenig ermutigend werden Hinweise betrachtet, dass eine Sichtwerkfassade als "Wartungsfassade" zu betrachten ist und daher "eine regelmäßige Wartung und Reparatur im Abstand von nur wenigen Jahren einkalkuliert werden muss".

Zwischenzeitlich konnten sämtliche bautechnischen Fragen geklärt werden, sodass die Sanierung in vollem Gange ist. Was äußerlich durch die Verhüllung eher einen optischen Blickfang darstellt, gestaltet sich für Bewohner und Mitarbeiter im Haus als erhebliche Belastung. Lärm- und Schmutzbelästigungen und wenig Frischluft sind hierbei wesentliche Merkmale. So sehnen derzeit nicht wenige Personen den Abschluss der Bauarbeiten im November herbei.