Lokales

"Unser Bad kann sich heute noch sehen lassen"

Das Dettinger Hallenbad ist ein Zuschussbetrieb, der die Gemeinde jährlich rund 250 000 Euro Euro kostet. Um einen Weg zur Erhaltung des Bads zu finden, haben die Verwaltung und das Netzwerk "Dabei" einen Informationsabend am Beckenrand veranstaltet. Das Ziel war und ist die Gründung eines Fördervereins, der dazu beitragen soll, das Defizit zu verringern.

ANDREAS VOLZDETTINGEN "Wenn man etwas will, tut man sehr viel dafür. Wenn man etwas hat, vergisst man oft dessen Wert." Diese allgemein gültige Feststellung bezog Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann während der Informationsveranstaltung auf das Hallenbad und auf das große ehrenamtliche Engagement der Dettinger Anfang der 70er-Jahre. Damals, vor 30 Jahren, hatte ein Förderverein beim Bau geholfen und wesentlich dazu beigetragen, dass es in Dettingen überhaupt ein Hallenbad gibt. Jetzt, wo die laufenden Kosten dabei sind, den weiteren Betrieb des Bads aus finanziellen Gründen zu gefährden, soll abermals ein Förderverein helfen, den kostspieligen Unterhalt dieser öffentlichen Einrichtung zu sichern.

Anzeige

"Die Probleme damals sind vergleichbar mit den Problemen von heute", führte Haußmann weiter aus. Allerdings nannte er ein zusätzliches Problem, das vor 30 Jahren offensichtlich noch nicht bestanden hatte: Identifikation, Mitmachen und Ehrenamt seien in der modernen Dienstleistungsgesellschaft nicht mehr so gefragt wie ehedem. Für ein neues "Wir-Gefühl" sorgt in Dettingen bereits das Netzwerk "Dabei". Aus dessen Reihen standen bei der Informationsveranstaltung im Dettinger Hallenbad auch zahlreiche aktive Bürger am Beckenrand. An sie alle war die Botschaft des Verwaltungschefs gerichtet: "Wir sind stolz auf unser Hallenbad und wollen es durchbringen, schaffen es aber nicht allein."

Am 24. Mai 1975 war das Dettinger Bad eingeweiht worden. Die Baukosten betrugen damals 2,6 Millionen Mark. "Man denkt immer, das Bauen sei teuer, aber das größere Problem ist der laufende Unterhalt", sagte Rainer Haußmann und belegte diese Aussage mit weiteren Zahlen: Bei einem jährlichen Defizit von 250 000 Euro verschlingen die Betriebskosten innerhalb von fünf Jahren eine Summe, die in etwa den kompletten Baukosten von damals entspricht.

130 000 Mark hatte der Förderverein Hallenbadbau vor 30 Jahren beigesteuert, finanziert aus Beiträgen, Spenden und Einnahmen von Veranstaltungen. Walter Neuhäuser, langjähriger Erster Vorsitzender des damaligen Vereins, erzählte den heutigen Dettingern von Besichtigungsfahrten quer durch die Bundesrepublik und sogar bis in die Nähe von Paris, wo es ein "Allwetterbad" zu bestaunen gab, dessen Dach auf Knopfdruck zu öffnen war. Scheiterte dieses Modell für Dettingen an den Kosten, so waren es bei anderen Bädern bauliche Mängel, die den harten Praxistests der Dettinger nicht standhielten. In Rottenburg seien sie einmal auf viel zu heißen Bänken gesessen. Dafür habe es zum Ausgleich durch die Fenster gezogen.

"Jeder hatte eine Spezialaufgabe", erinnert sich Walter Neuhäuser. Der eine schaute sich gezielt die Kassen an, der andere die Umkleideräume oder die Duschen. Vom Ergebnis dieser Arbeit ist der frühere Vereinsfunktionär nach wie vor überzeugt: "Unser Bad kann sich heute noch sehen lassen." Dennoch habe ein neuer Förderverein durchaus seine Berechtigung. "Nach 30 Jahren kann man nicht nur renovieren, da muss man reparieren und modernisieren." Ein Anfang ist bereits gemacht, der zeigt, wie es weitergehen könnte: Die Gäste der Informationsveranstaltung konnten sich persönlich ein Bild von der aufgehellten Decke machen, die ehrenamtliche Helfer im Dezember geweißelt hatten.

Dass das Dettinger Bad auch für den Schul- und Vereinssport von großer Bedeutung ist, zeigte die Schwimmabteilung der Sportfreunde Dettingen. Ob Brust, Rücken, Delfin oder Freistil in allen Lagen zogen die Schwimmsportler ihre Bahnen, um den Gästen ihr Können zu demonstrieren. Zuvor hatte Abteilungsleiter Tom Helbing von der überaus erfolgreichen Nachwuchsarbeit für den Wettkampfsport berichtet. Aber auch Schwimmkurse, Aquafitness, Spiel und Spaß haben die SFD-Schwimmer im Programm.

Für die Jubiläumsfeierlichkeiten "30 Jahre Hallenbad" Ende Juli kündigte Tom Helbing bereits einen Duathlon-Wettbewerb (Schwimmen und Laufen), ein Volleyballturnier und viel Musik an. Auch die Gemeindeverwaltung und das Netzwerk "Dabei" haben ihre Zielvorgabe für das Jubiläum. Bürgermeister Haußmann: "Bis dahin hoffen wir, einen funktionsfähigen Förderverein auf die Beine gestellt zu haben, um ein Zeichen zu setzen, dass wir zu unserem Hallenbad stehen."