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Unsere Leserbriefspalte wurde eingerichtet, um sachliche Lesermeinungen zu Veröffentlichungen in unserer Zeitung zu Wort kommen zu lassen. Die von der Redaktion festgesetzte Obergrenze für den Umfang eines Leserbriefs beträgt sechzig Druckzeilen.

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Zurück zur Sachpolitik

Zum Artikel "Merkel stärkt Koch den Rücken", im Teckboten vom 3. Januar:

Kommt bei der CDU plötzlich Panik auf, man könnte die anstehenden Landtagswahlen verlieren? Warum schüren Roland Koch und seine Freunde mit der Thematisierung der Jugendkriminalität Ängste in der Bevölkerung, sodass ihr Angstschweiß quer durch die Republik zieht?

Jegliche Form von Gewalt ist zu verurteilen. Wenn man die Sorge der Menschen, Opfer von körperlichen Angriffen zu werden, wirklich ernst nimmt, beschäftigt man sich nicht in Wahlkampfzeiten mit populistischen Sofortmaßnahmen, sondern sucht langfristige Lösungen. Die Wissenschaft liefert hierzu hilfreiche Ansätze und fordert seit Jahren, mehr in die Prävention zu investieren. Der beste Schutz gegen Gewalt von Jugendlichen wäre es, in Not geratenen Kindern frühzeitig zu helfen, gerade schwierigen Schülern nachhaltig Unterstützung anzubieten sowie Bildungsstätten zu schaffen, die nicht mittags schließen.

Wer die Gewalt wirklich zurückdrängen möchte, muss sich mit ihren Ursachen beschäftigen. Aufgabe der Politik ist es daher, sowohl die Erziehungsfunktion der Eltern zu stärken, als auch die Bildungschancen aller Jugendlichen zu verbessern. Die flächendeckende Einführung von Ganztagesschulen und die Bereitstellung ausreichender Lehrerdeputate hierfür wären erste Schritte. Hier kann die CDU, die auch in Baden-Württemberg die Landesregierung stellt, zeigen, dass sie dieses Thema ernst nimmt.

Strafverschärfungen oder Erziehungscamps helfen, so sind sich Juristen und Pädagogen einig, nicht weiter. Eine Abschiebung der Probleme in ein vermeintliches Herkunftsland oder hinter "Schwedische Gardinen" geht die Ursachen der Probleme nicht an. Vielmehr kann durch eine Kooperation zwischen Jugendämtern, Polizei und Staatsanwaltschaften straffällig gewordenen Jugendlichen bei der Wiedereingliederung geholfen werden. Rückfälle werden dadurch vermieden.

Herr Koch und seine Freunde sind gut beraten, ihren zynischen Wahlkampf unverzüglich zu beenden und zur Sachpolitik zurückzukehren.

Andreas Schwarz,

Ziegelstraße, Kirchheim

Weniger Gewaltund mehr Einsicht

Zum Alkoholverbot in U-, beziehungsweise Stadt- und S-Bahnen sowie Bussen des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) seit dem 1. Januar:

Endlich. Der erste Schritt für eine entspannte Reise im Nahverkehr ist gemacht. Fast bei jeder Fahrt nach beziehungsweise in Stuttgart das gleiche Bild: Beine werden mit (oft verschmutzten) Schuhen auf gegenüberliegende Polster-Sitze gelegt beziehungsweise aufgestützt, nervendes Handy-Getue (Klingeltöne, Musik, Gespräche), laute MP3- und sonstige Player und allgemein kaum Rücksichtnahme. Abends und am Wochenende verstärkt Alkoholgenuss in Bussen und Bahnen: Bier, Wein, Wodka, Mixgetränke.

Als ich selber am späten Samstagabend vor Weihnachten mit der S 1 heimfuhr, wurde ich Zeuge jugendlichen Unverstandes: Vier Personen, circa 20 Jahre alt, mit mehreren Flaschen hochprozentiger Alkoholika, ließen die Flaschen offen und halbvoll auf dem Boden stehen, bevor sie ausstiegen. Beim Anfahren logisch fielen die Flaschen um, begaben sich auf die Reise quer durch den Waggon und die Flüssigkeiten verteilten sich überall Sauerei. Schön, dass mit dem Alkoholverbot jetzt ein Anfang gemacht wurde zumindest theoretisch. Denn: Die Kontrollen müssen dringend verstärkt beziehungsweise den Kontrolleuren muss mehr exekutive Gewalt übertragen werden. Dabei baut Herr Rech ja "zu unserer Sicherheit" Arbeitsplätze der Polizei ab, es sind wohl mehrere 1 000 siehe unter Pressemitteilungen auf der Homepage "Stephan-braun-mdl.de".

Hoffen wir zukünftig auf weniger Gewalt und einsichtige jugendliche Fahrgäste. Konrad Binder Fasanenweg, Kirchheim

Dem Leistungsgedankenbewusst entgegentreten

Zum Leserbrief "Fragwürdiges Ranking", im Teckboten vom 27. Dezember:

Herr Schallenmüller spricht mir aus ganzem Herzen. Ja, es ist immer eine Aufmerksamkeit wert, wenn Menschen anderen Menschen ehrenamtlich, freiwillig, situativ oder beruflich helfen. Ist aber eine Auszeichnung nach Rangreihen wünschenswert oder ist nicht vielmehr die Tat, ob offiziell oder einfach so, nicht schon lobenswert? Chapeau für Brigitte Kneher, die diesem Leistungsgedanken entgegengetreten ist und damit diesem Wetteifern die Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Könnte man nicht für die Zukunft einfach solche Menschen, die anderen Gutes tun, in den vielen Tagen vor Weihnachten im Teckboten beziehungsweise in der Südwestpresse vorstellen jeder mit seiner Tat und seiner Person, gleichgestellt allen anderen gegenüber. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich bin ebenfalls ehrenamtlich tätig und wie oft bekommen wir im Einsatz zu hören, wie toll und lobenswert dies alles sei. Sicherlich ja, aber dient nicht jeder an dem Platz, an dem er eingesetzt ist? Wie oft muss ich da sofort kontern mit dem Dienst der Diakonieschwestern, den Pflegerinnen und Pflegern auf den Stationen der Altenheime, dem unermüdlichen Besuchsdienst verschiedener Stiftungen, die es in Kirchheim gibt und vielen, vielen anderen, stillen und treuen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern im gesamten Einzugsgebiet der oben erwähnten Tagespresse.

Sicher ist das alles nicht so presse- beziehungsweise medientauglich; das ist mir schon klar. Aber vielleicht könnte man die Ausgezeichneten einfach so nebeneinander stellen, ohne Bewertungsschiene. Es bliebe kein schaler Geschmack von "fragwürdigem Ranking". So lässt es zahlreiche Namenlose still, unerkannt und unerwähnt stehen, die ihren Dienst ohne Aufhebens selbstlos verrichten vielleicht jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat, aber immer den anderen im Blick und im Herzen.

Claudia Hack

Ohmden