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Unsere Leserbriefspalte wurde eingerichtet, um ...

Unsere Leserbriefspalte wurde eingerichtet, um sachliche Lesermeinungen zu Veröffentlichungen in unserer Zeitung zu Wort kommen zu lassen. Die von der Redaktion festgesetzte Obergrenze für den Umfang eines Leserbriefs beträgt sechzig Druckzeilen.

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Abwärtsspirale

Zum Artikel "Wir müssen über eine Verlängerung der Arbeitszeit nachdenken", im Teckboten vom 9. November.

Seit über zehn Jahre wird versucht, in Deutschland mit einer Entlastung der Unternehmer durch Lohnverzicht, Senkung der Lohnnebenkosten und Verlängerung der Arbeitszeit eine Verbesserung der Arbeitsplatzsituation zu erreichen. Was haben wir dabei erreicht: Die Zahl der Arbeitslosen steigt kontinuierlich weiter, die Armut steigt, die öffentliche Hand muss immer mehr Mitbürgern finanziell unter die Arme greifen und die Inlandnachfrage sinkt.

Die andere Seite dieser Entwicklung ist das weiter steigende Vermögen der bisher schon Reichen und eine endlose Siegesserie als Exportweltmeister. Wenn man die Zeitungen aufmerksam durchliest, kann man immer wieder lesen, wie konkurrenzfähig die deutsche Wirtschaft in der Welt ist.

Ein gutes Beispiel ist in der gleichen Teckbotenausgabe nur eine Seite vorher über den ach so verschrienen Textilmarkt, der sich über die "Schutz"zollschranken anderer Länder der Welt beschwert. Ansonsten könnten sie ihre Exporte um 30 Prozent steigern. Einige Tage vorher war eine sehr positive Exportmeldung über die Autoindustrie in der Zeitung. Diese Meldungen passen nicht zu den Forderungen einer Entlastung der Unternehmen, speziell den Unternehmen, die zurzeit für den Export arbeiten müssen, da kein Inlandabsatz vorhanden ist. Dies gilt nicht für die Ausnahmen dieser Entwicklung: das Handwerk und die Unternehmen, die in Deutschland ihren Absatz suchen müssen. Diese sind auf Gedeih und Verderben von der fehlenden Inlandnachfrage abhängig. Hier müssen neue Konzepte her, angefangen an einem effektiven Bürokratieabbau (Abbau von Gesetzen) der nie kommt, da die Politiker ihre Leistung an der Anzahl der verabschiedeten Gesetzen messen bis zu sinnvollen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern über Arbeitszeitmodelle und Neueinstiege. Bleiben wir weiterhin in dieser Abwärtsspirale, werden wir irgendwann in nächster Zukunft ähnliche Ereignisse wie zurzeit in Frankreich oder auch zu Beginn des "Dritten Reiches" in Deutschland erleben können.

Peter Lehmann

Lenningen, Gartenstraße

Tarnen und TäuschenDeutschland kann weniger ausgeben, weil die Einnahmen wegbrechen, das ist wohl allen klar. Dass unsere Politiker dafür den positiv belegten Begriff "Sparen" verwenden, gehört eben zum Handwerkszeug des Tarnens und Täuschens. Zumindest ein Schwabe spart, indem er Werte (Geld) zurücklegt und nicht, wenn er nichts ausgibt, weil er nichts hat.

Die Größenordnung des Haushaltsloches von 35 Milliarden Euro entspricht erstaunlicherweise der Größenordnung des deutschen Beitrages an die EU. Warum ist es so abwegig, auch diesen Ausgabenposten auf den Prüfstand zu stellen, dass man von keiner Seite deutlich davon hört? Es ist ja schon eine interessante finanzpolitische Konstruktion, dass sich Deutschland wegen der Subventionierung der EU so stark verschulden muss, dass wir von der gleichen EU Strafandrohung mit zusätzlichen Geldstrafen erhalten. Solche Vertragspartner wünscht sich jeder Unternehmer.

Die Zeche kann natürlich wieder nur der Privatmann und die Privatfrau bezahlen. Grundsätzlich bieten sich hier zwei Methoden an: Inflation oder Mehrwertsteuer. Inflation scheidet aus, weil es mit dem Euro dann alle Mitgliedsstaaten treffen würde. Bleibt also nur die Mehrwertsteuererhöhung, denn die trifft nur uns. Andreas Veigel Lenningen, Amtgasse

Gleich mehrere Eigentore

Zu den Artikeln "Kredit für Studiengebühren" im Teckboten vom 25. Oktober und "Bettelstudenten auf der Straße / Protest gegen Studiengebühren", im Teckboten vom 9. November:

Mit dem Schuss "Studiengebühren" konnte die Landesregierung gleich mehrere Eigentore landen. Absicht der Landesregierung war eine Bildungsoffensive: Jetzt wird Bildung mit einer Strafgebühr nach dem Muster der Ökoabgabe belegt. Absicht war weiterhin die Besserstellung von Familien: Jetzt wird die Familie pro Studierendem um 1 000 Euro jährlich schlechter gestellt als zuvor.

Des Weiteren war die Rede von mehr Mut zu Kindern: Nimmt aber der Studierende selbst einen Kredit für seine Studiengebühren auf, so fällt dessen Rückzahlung genau in die Phase seiner eigenen Familiengründung. Auch in diesem Fall ist der Schuss ein Treffer.

Vera Morlok-Gommel

Kreisvorsitzende des Deutschen Familienverbands Esslingen

Notzingen, Neuffenerstraße

Frühe S-Bahn istleider Vergangenheit

Zum Artikel "Kein Frühzug zum Flughafen", im Teckboten vom 9. November und "Während der Fußball-WM fahren die Bahnen länger", im Teckboten vom 10. November:

Keine Frage: Die Fußball-WM ist eine gute Sache, auch für die Region Stuttgart. Neben dem Werben für unsere Gegend bringt sie zumindest zeitlich begrenzte neue Arbeitsplätze und hoffentlich positive Effekte für den Sport.

Im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung am 9. November wurde über die Verlängerung des S-Bahn-Betriebs in den Nächten während der WM und über die Wiederholung des Angebotes gesprochen, während der Sommerferien 2006 wie im Sommer 2004 und 2005 erfolgreich praktiziert mit zusätzlichen frühen S-Bahn-Zügen die ersten Flüge am Morgen in Echterdingen zu erreichen. Beides brächte zusätzliche Kosten mit sich.

Das erste Angebot wurde einstimmig angenommen, das zweite von der Ausschussmehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP leider abgelehnt. Auch wenn wir ödpler nicht zu den häufigen Urlaubsfluggästen gehören, ist es erst recht bei den bundesweit höchsten Feinstaubwerten in Stuttgart allemal besser, wenn die Fluggäste mit der S-Bahn anreisen als mit ihrem Auto.

Muss sich die Verkehrssituation in der Region Stuttgart noch mehr zuspitzen, damit wir solche Angebote weiter bereit stellen? Bei einer Abwägung beider Möglichkeiten aus Kostengründen muss das Interesse der Allgemeinheit Vorrang haben vor dem der Fußballfans.

Helmut Staiger

ödp-Regionalrat und Mitglied

des Verkehrsausschusses

Ötlingen, Johannes-Kepler-Straße

Vergib ihnen, denn siewissen nicht, was sie tun

Zum Artikel "Man muss dem Schwätzer das Maul stopfen", im Teckboten vom 10. November:

Der Philipp-Jeningen-Kreis der Diözese Rottenburg-Stuttgart meinte, den katholischen Nürtinger Pfarrer W. Sedlmeier aufgrund einer angeblich anstößigen Marienausstellung ("Oh Maria") bei Bischof G. Fürst "anzeigen" zu müssen; "anschwärzen" wäre wohl der passendere Begriff. Dabei hatten sie nicht einmal den Mut, den Brief an den Bischof namentlich zu unterzeichnen.

Dass einige erzkonservative Christen Probleme damit haben, dass Maria eine Frau war, ist das eine; einen katholischen Priester deshalb gleich beim Bischof zu denunzieren, ist eine andere Sache. Abgesehen davon, dass es in Deutschland glücklicherweise eine Freiheit der Kunst gibt, kann man sich natürlich darüber streiten, ob dies in einer Kirche ausgestellt gehört.

Dass es sich hierbei um eine gezielte Denunziation eines unbequemen Geistlichen handelt, erkennt man schon daran, dass der Kreis den "hochwürdigsten Herrn Bischof" auffordert, zu prüfen, "ob die Entweihung der Johanneskirche so schwerwiegend ist, dass sie die in Canon 1211 des kirchlichen Gesetzbuches vorgesehene Strafe nach sich zieht". Dabei hat sich der Kreis schon auf den "Tatbestand" der Entweihung vorfestgelegt, bevor der Bischof dies überhaupt prüfen konnte. Dass dieser Verein des Weiteren unsäglichste Bibeltexte zur Belegung seiner Behauptungen zuhilfe nimmt, untermauert diesen Verdacht.

Einen angesehenen katholischen Priester als "Schwätzer und Verführer" zu bezeichnen, dem "man das Maul stopfen muss" und ihm den Charakter eines Zuhälters zu unterstellen, kann nur als eine Unverschämtheit bezeichnet werden. Darüber hinaus fragt man sich, ob in Nürtingen der Pfarrer über eine solche Ausstellung allein entscheidet? Bischof Fürst wäre gut beraten, sich auf solch dümmliche Verleumdungen gar nicht erst einzulassen. Da kann man wohl nur noch resignierend bitten: "Oh Maria . . . Verzeihung . . . Oh Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"

Jens Wollenschläger

Lenningen, Teckstraße