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Unsere Leserbriefspalte wurde eingerichtet, um sachliche Lesermeinungen zu Veröffentlichungen in unserer Zeitung zu Wort kommen zu lassen. Die von der Redaktion festgesetzte Obergrenze für den Umfang eines Leserbriefs beträgt sechzig Druckzeilen.

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Kein Platz für Roma?

Im November wurde bekannt, dass aus Baden-Württemberg abgeschobene Roma von der UN-Verwaltung des Kosovo wieder zurückgeschickt wurden: Die UNO-Truppe kann für die Sicherheit der Roma im Kosovo nicht bürgen. Ein weiteres Beispiel von Abschiebung ohne Rücksicht auf das weitere Schicksal der ausgewiesenen Menschen wird hier geschildert: Frau Bahrja Tahirovic aus Wendlingen kam als Bürgerkriegsflüchtling vor 15 Jahren nach Deutschland. Ihre jugoslawischen Papiere und die ihrer Kinder sind nicht mehr gültig. Ihr Mann ist kroatischer Staatsbürger. Er bekommt ein Touristenvisum jeweils für drei Monate, wenn er seine Familie in Deutschland sehen will. Dann muss er wieder ausreisen.

Nun wurde Frau Tahirovic mit fünf Kindern am 11. Oktober über den Flughafen Frankfurt nach Kroatien abgeschoben. Das jüngste Kind wurde in Kirchheim geboren. Auch die vier weiteren abgeschobenen Geschwister gingen ausschließlich in Deutschland zur Schule. Kroatien kennen sie nicht. Kroatisch können sie nicht. Frau Tahirovic ist jetzt mit den fünf Kindern bei ihrem Mann in Zagreb. Mehr als die Kleider am Leib konnten sie bei der Abschiebung nicht mitnehmen. Die kroatischen Behörden sehen sich für diese Menschen nicht zuständig. Krank werden sollten sie jetzt nach Möglichkeit nicht, denn Anspruch auf eine medizinische Versorgung besteht nicht. Sie sind nicht krankenversichert. Ein Schulbesuch ist nicht erlaubt. Ihre Aufenthaltsberechtigungen für Kroatien sind am 11. Dezember abgelaufen. Es wurde ihnen eine Frist zur Ausreise bis zum 11. Januar eingeräumt. Doch wohin sollen sie gehen? Der kroatische Staat unterstellt ihnen, sie seien illegal im Land. Aus Deutschland wurden sie abgeschoben. Ein erwachsener Sohn der Familie teilt mit, dass er auf dem Regierungspräsidium Stuttgart die Auskunft erhielt, dieser Fall sei von der Politik verursacht, und es sei nicht Sache des Präsidiums, was nach der Abschiebung mit den Menschen geschehe.

Pfarrer Reimar Krauß

Bezirksbeauftragter für

Flüchtlinge im Evangelischen

Kirchenbezirk Kirchheim

Notzingen, Kirchheimer Straße

Gute Taten mit demGeld der Steuerzahler?

Zum Leserbrief "Die Hoffnung stirbt zuletzt" im Teckboten vom 17. Dezember:

Die Wochen vor Weihnachten sind auch die Zeit, in der sich zahlreiche Gutmenschen dazu berufen fühlen, andere an den Grundsatz der christlichen Nächstenliebe zu erinnern. So auch im Fall der kurdischen Familie Batan, die seit 18 Jahren hier lebt und eine vorgezogene Bescherung in Form eines dauerhaften Bleiberechtes in Deutschland bekommen soll.

Die Großzügigkeit, die in diesem Fall von der deutschen Bevölkerung und den Behörden eingefordert wird, sollte jedoch nicht den Blick auf die Fakten versperren. Mit der Türkei, wohin die Familie ausreisen soll, führt die EU schließlich seit dem 3. Oktober dieses Jahres Beitrittsverhandlungen. Voraussetzung für diese Gespräche war die Umsetzung europäischer Grund- und Menschenrechtsstandards in diesem Land. Somit erscheinen die Entscheidungen des Petitions- und des Härtefallausschusses des Landtags, der Familie ein weiteres Bleiberecht in Deutschland zu verweigern, richtig und konsequent, da ihr offensichtlich keine politische Verfolgung droht.

Hinter dem Interesse an einem dauerhaften Bleiberecht scheinen somit wohl eher wirtschaftliche Gründe zu stehen. Lädt ein deutscher Gastgeber ausländische Personen zu sich ein, so muss von diesem vor der Erteilung eines Visums eine Verpflichtungserklärung unterschrieben werden. Darin erklärt der Gastgeber, sämtliche Kosten des Aufenthalts und der Unterbringung zu übernehmen und versichert, dass seine ausländischen Gäste keine finanziellen Ansprüche an die Bundesrepublik Deutschland stellen werden. Ähnlich könnten sich auch die Befürworter eines dauerhaften Bleiberechtes der Familie dazu verpflichten, für sämtliche, eventuell dem Steuerzahler entstehende Kosten aus dem Verbleib dieser Familie in Deutschland aufzukommen. Da die Familie Batan angabegemäß ohne Sozialhilfe auskommt, unbescholten und integriert ist, dürfte diese Unterschrift ja kein Problem sein.

Christliche Nächstenliebe zeigt sich schließlich in eigenen guten Taten für andere Menschen und nicht im großzügigen Umgang mit dem Geld der Steuerzahler.

Thilo Rose

Kirchheim, In der Warth

Erhalten und bewahren

Nach meinem Einkaufserlebnis am Samstag vor dem 3. Advent ist es mir ein Bedürfnis, mein Erleben kund zu tun. Am Parkhaus Krautmarkt standen über zehn Autos. Also habe ich mein Glück am Schlossplatz versucht. Welch angenehme Überraschung: Parkhelfer haben mich in eine Parklücke eingewiesen.

Die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt war anregend. Beim Besuch der Geschäfte wurde ich von freundlichen Verkäuferinnen empfangen und beraten, sodass ich kurzentschlossen meine Weihnachtseinkäufe tätigte. Über den Weihnachtsmarkt und den verlagerten Obst- und Gemüsemarkt schlendernd, hörte ich immer wieder Mitbürger davon reden, dass sie auch noch eine gute Bratwurst beziehungsweise Rote Wurst genießen wollen. Voll Erwartung standen viele vor dem Bruzzel-Stand Schlange.

Dieser Stand gehört aus meiner Sicht zu Kirchheim wie die Kleiderständer auf der Marktstraße. Die Menschenschlange am Stand weist auf die Beliebtheit hin. Der Duft der bruzzelnden Würste macht Appetit. Bekennen wir uns zu unserer Einkaufsstadt Kirchheim mit allen Facetten. Meine Weihnachtsbitte an die Bürger in Kirchheim und um Kirchheim herum: Versuchen wir uns zu unserer schönen Stadt zu bekennen und das, was wir haben, zu erhalten und zu bewahren. Erst wenn man etwas nicht mehr hat, weiß man, was man verloren hat. Waltraud Hack Dettingen, Reußensteinstraße

Die Transportkosten sindeinfach viel zu niedrig

Zum Artikel "Mack & Schüle baut Vertrieb aus", im Teckboten vom 15. Dezember:

Ich genieße gerade das zweite Viertel Trollinger mit Lemberger trocken und lese dabei den Teckboten, heute etwas ausführlicher als sonst. Ich lese auf Seite 4: "Weinimport Positive Schubkraft durch Distribution (auf deutsch: Vertrieb) kalifornischer Weine in Deutschland 30 neue Arbeitsplätze." Das klingt ganz gut.

Ich nehme einen kräftigen Schluck von Beutelsbach im Remstal und denke, was mir ein Weinbauer vor vielen, vielen Jahren einmal gesagt hat: "Der Wein schmeckt da, wo er wächst, am besten". Aber was soll das? Es gibt sicher auch schwäbischen Trollinger in Washington zu kaufen, warum dann nicht auch einen Kalifornier im Supermarkt in Beutelsbach, wenn es dort einen gibt.

Auf Seite 11 lese ich im Teckboten weiter: "Seehofer lehnt Import von Laborwein ab Bundesregierung will Abkommen mit USA stoppen." Ich weiß natürlich nicht, was hinter dieser Ankündigung steckt, ist mir auch egal. Es gibt in Kalifornien sicher hervorragende Weine und sie munden dort vermutlich auch am besten. Ich bleibe deshalb bei meinem Trollinger mit Lemberger.

Ein wenig nachdenklich darf man aber schon werden. Ist es sinnvoll, italienische Spagetti in Chicago zu distributieren oder griechischen Schafskäse, hergestellt im Allgäu aus Kuhmilch, mit dem Lkw nach Piräus und weiter mit dem Schiff nach Amerika zu verfrachten?

Eine Antwort darauf wäre: Die Transportkosten sind viel zu niedrig, der Diesel zu billig. Las ich doch neulich, auch im Teckboten, dass die vorhandenen Erdölreserven schätzungsweise noch 50 Jahre reichen. Und dann? Ja, ganz einfach, dann kaufe ich eben Biodiesel. Die freie Marktwirtschaft wird das schon regeln.

Friedrich Blum

Kirchheim, Lange Morgen

Risiken prüfen undAlternativen suchen

Zu dem Artikel "Schweiz, Absage an Genprodukte" und dem Kommentar "Die Risiken abwälzen", im Teckboten vom 28. November:

Es ist doch interessant, wie unterschiedlich man ein und die selbe Sache anschauen kann. Jörg Bischoff sieht in der Entscheidung der Schweizer gegen gentechnisch veränderte Produkte einen "Ausdruck der politischen Unfähigkeit, mit der Zukunft angemessen umgehen zu können". Ich sehe in der Genmanipulation einen Ausdruck der Unfähigkeit, angemessen mit der Natur und damit der Zukunft umzugehen. Doch dies muss kein Widerspruch sein.

Unpolitisch wäre sicherlich, wenn man sich auf eine Absage beschränken und die Forschung den "Anderen" überlassen würde. Klug könnte sein, die Risiken sorgsamer und "langfristiger" zu prüfen und gleichzeitig die alternative Forschung mit ihren noch lange nicht erschöpften Möglichkeiten zu intensivieren. Was, wenn die Genforschung alternativ getoppt werden könnte? Dann wäre man nicht hinterher sondern voraus.

Christiane Riepe-Schönhuth

Nürtingen, Reuderner Straße

Lob und Dank für dieInitiative "Nette Toilette"

Zum Artikel "Nette Toilette Befürworter geben nicht auf", im Teckboten vom 16. Dezember:

Wer kennt nicht dieses Problem man fährt aus dem Umland nach Kirchheim in die schöne Einkaufsstadt. Die Liste der geplanten Einkäufe ist lang und jetzt müsste man mal dringend den Frühstückskaffee loswerden, aber wo? Mir ist es schon passiert, dass ich sehr höflich um die Benutzung der Toilette in einem Geschäft gebeten habe, aber Fehlanzeige. Mit "Bedauern" wird einem dann mitgeteilt: "Wir haben keine Kundentoilette." Also heißt es kneifen bis es einem schlecht wird und schleunigst mit dem Auto heimfahren restliche Einkäufe "ade". Ein Lob und Dank deshalb auf Herrn Wolfgang Schulers Initiative "Nette Toilette".

Gisela Schmid

Weilheim, Hohenneuffenweg

Nachdenken und handeln

Zum Artikel "Krach um Millionen":

Eigentlich können sie nichts dafür, die Lehrer, für ihr Handeln, denn so sind sie in der Ausbildung konditioniert und so verlangt es das System: immer erst nach dem Schlechten suchen, dem Haar in der Suppe, dem möglichen Fehler. Diktat, 200 Worte, 198 richtig, 2 falsch die werden gesucht. Spender, zehn Millionen, Vergangenheit da wird gesucht. Hier spiegelt sich endlich einmal krass in Zahlen, was täglich an Schulen geschieht.

Unangemessene Kritik und mangelnde Anerkennung führen zu Verweigerung, beim einen bezüglich der Spende, bei den anderen bezüglich der Leistung. "Ja das wird von oben so angeordnet." Mit diesen Worten ist zu allen Zeiten Unrecht jeglicher Art entschuldigt worden. Wir brauchen ganz schnell eine Umdenke zum Positiven. Lehrer haben eine Schlüsselfunktion in der Bevölkerung. Der Anstoß in Zahlen (zehn Millionen kaputt) sollte zum Nachdenken und Handeln anregen. Reinhard Müller Wendlingen, Kirchheimer Straße

Die Redaktion nimmt eine sachliche Leserzuschrift, die sich auf eine Veröffentlichung in unserer Zeitung bezieht, gerne entgegen. Sie übernimmt dafür aber nur die presserechtliche Verantwortung und behält sich in jedem Fall Kürzungen vor. Leider können handschriftliche Manuskripte nicht berücksichtigt werden. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht.