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"Unserem Land hervorragend gedient"

Im Herbst 1998 ist er schon einmal verabschiedet worden, als OB von Esslingen. Doch für den Ruhestand fühlte sich Ulrich Bauer noch zu agil. Deswegen griff der studierte Architekt sofort zu, als er das Angebot bekam, etwas wirklich Großes zu schaffen: die neue Landesmesse. Bauer habe in diesem Job Herausragendes geleistet, bestätigte Ministerpräsident Günther Oettinger, als er den mittlerweile 68-Jährigen endgültig in den Ruhestand verabschiedete.

HARALD FLÖSSER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Er sei nach einem Unfall gesundheitlich zu angegriffen für eine zweite Amtszeit als OB. Das nahm man Bauer damals in Esslingen ab. Doch fühlten sich viele wie vor den Kopf gestoßen, als bekannt wurde: Der Ex-OB wird Geschäftsführer der Projektgesellschaft Neue Messe. Das Amt des Oberbürgermeisters war für den gebürtigen Schwäbisch Haller ein wichtiger Sprung auf der Karriereleiter, richtig glücklich wurde er in der aufreibenden Position nicht, zumal in Zeiten, in denen es vor allem galt, den Mangel zu verwalten. Bauer wollte gestalten statt verwalten und sich dabei nicht von allen möglichen Zwängen auffressen lassen. Als ihn Stuttgarts OB Wolfgang Schuster fragte, ob er den Bau der neuen Messe managen wolle, sagte Bauer sofort zu. Denn er spürte, dass er sich zum Abschluss seines Berufslebens mit einem architektonischen Meisterwerk einen Traum erfüllen konnte.

Drei Jahre planen, drei Jahre vor Gericht streiten und mit den Behörden ringen, drei Jahre bauen so hat Bauer seine neun Jahre als Geschäftsführer der Projektgesellschaft einmal zusammengefasst. Was dabei herausgekommen ist, wurde schon bei der Messe-Einweihung im Oktober selbst vom Bundespräsidenten Horst Köhler in höchsten Tönen gelobt. Bei einem Festakt in der neuen Messe sprach Ministerpräsident Oettinger nun vor vielen hochrangigen Vertretern des öffentlichen Lebens und am Bau Beteiligten von einem "modernen Denkmal", das Bauer "mit Herz und Verstand", aber auch mit herausragendem persönlichem Einsatz geschaffen habe. Der Ministerpräsident zollte dem 68-Jährigen großen Respekt vor seiner Lebensleistung. Auch als OB in Esslingen und als Baubürgermeister in Heilbronn habe Bauer viel erreicht. Mit dem Bau der Messe habe er "dem Land hervorragend gedient", da er mit dem Projekt die Grundlage für weiteren wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Fortschritt in Baden-Württemberg geschaffen habe.

"Sie waren für mich die Idealbesetzung", würdigte Stuttgarts OB Wolfgang Schuster Bauers Leistung. Er habe eine schwierige Herausforderung angenommen und dabei manche verbale Prügel einstecken müssen, sagte Schuster. Horst Mehrländer, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Projektgesellschaft, bescheinigte Ulrich Bauer, dass er mit großer Leidenschaft und Hartnäckigkeit für das Projekt gekämpft habe. Und manchmal ging der Einsatz so weit, dass er sogar gesundheitliche Opfer brachte, erwähnte Bernd Steinacher, der Direktor des Verbands Region Stuttgart, als weiterer Lobredner.

Ulrich Bauer war es ein großes Anliegen, vielen Weggefährten und Mitstreitern persönlich danke und adieu zu sagen. Er empfinde große Dankbarkeit, sagte er vor mehreren hundert Festgästen. Nicht jedem sei es vergönnt, zum Ende eines langen Berufslebens mit einer Aufgabe dieser Dimension betraut zu werden. Über das große Lob sei er "fast beschämt", sagte Bauer im Beisein seiner Familie. Auch bei seinem letzten großen öffentlichen Auftritt gab er sich optimistisch, dass der von der Landesregierung gesetzte Kostenrahmen von 806 Millionen Euro "plus-minus ein bis zwei Prozent" eingehalten werde.