Lokales

Untätige Manager?

CHRISTA ANSEL

Anzeige

WENDLINGEN Die Erwin Behr Automotive GmbH stellt Zierteile für den Innenraum hochwertiger Fahrzeuge her. Produziert wird an drei Standorten: in der Wendlinger Zentrale, in Wallerstein und in der Tochterfirma Behr Industries Corporation im amerikanischen Grand Rapids (Michigan). Gegründet wurde das Unternehmen in Wendlingen 1912 von Erwin Behr. Ein Meilenstein in der Geschichte der einstigen Möbelfabrik war unter anderem die Serienfertigung von hochwertigen Möbeln, bei der die "Synthese aus Qualität und Preis" verwirklicht wurde. Am Wendlinger Standort sind heute rund 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, Sieghard Bender, spricht in einer Presseerklärung von "erheblichen Verlusten", die das Unternehmen im vergangenen Jahr verzeichnen musste. Neue Verarbeitungsverfahren hätten allerdings neue Aufträge möglich gemacht. Gegenüber der Gewerkschaft habe die Geschäftsführung die Bereitschaft der Gesellschafter und der Banken für die entsprechenden Investitionen signalisiert.

Seit neun Monaten habe das Unternehmen mit der IG Metall über einen Standorttarifvertrag verhandelt. Die Belegschaft sei in Vorleistungen gegangen, habe unter anderem Tariferhöhungen gestundet. Am 3. Mai 2007 habe man das Verhandlungsergebnis festgezurrt. Demnach bringt die Belegschaft durch flexiblere Arbeitszeiten und verschobene Tariferhöhungen eine Kostenreduzierung von rund 15 Prozent. Im Gegenzug seien Investitionen zugesagt, mindestens 200 Neueinstellungen, der Einstieg in die Berufsausbildung und Kündigungsschutz bis 2016.

Basis für diese Einigung, so Sieghard Bender, seien Großaufträge aus der Automobilindustrie gewesen, die die Geschäftsleitung als "bereits eingegangen" bezeichnet habe. Die Wendlinger Belegschaft habe dem Verhandlungsergebnis schließlich bei einer Abstimmung zugestimmt. Trotzdem habe jetzt die Geschäftsleitung über den Arbeitgeberverband Holzindustrie mitgeteilt, "sie wolle weitere Opfer" von der Belegschaft.

In dieser Woche, teilte gestern der Erste Bevollmächtigte der IG Metall mit, sei im Unternehmen ein Großauftrag "in den Sand gesetzt" worden. "Wir haben den Eindruck, dass die Geschäftsführung den Auftrag gar nicht wollte", formulierte es ein Beschäftigter gegenüber der Gewerkschaft. Für Irritationen unter der Belegschaft sorge zudem die Verzögerung der Investitionen (Maschinenpark und neue Hallen in Wendlingen). Die Geschäftsführung "rühre keine Hand", obwohl im Oktober erste Teile gefertigt werden sollen, moniert die Gewerkschaft.

Hingewiesen wird auf mehrere Wechsel im Management. Für Bender deutet die Mischung aus ständigem Führungswechsel, Entscheidungsverzögerungen, Negieren von Verhandlungsergebnissen darauf hin, "dass hier eine Clique am Werk ist, die versucht, aus dem angeschlagenen Betrieb rauszuholen, was rauszuholen ist". Derzeit werde überprüft, ob Konkursverschleppung vorliege. Der derzeitige Geschäftsführer Bernd von Löbbecke war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.