Lokales

Untergrund im Vordergrund

Umfangreiche Kanalsanierung in Dettingen

„Kanalsanierungen sind die Maßnahmen, die man nicht sieht, und die am meisten kosten.“ So charakterisierte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann die kommunale Pflichtaufgabe, die seiner Gemeinde dieses Jahr wieder ins Haus steht. 410 000 Euro steckt die Verwaltung 2008 in den Untergrund.

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BIANCA LÜTZ

Dettingen. Über 32 Kilometer lang ist das Kanalnetz der Gemeinde Dettingen. Rund zwei Drittel davon, also 21,8 Kilometer, werden dieses Jahr wieder per Videobefahrung auf ihren Zustand hin untersucht und gereinigt. Darunter befindet sich der gesamte Guckenrain. Zu diesen Kanaluntersuchungen ist die Gemeinde verpflichtet, seit 1989 die Eigenkontrollverordnung in Kraft getreten ist: Das Gesetz sieht vor, dass die Kommunen die Dichtigkeit ihrer Kanäle alle zehn Jahre überprüfen lassen, eine Schadensbilanz ziehen und eine Prioritätenliste für Sanierungsmaßnahmen erstellen. Das soll verhindern, dass Abwasser ins Grundwasser gelangt und umgekehrt.

Neben den Kanaluntersuchungen rücken in Dettingen dieses Jahr auch Sanierungsarbeiten an den Kanälen in den Vordergrund. Zum einen steht noch ein Teil der Maßnahmen aus, die der Prioritätenplan 2002 vorsieht. 30 Kanalhaltungen – so heißen die Abschnitte zwischen zwei Schächten – werden per Inlinerverfahren saniert. Das heißt, ein neues Rohr wird ins alte Rohr eingeschoben. Bei 15 weiteren Haltungen kommt das Roboterverfahren zum Tragen: Dabei repariert ein ferngesteuerter Roboter Schadstellen in den Leitungen. Von den insgesamt 410 000 Euro entfallen 270 000 Euro auf die Sanierung im Inlinerverfahren, die Robotersanierung schlägt mit 30 000 Euro zu Buche und die Videobefahrung kostet 110 000 Euro.

Dr. Werner Hack (FWG) erkundigte sich, ob es nötig sei, alle Kanäle zu befahren. „Der alte Guckenrain muss doch sowieso komplett saniert werden.“ Horst Unger vom beauftragten Ingenieurbüro gab zu bedenken, dass eine Neubefahrung zeigen werde, ob jede Haltung komplett saniert werden müsse oder ob sich die Gemeinde vielleicht den ein oder anderen Komplettaustausch ersparen könne. „Es ist wahrscheinlich, dass wir durch die Neubefahrung so gute Erkenntnisse erhalten, dass wir die Möglichkeit haben, Geld zu sparen“, ergänzte Rainer Haußmann.

Wenn die Befahrung abgeschlossen ist, stellt die Gemeinde eine neue Prioritätenliste auf. Die wird abgestimmt mit anderen Maßnahmen im Untergrund. „Abwasser, Wasser und Straßenbau bedingen sich gegenseitig“, so Haußmann. „Nach den Notwendigkeiten im Untergrund richtet sich auch der Straßenbau.“

Insgesamt hat die Kanalsanierung seinen Angaben nach in den vergangenen Jahren große Forschritte gemacht. Durch das Inlinerverfahren, bei dem die Straßen nicht komplett aufgerissen werden müssen, sind die Reparaturen nicht nur kostengünstiger geworden, auch die Beeinträchtigungen für die Anwohner halten sich in Grenzen. Dass die Eigenkontrollverordnung bald nicht mehr nur kommunale Sache sein wird, das kündigte Bürgermeister Rainer Haußmann an: Auch Privathaushalte sollen ihm zufolge künftig ihre Leitungen in Eigenkontrolle untersuchen lassen.