Lokales

Unterm Baum wird gesungen

Das Belcanto-Quintett begeisterte durch die Kraft der Stimmen

Notzingen. In der Jakobuskirche in Notzingen ist die Entscheidung unter dem Baum gefallen: Da standen

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vier Sänger und sangen Weihnachtslieder aus aller Welt. Hinter ihnen der Altar und die Altarbilder, eines mit der Anbetung Christi durch die Heiligen Drei Könige – in diesem Rahmen wurden die Lieder zu einer musikalischen Botschaft und zu einer Antwort auf einen provokanten Werbespruch. Diese Antwort vollzog sich nicht eifernd oder gut gemeint, sondern entspannt und selbstbewusst.

Das Belcanto-Quintett Stuttgart bietet Gesangskunst auf höchstem Niveau und hat dies in der Region schon mehrfach unter Beweis gestellt. Die Tenöre Peter Besch und Wolfgang Isenhardt, der Bariton Ulrich Wand und der Bassist Helmut Kühnle haben unter der Begleitung von Pianist und Organist Michael Kuhn schon weltweit Konzerte verschiedener Art gegeben. Von diesen Reisen haben sie Weihnachtslieder nach Notzingen mitgebracht, in fünf Pakete verschnürt. Zwischen den Lieddarbietungen durften die Zuhörer auch mal singen – durchaus vernehmbar, denn das geräumige Notzinger Kirchenschiff war randvoll mit Zuhörern besetzt. Peter Besch moderierte und las eine kurzweilige Tierfabel, in der die Frage gestellt wird, ob die Menschen noch wissen, worum es an Weihnachten eigentlich geht – vor lauter materiellen Wünschen.

Mit einem furiosen Orgelvorspiel wurde klargestellt, dass das Weihnachtsliedersingen in der Jakobuskirche nicht in kitschiger Sentimentalität versinken wird. Michael Kuhn bot in brillanter Manier die Toccata G-Dur von Théodore Dubois und gegen Schluss des Programmes artis­tisch die schwindelerregende Festival Toccata C-Dur von dem britischen Komponisten Percy Eastman Fletcher.

Als erstes Paket wurde das mit Weihnachtsliedern anonymen Ursprungs aufgeschnürt, arrangiert von Wolfgang Isenhardt. Danach ging es nach Kärnten mit seinem schmusigen Dia­lekt, dann in die weite Welt mit Spanien, Frankreich, der Türkei und schließlich den USA mit der mittlerweile auch hierzulande populären „White Christmas“ und den „Jingle Bells“. Freundlicherweise schloss sich bei sprachlichen Schwierigkeiten immer eine deutsche Strophe an.

Besonders wohl fühlte sich die Truppe nach eigener Aussage bei einem Lied von Harry Pleva. Der wohnte 20 Jahre in Notzingen und war viele Jahre Leiter des Montanara-Chors, dessen Mitglieder die Belcanto-Sänger sind.

So spannte sich ein farbenfroher Bogen mit Weihnachtsliedern der Welt von tiefer Innerlichkeit bis zu humorvoller, ausgelassener Fröhlichkeit. Diese Variationsbreite wird nur möglich durch das professionelle Können und das blinde Verständnis der Truppe. Technische Verstärkung oder szenische Mätzchen hat sie nicht nötig. Die Akteure können auf die Kraft ihrer Stimmen vertrauen, jeder für sich selbst und zusammen im homogenen Zusammenklang. Die Kraft dieser Stimmen genügte, um dem begeisterten Notzinger Publikum ein Weihnachtsfest nach dem Weihnachtsfest zu bescheren.