Lokales

Unterschriftenaktion bereits in Gang gebracht

"In Ohmden geht die Angst um", ist sich Martha Mayer, die seit 40 Jahren in der Gemeinde wohnt, sicher. Es ist nämlich durchgesickert, dass der Gemeinderat jüngst in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen hat, eine Mobilfunkantenne beim Wasserturm erstellen zu lassen.

RUDOLF STÄBLER

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OHMDEN Und so wurde von verschiedenen Bürgern der Gemeinde schnell mobil gemacht und mehr als 100 Unterschriften auf dem Rathaus "abgeliefert", Unterschriften, die sich gegen die Erstellung eines Sendemastens richten. Allerdings, das bestätigte Martha Mayer, gibt es in Ohmden schon seit längerer Zeit einen Sendemasten in der Zeller Straße. Den Platz hierfür hatte ein Privatmann zur Verfügung gestellt und dagegen gibt es keinerlei rechtliche Handhabe. Und Martha Mayer fährt abschließend noch ein recht schweres Geschütz auf: "In den letzten zweieinhalb Jahren sind in unserer Gemeinde so viele Frauen an Krebs erkrankt oder gar gestorben wie noch nie in 40 Jahren zuvor." Sie kann vor allem nicht verstehen, dass der Gemeinderat solch eine wichtige Angelegenheit "hinter verschlossenen Türen" berät. "Jeder noch so kleine Bauantrag wird sonst öffentlich beraten" macht sie ihrem Zorn Luft. Als Initiatorin der Unterschriftenaktion will sie sich allerdings nicht sehen. "Ich habe nur dafür gesorgt, dass die Unterschriften schnell beieinander waren."

Der stellvertretende Bürgermeister Dr. Klaus Dolde, Bürgermeister Merkle ist im Urlaub, wusste bereits von den Protesten und erläuterte auch, wie der Gemeinderat zu diesem nichtöffentlich gefassten Beschluss kam. Er weiß zu berichten, dass noch vor einigen Jahren geklagt wurde, dass man in der Gemeinde Ohmden "hinter dem Mond" lebe, weil nicht alle Mobilfunknetze empfangen werden konnten. Zwischenzeitlich sind alle Netze abgedeckt, aber der technische Fortschritt macht nicht halt.

Vor einiger Zeit war der Mobilfunkbetreiber O2 auf der Suche nach einem Standort für eine Antenne für das neue UMTS-Netz. Aus technischer Sicht handelt es sich bei UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) um das Mobilfunknetz der "dritten Generation". Dieses zeichnet sich im Vergleich zum bestehenden GSM-Netz durch wesentlich höhere Datenübertragungsraten aus und bietet unter anderem einen schnellen Zugriff auf das Internet. Mit einer Datenrate von 384 kbit/sec stellt es eine Alternative zu T-DSL dar, das in Ohmden von der Deutschen Telekom nur mit einer begrenzten Datenrate angeboten wird. Die Gemeinde hat so dem Betreiber zunächst Standorte außerhalb der bebauten Ortslage angeboten. Diese waren für den Betreiber jedoch nicht akzeptabel, weil die UMTS-Technik mit einer wesentlich geringeren Leistung betrieben wird, und das Antennennetz deshalb dichter sein muss.

Auch die topografischen Verhältnisse spielen hierbei eine große Rolle. Von O2 wurde der Gemeinde deshalb der Standort auf dem Wasserturm vorgeschlagen. Gleichzeitig war der Netzbetreiber mit einigen Grundstücksbesitzern im Bereich um den Wasserturm in Verhandlungen, um die Antenne auf privaten Gebäuden zu errichten. Auch sei die geplante Antennenanlage baurechtlich nicht genehmigungspflichtig, und die Leistungsdaten lägen unter den geltenden Grenzwerten. Die Gemeinde kann also rechtlich die Anlage nicht verhindern. Der Gemeinderat war deshalb der Auffassung, dass es besser sei, die Anlage auf einem kommunalen Standort zu haben, um wenigstens einen gewissen Einfluss auf die installierte Technik zu haben und habe deshalb dem Standort auf dem Wasserturm zugestimmt. Letztlich, das wurde allerdings nicht ausgesagt, kommt ja auch ein kleines Sümmchen der klammen Gemeindekasse ziemlich gelegen.