Lokales

Unterwegs im 30-Minuten-Takt

Umfangreiche Arbeiten für die Verlängerung der S-Bahn nach Kirchheim in vollem Gange

Die Türen am Kirchheimer Bahnhof, die auf den Bahnsteig führen, sind verriegelt und kein Reisender wartet auf den Zug. Es wäre auch sinnlos, denn dort, wo sonst die Züge stehen, fahren jetzt Bagger auf den Gleisen, ein Betonmischer nach dem anderen taucht auf – der Ausbau der S-Bahn von Plochingen bis Wendlingen ist im vollen Gange. Vor etwa 30 Jahren forderte man erstmals die Verlängerung. Nun zeigen Arbeiter und Baumaschinen am Bahnhof, dass der lang gehegte Wunsch nun doch noch in Erfüllung geht.

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Rudolf Stäbler

Kirchheim. Als diese Forderung auftrat, wurde geplant, seit 1996 unter der Zuständigkeit des Verbands Region Stuttgart. Zunächst galt es dabei in den Jahren 1997 und 1998, die Planungen auf den Stand der Neubaustrecke Stuttgart – Ulm anzupassen, die im Bereich Wendlingen eine Verknüpfung mit der Neckartalbahn Plochingen – Tübingen erhalten sollte.

Nachdem im Jahr 2000 zum wiederholten Male der Realisierungshorizont der Neubaustrecke nach Ulm nicht absehbar war, hatte der Verkehrsausschuss des Verbandes Region Stuttgart beschlossen, Planungen für einen Vorlaufbetrieb auf der bestehenden Trasse anzugehen. Auf dieser Basis wurde dann ein Betriebskonzept sowie die Infrastrukturplanung vorbereitet. Der erste Spatenstich beziehungsweise Baggerbiss konnte am 23. Juli dieses Jahres durchgeführt werden. Und der Bagger erlebte einen „Großen Bahnhof“ an diesem Mittwoch. Landrat, Oberbürgermeisterin, Vertreter des Innenministeriums und der Region Stuttgart gaben sich ein Stelldichein, um, wie auch gehört, das „Jahrhundertereignis“ anzugautschen. Und nach 30-jähriger Planungszeit wollte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker nur eins: „Nun wollen wir den Baustart schnell auf den Weg bringen.“ Sie konnte sich jetzt sicher sein, dass es wohl keine weiteren Verzögerungen mehr geben wird.

Für die S-Bahn wird im Abschnitt Plochingen – Wendlingen die Oberleitung und die Sicherungstechnik zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit angepasst. Zwischen Wendlingen und Kirchheim muss die eingleisige Strecke neu elektrifiziert werden, Bahnsteige sind zu erneuern und müssen in der Höhe und Länge angepasst werden und auch ein barrierefreier Zugang wird gesichert. Im Bahnhof Kirchheim entsteht dazu noch eine Abstellanlage für S-Bahn-Fahrzeuge und Regio-Shuttle. Die derzeitigen Bauarbeiten in Wendlingen werden nach Auskunft der Pressestelle der verantwortlichen DB Projekt GmbH in Stuttgart durch den Bau der Oberleitung und durch umfangreiche Kabelverlegungsarbeiten bestimmt. In Kirchheim sind zum jetzigen Zeitpunkt vor allem Gleisbauarbeiten angesagt. „Gebuddelt“ werden Kanäle für die notwendigen Signale und die entsprechende Zuführung der Kabel. Lastwagenweise wird Beton herangeführt, um Kabel in Röhren zu legen und auch die späteren Bahnsteige auszubilden. In Wendlingen sind auch die Arbeiten für den eigenen Bahnsteig für die S-Bahn in vollem Gange.

Nach Fertigstellung der Maßnahmen – ins Auge gefasst ist der Dezember 2009 – können Wernau, Wendlingen und Kirchheim künftig im 30-Minuten-Takt bedient werden und sind damit deutlich besser an Esslingen, Stuttgart und die dazwischen liegenden Stationen angebunden. Weiterhin wirkt sich die Angebotsverbesserung auch auf Umsteiger vom Bus aus den Nachbargemeinden deutlich aus.

Die gut 32,5 Millionen teure S-Bahn-Verlängerung war unter Druck geraten, nachdem das Land Baden-Württemberg angekündigt hatte, die Förderung nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz (GVFG) zu kürzen. Das Land wird sich nur noch mit einer Förderung von maximal 75 Prozent der Baukosten bei der Finanzierung des Vorhabens beteiligen. Dadurch wachsen im Gegenzug die Kosten für Region, Landkreis und Kommunen. Zwar liegt ein Zuwendungsbescheid des Landes seit Herbst 2007 vor – allerdings wird die Region große Teile der Baukosten vorfinanzieren müssen. Im Dezember 2009 soll die 12,94 Kilometer lange Neubaustrecke der S1 in Betrieb genommen werden. Im 30-Minuten Takt werden dann zwischen 5 und 1 Uhr Züge pendeln und sich im Bahnhof Wendlingen „begegnen“.

Um optimale Anschlüsse auf die S-Bahn und das Bussystem in Kirchheim gewährleisten zu können, ist im Zusammenhang mit der S-Bahn-Verlängerung auch noch die Ertüchtigung der Teckbahn Kirchheim – Oberlenningen erforderlich. Dazu muss die zulässige Höchstgeschwindigkeit in weiten Bereichen der Strecke angehoben werden und die Bahnübergänge müssen besser technisch gesichert werden. Diese Verbesserungen sollen nach der Inbetriebnahme der S-Bahnverlängerung erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, dass die DB Netz AG eine Grundsanierung des Oberbaus durchführt.

Der zeitliche Ablauf sieht vor, dass zunächst die Verlängerung vorangetrieben wird und danach eine Gesamtlösung S-Bahn und Teckbahn anzugehen. Als Zwischenstufe soll an der Teckbahn eine Bahn/Bus-Kombination angeboten werden. Der Stundentakt kann mit den bereits angeschafften modernen Fahrzeugen betrieben werden.