Lokales

Unterwegs in Deutschlands wärmster Gegend

Der Kaiserstuhl, jenes kleine Gebirge in der südlichen Oberrheinebene, mit seinen geologischen, klimatischen, botanischen und ornithologischen Besonderheiten, war das Ziel einer einwöchigen Exkursion der Kirchheimer NABU-Gruppe, die von Waltraud Riemer vorbereitet und geleitet wurde.

KIRCHHEIM Die Fahrt verlief entlang des Albtraufs nach Rottweil, um dann quer durch den Schwarzwald Furtwangen mit dem dortigen Deutschen Uhrenmuseum als erstes Ziel anzusteuern. Das Museum besitzt die größte Uhrensammlung Deutschlands und präsentiert in modernem Ambiente die große Vielfalt der Zeitmessungen von der Sonnenuhr bis zur Atomuhr.

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Beginn in WeilheimNächstes Ziel war das ehemalige Kloster Sankt Peter, das besonders deshalb interessierte, weil seine Geschichte in Weilheim an der Teck begann, bis es der Zähringer Herzog Berthold II. in den Schwarzwald verlegte. Von dort wurde noch ein Abstecher auf den Kandel gemacht, den höchsten Berg des mittleren Schwarzwaldes, bis es zum Quartier nach Heuweiler am Ausgang des Glottertals ging.

Am zweiten Tag standen für die Vogelfreunde gleich zwei "Leckerbissen" auf dem Programm: Wiedehopf und Bienenfresser. In Eichstetten am Kaiserstuhl erwarteten Frank Wichmann und Jean-Yves Follet von der südbadischen NABU die Reisegruppe. Durch einen tief eingeschnittenen Lößhohlweg, auf dessen flacheren Böschungsseite einige Smaragdeidechsen huschten, ging es auf eine leichte Anhöhe.

Wiedehopf in SichtNach einiger Geduld war ein Wiedehopf auf seinem Ansitz in einem Kirschbaum ausgemacht. In den beiden mitgebrachten Spektiven war er mit seiner "Indianerhaube" und seinen schwarzweißgebänderten Flügeln gut zu erkennen. Bald tauchte ein zweiter Wiedehopf auf und es konnte auch der Flugstil der schönen Vögel beobachtet werden. Danach ging es zur zweiten ornithologischen Rarität des Kaiserstuhls, dem Bienenfresser. Beim nahegelegenen Bickensohl war er bald in einer offenen, reich gegliederten Landschaft zu sehen. Mit seinem prächtigen, farbenfrohen Gefieder sieht er aus wie ein größerer Vetter des Eisvogels. Auch er bekam bald Gesellschaft von Artgenossen und es konnten ihre Flugkünste bei der Jagd nach Insekten bestaunt werden.

Lebensraum WaldAm Nachmittag des zweiten Tages stand der Besuch des Arboretums Liliental auf dem Programm. Das Liliental, zwischen Ihringen, dem wärmsten Ort Deutschlands und Wasenweiler gelegen, ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Freiburger, dient aber vor allem der Wissenschaft als Versuchsgelände der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt. Ein Lehrpfad vermittelt Wissenswertes über den Lebenraum Wald. Dazwischen eingestreute Wiesenstücke, die nicht zur Wiederbewaldung vorgesehen sind, wurden zu einem Refugium für rund 20 Orchideenarten. Immer wieder waren am Wegesrand die Pyramidenorchidee, das Große Zweiblatt und das Rote Waldvögelein zu sehen.

Auf der Rückfahrt ins Quartier fielen die zwischen Kaiserstuhl und Autobahn zahlreich vertretenen Weißstörche auf. Fast jedes Dorf hatte ein besetztes Nest, bei dem die Eltern eifrig bei der Brutpflege waren und drei bis vier Weißstorchkinder erwartungsvoll über den Nestrand lugten.

Am dritten Tag wurde zunächst die Kleinstadt Burkheim im Kaiserstuhl angesteuert. Sie besitzt eine wunderschöne, denkmalgeschützte Altstadt. Über der Stadt liegt, stimmungsvoll inmitten eines Weinberges, die Schlossruine des im 16. Jahrhundert von Lazarus von Schwendi erbauten Schlosses. Dieser war kaiserlicher Feldherr in Ungarn und brachte von dort die Tokayerrebe an den Kaiserstuhl.

Der Nachmittag gehörte dem Taubergießen, nördlich des Kaiserstuhls gelegen. Es ist eine urtümliche Auenlandschaft am Oberrhein, ein Naturschatz unter Naturschutz. Zunächst wurde vom Zollhaus bei Kappel das Gebiet zu Fuß erkundet, wobei neben der Gebänderten Prachtlibelle wieder zahlreiche Orchideen entdeckt wurden. Danach fuhr die Gruppe dann im Fischernachen durch die dschungelartigen Auwälder.

Auch im SchwarzwaldNachdem am nächsten Tag der Schwarzwald mit Feldberg, Todtnauer Wasserfall und Schauinsland auf dem Programm stand, nahm die Gruppe am übernächsten Tag wieder Kaiserstühler Boden unter die Füße. Ziel war der von Rasenflächen bedeckte, mehrfach gebuckelte Badberg. Den größten Teil seiner Rasenflächen nehmen Halbtrockenrasen ein. Den über den Höhenrücken führenden Weg zierten die blauvioletten Blüten des Wiesensalbeis, die blauen Blüten der verschiedenen Glockenblumenarten, die rote Karthäusernelke, die zartrosa Blüten des Arzneithymians, der gelbe Hufeisenklee und die Blaue Teufelskralle und viele andere Blüten, die zahlreiche Schmetterlinge anlockten.

Leider ließ sich die Gottesanbeterin, die "Südländerin" unter den Insekten an diesem Tag, der der heißeste der ganzen Exkursion war, nicht sehen.

Am Nachmittag erfolgte dann noch ein Besuch in Breisach, wo vor allem das auf einem Vulkanhügel über dem Rhein liegende Sankt-Stephans-Münster das Ziel war. Im Inneren des Münsters sind zwei bedeutende Werke der deutschen Kunst: Das Jüngste Gericht, ein monumentales Wandgemälde Martin Schongauers, sowie die Marienkrönung des Hochaltars, eine schöne Schnitzarbeit des Meisters H.L.

Zu einem Kennenlernen der Region Kaiserstuhl gehört natürlich auch der Wein und so stand am Nachmittag des zweitletzten Tages eine Weinprobe bei einem Ökowinzer auf dem Programm. Das Weingut, im Schambachtal bei Bötzingen gelegen, baut seit 1974 Wein im ökologischen Weinbau an. Alle Arten von mineralischem Dünger sowie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bleiben außen vor.

Die Düngung erfolgt ausschließlich über organische Masse durch Begrünungseinsaate und das Ausbringen von Kompost. Während der Weinprobe, bei der der junge Winzer engagiert und umfassend über seine Arbeit berichtete, konnten sich die Teilnehmer von der hohen Qualität der hier angebauten Weine überzeugen.

Münster und MarktAm Rückreisetag machte die Gruppe noch am Vormittag in Freiburg Station. Münsterbesichtigung und Marktbesuch standen ebenso auf dem Programm wie Schwabentor, Martinstor und die Straßen mit den Freiburger Bächle. Ein weiteres Ziel war der Rathausplatz, wo zwischen Rathaus und Martinskirche neben dem Mauersegler auch sein größerer Bruder, der Alpensegler, zu sehen und zu hören war. Auf der Heimfahrt wurde im Höllental noch ein Abstecher in die Ravennaschlucht gemacht, bevor es in zügiger Fahrt in die Heimat zurückging. Sieben erlebnisreiche Tage in einem gesegneten Landstrich lagen hinter den Teilnehmern.

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