Lokales

Unterwegs zwischen Schwarzwald und Schönbuch

Herrenberg, die Metropole des Gäus der Landschaft zwischen Schwarzwald und Schönbuch war das Ziel der jüngsten Ausfahrt, die der Ökumenische Seniorenkreis Oberlenningen unternahm.

LENNINGEN Am Busparkplatz wurden die Teilnehmer von der ehemaligen Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Lenningen, Schwester Lydia Mast, erwartet, zu einer Führung durch die einzigartige historische Altstadt und die darüber aufragende Stiftskirche. Ein Bauwerk, das dem Stadtbild seinen prägenden Charakter gibt, nicht nur von außen ein beeindruckendes Bauwerk.

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Herrenberg präsentiert sich als Fachwerkstadt. Nur wenige Städte besitzen noch heute ein so vollständig erhaltenes Ensemble stolzer Fachwerkhäuser. Die gesamte Altstadt steht daher auch als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Zwei der größten Söhne der Stadt waren Heinrich Schickhardt, der bekannte talentierte württembergische Baumeister (1558 1635) und sein Neffe, der Tübinger Professor Wilhelm Schickhardt (1592 1635), Erfinder der ersten funktionierenden Rechenmaschine der Welt.

Ein Bauwerk, das dem Stadtbild seinen prägenden Charakter gibt, ist die Herrenberger Stiftskirche. Die Pfalzgrafen von Tübingen haben vor rund 700 Jahren mit dem Bau der Stiftskirche begonnen. Die Kirche wurde in zwei Bauabschnitten errichtet: von 1276 bis 1293 und von 1471 bis 1493, und schließlich als spätgotische Hallenkirche vollendet. Bedeutende Kunstwerke sind der Taufstein von 1472, das Chorgestühl aus dem Jahr 1517 von Heinrich Schickhardt sowie die spätgotische Kanzel, welche dem Auftrag der spätmittelalterlichen Gemeinschaft der Brüder vom Gemeinsamen Leben zu verdanken ist.

Wie später Martin Luther, legten die Brüder großen Wert auf die Predigt. Deshalb gaben sie dem Herrenberger Steinmetzmeister Hans Hanselmann im Jahr 1502 den Auftrag, für die Stiftskirche einen Predigtstuhl zu schaffen. Weil diese Kanzel selbst eine kleine Predigt ist, lohnt es sich genauer hinzuschauen.

Nach einer geschichtlich sehr bewegenden und bis ins Detail reichenden Kirchenführung durch Schwester Lydia Mast, bestiegen die Besucher anschließend über eine Wendeltreppe den Turm der Herrenberger Stiftskirche. Hier oben in der Glockenstube, dem Glockenmuseum, erwartete sie schon ein Sachverständiger des Kulturamts, um den interessierten Besuchern durch einen geschichtlich sehr fundierten Vortrag eine bemerkenswerte Sammlung von Kirchenglocken aus den verschiedensten Regionen des deutschsprachigen Raumes näher zu bringen.

Glocken aus zehn Jahrhunderten und aus vielen Regionen, Glocken, die eine abgestimmte Tonleiter bilden über fast drei Oktaven, wurden in den vergangenen Jahren im Turm der Stiftskirche Herrenberg aufgehängt. Es sind keine Museumsstücke die ausgedient haben, sondern Glocken, die täglich ihren Dienst tun. Zu jeder Glocke gibt eine Tafel im Glockenmuseum umfassende Erläuterungen über Herkunft, Alter und Klang.

Ein weiterer Höhepunkt der Ausfahrt war der gewaltige Ausblick vom Glockenturm. Nach Norden, Westen und tief in Südrichtung geht hier der Blick über die Gäuäcker bis zu den dunklen Waldbergen des mittleren Schwarzwaldes.

Nach all den schönen Erlebnissen, und imposanten Eindrücken war nach dem Abstieg vom Glockenturm auch für das leibliche Wohl gesorgt. Nach einem kurzen Spaziergang durch den herrlichen Fachwerkort, fanden sich die Teilnehmer der Ausfahrt zu einem gemütlichen Plausch bei Kaffee und Kuchen im Mutterhaus ein. Im Anschluss daran gab Schwester Lydia Mast noch einmal ihr großes Wissen zum Besten, in der unmittelbar angrenzenden Mutterhauskirche, bei der Besichtigung der sehr beeindruckenden Felger-Glasfenster.

Die schönen Stunden vergingen viel zu schnell und die Mitglieder der Seniorengruppe mussten allmählich ihrem Ausflugsziel Herrenberg wieder den Rücken kehren und wieder in Richtung Heimat fahren. Über Reutlingen, Metzingen ging es nach Neuhausen, wo der erlebnisreiche Tag mit einem gemeinsamen Abendessen in fröhlicher Runde ausklingen durfte. Gut gestärkt traten die Mitglieder der Ökumenischen Seniorengruppe danach die Heimfahrt nach Oberlenningen an.

gb