Lokales

Unverbrauchte Spielfreude bei Live-Mitschnitt

KIRCHHEIM Seit fast vier Jahren stehen Raphael Lindeke aus Esslingen und Jörg Weigele aus Kirchheim

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THOMAS RAMSPERGER

in der Region als Acoustic-Cover-Duo "Die 2wei" auf der Bühne. Mit originellen und mitreißenden Eigeninterpretationen bekannter Oldies und aktueller Titel haben sie sich bei über 200 Konzerten einen wohlklingenden Namen in der Musikszene erspielt. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die beiden ihre erste Live-CD aufnehmen würden, was jetzt im club bastion geschah mit Freunden, Förderern und Weggefährten. Ermöglicht wurde die Produktion des Live-Mitschnitts von der Stuttgarter Firma Makro-Medien-Dienst.

"Die 2wei" eröffneten den Abend leitmotivisch mit John Lennons Imagine. Dabei überraschte Raphael Lindeke, sonst eher bekannt als Sänger und Gitarrist, mit einer gekonnten Darbietung am Klavier. Nach Andreas Kenners humorvoller Ansage, in der er dem Duo nicht ohne Augenzwinkern eine steile Karriere prophezeite, folgten in konzertanter Atmosphäre einige noch eher ruhige Titel von Cat Stevens, Simon and Garfunkel und den Beatles, bis dann mit einer überraschenden Reggae-Version von "Light my Fire" von den Doors der Bann endgültig gebrochen wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt saß niemand mehr ruhig auf seinem Stuhl und alle sangen und klatschten begeistert mit.

Als "positive Begleiterscheinung unserer Musik" bezeichnete Jörg Weigele in einer Ansage die Tatsache, dass das Repertoire des Duos mit Songs von den Comedian Harmonists bis zu Uncle Cracker generationenübergreifend und verbindend wirkt. Und so war es auch bei diesem Live-Mitschnitt in der Bastion keine Besonderheit, dass vom 15- bis zum 73-Jährigen das ganze Altersspektrum vertreten war. Während der ersten Pause wurde die Bestuhlung aufgehoben und Vorfreude aufs Schwofen machte sich breit.

"Die 2wei" ließen sich nicht lange bitten, stellten die Barhocker, auf denen sie im ersten Set gesessen hatten, beiseite, und fügten ohne lange Ansagen zahlreiche Beat- und Rock-Kracher aneinander. Immer wieder war es dabei faszinierend, welche Bandbreite an Klängen die Musiker aus ihren zwei Gitarren und Stimmen hervorzulocken wussten. In ihren besten Momenten erzeugten sie ohne künstliche Effekte die Illusion einer kompletten Band, eine Fähigkeit, die zu den großen Stärken des Duos gehört. Ermöglicht wurde diese Wirkung durch den hervorragend transparenten Sound, für den Tontechniker Gerhard Raichle verantwortlich zeichnete.

Während das Publikum beim Tanzen kein Halten mehr kannte, spielten sich "Die 2wei" virtuos und harmonisch ihre Riffs zu, wobei Raphael Lindeke die schwierigen Vocals übernahm und seinem Partner meist die Gitarrensoli überließ.

Höhepunkt des zweiten Sets war der überraschende Gastauftritt von Werner Dannemann an der Gitarre und Andreas Kenner an der Blues Harp. In alter Blues-Manier wurde zu viert "Before you accuse me" improvisiert und die Zuhörer fühlten sich nicht von ungefähr an Eric Claptons Unplugged-Album erinnert. Nach einer zweiten Pause begannen "Sie 2wei" noch einmal ruhig mit "Stand by me". Bei einem der folgenden Stücke baten sie Katja Klopfer auf die Bühne, die nicht nur als Backgroundsängerin zu gefallen wusste.

Zwei Stücke mit Mandoline und 12-saitiger Gitarre brachten neue Klangnuancen ins musikalische Geschehen, bevor die Akteure dann mit fetzigen Rock'n'Roll Titeln in teilweise atemberaubenden Tempi das schweißtreibende Finale einläuteten. Das tanzwütige Publikum spornte die Musiker zu konditionellen Höchstleistungen an. Erst spät in der Nacht und nach etlichen Zugaben wurden sie von den enthusiastisch feiernden Gästen von der Bühne gelassen. "Hey Jude" war das letzte Lied und es klang noch minutenlang im Raum, als die Musiker schon längst ihre Gitarren beiseite gestellt hatten. Bei manch einem Zuhörer wird es noch eine Weile nachklingen, vielleicht so lange, bis die Live-CD Mitte Dezember veröffentlicht wird.