Lokales

Unverständnis über Ebersbach

Schlierbacher Gewerbegebiet kann nicht wie geplant erweitert werden

Die Reaktionen reichten vom überraschten Bedauern bis hin zur Äußerung von Kraftausdrücken: Die Entscheidung des Ebersbacher Gemeinderats, der Änderung des Flächennutzungsplans für das Schlierbacher Gewerbegebiet „Beim Schopf“ nur dann zuzustimmen, wenn die geplante Erweiterung geringer ausfällt, traf bei den Schlierbacher Räten auf Unverständnis.

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VOLKMAR SCHREIER

Schlierbach. Notwendig ist die Zustimmung Ebersbachs zu den Schlierbacher Plänen, da Änderungen an den Flächennutzungsplänen in die Zuständigkeit der „Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Ebersbach-Schlierbach“ fallen.

Die Gemeinde Schlierbach möchte mit der Flächenausweitung im Gewerbegebiet den beiden ortsansässigen Betrieben Stama und ­Mevaco entgegenkommen, die konkrete Pläne für eine Betriebsvergrößerung haben. Die Gemeinde Schlierbach hatte in ihren Planungen auch schon genügend Platz einkalkuliert, um bei einer weiteren, derzeit aber noch unsicheren Ausweitung des Mevaco-Geländes den Flächennutzungsplan nicht erneut ändern zu müssen.

Nun erscheint der Stadt Ebersbach aber der Flächenbedarf, den die Firma Mevaco angemeldet hat, nicht nachvollziehbar und besteht deshalb auf einer Verkleinerung der Fläche, was in Schlierbach nun für Kopfschütteln sorgt. Bürgermeister Paul Schmid möchte deswegen nun mit der Nachbargemeinde keinen Streit vom Zaun brechen und sachlich bleiben: „Wir kommen auch mit der verkleinerten Fläche zunächst klar“, machte Bürgermeister Schmid deutlich. Bei Bedarf müsse dann eben der Flächennutzungsplan wieder geändert werden.

Kurt Moll von der CDU findet den Ebersbacher Beschluss „bedauerlich“ und sieht die Gemeinde Schlierbach nun „in der Bredouille“, denn ohne Flächennutzungsplan gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten für die Schlierbacher Firmen. Auch sein Fraktionskollege Marco Emmert zeigte sich von der Ebersbacher Entscheidung überrascht, plädierte aber dafür, die Ebersbacher Bedingungen zu erfüllen, um das Verfahren nicht unnötig in die Länge zu ziehen. „Man sollte dem zustimmen, wenn auch mit der Faust in der Tasche“, stellte Marco Emmert fest.

Ähnlich sieht das auch Willy Reich von den Freien Wählern. „Hier geht es doch nicht um die Sache, das ist lachhaft“ kommentierte er die Vorgaben der Nachbargemeinde. Allerdings rief er seine Ratskollegen dazu auf, sachlich zu bleiben. „Wir sollten uns nicht auf diesen Level hinunter begeben.“ Auch Bürgermeister Schmid rief dazu auf, sachlich zu bleiben.

Martin Lutz (FUW), der die Gemeinde Schlierbach in ihrer Entwicklung eingeschränkt sieht, wurde hingegen deutlich: „Die beschneiden uns“, so seine Einschätzung und bezeichnete es als „absoluten Bullshit, was wir uns hier aufoktroyieren lassen“. Er habe nichts dagegen, gemeinsam einen Konsens zu finden, aber eben „nicht so.“

Tatsächlich vermuten einige Gemeinderäte, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, dass das Ebersbacher „Nein“ zum ursprünglichen Plan eine Retourkutsche für die verhinderte Ansiedlung eines Supermarktes im Ebersbacher Ortsteil Rosswälden ist. Die Ansiedlung des Vollsortimenters war im vergangenen Jahr am Einspruch des Schlierbacher Gemeinderats gescheitert, der durch den Markt die Händler in Schlierbach bedroht gesehen hatte.

Letztendlich rang sich eine Mehrheit der Räte dazu durch, die Ebersbacher Bedingungen zu erfüllen, verband ihre Zustimmung aber mit dem Appell an die Stadt Ebersbach, dann bei der nächsten Erweiterung des Gewerbegebiets zügig zuzustimmen. Die Räte Karl Weiler und Martin Lutz stimmten dagegen.