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Unwürdiges "Schauspiel" Mit vier ...

Unwürdiges "Schauspiel"

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Mit vier Freunden machte ich mich kürzlich auf dem Weg in den Discostadl. Wir waren drei Deutsche, ein Türke und ich bin Amerikaner. Ich kam wie erwartet gleich rein und auch meine drei deutschen Freunde wurden ungehindert reingelassen. Ali, der Türke, wurde kurz vor der Türschwelle gestoppt. "Sorry, heut Abend geht nichts", sagte ein Türsteher. "Aber meine Freunde sind doch alle schon drin", erwiderte Ali. "Tut mir leid. Der Chef hat gemeint, keine Ausländer heute Abend". Der Türsteher war erstaunlicherweise selbst Türke.

Ali war genauso gut angezogen wie wir. Er ist in Deutschland geboren und er besucht die elfte Klasse des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums. Er spricht besser Deutsch als die meisten Deutschen. Er hatte sich keineswegs auffällig verhalten. Auch die Tatsache, dass Ali schon mehrere Male Gast im Discostadl war, half nicht. Ali hat nur einen "Fehler": Seine Augenbrauen sind verdächtig buschig und auch seine Hautfarbe ist auffällig dunkel. Ali kam falsch auf die Welt. Er kann es nicht verstecken. Er ist Ausländer. Wir waren geschockt. Dass es so was in Deutschland noch gibt. Wir gingen wieder hinaus.

Dieses "Schauspiel" mussten wir sehen. In der Tat, in einer Schlange von etwa 30 Menschen konnten meine Freunde und ich voraussehen, wer reinkommen wird und wer nicht. Ausnahmslos wurden die Südländer abgewiesen und die Deutschen reingelassen. Ein Türke hatte sogar einen Tisch reserviert für seinen Geburtstag, aber auch er wurde abgewiesen, als man seine dunklen Haare sah. "Tut mir leid. Der Chef hat gemeint, keine Ausländer heute Nacht".

Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel. Ali und die anderen abgewiesenen Ausländer werden Kirchheim von nun an mit anderen Augen sehen. Wir verließen natürlich den Discostadl wieder mit Ali. Wir haben auch nicht vor, wiederzukommen. Mein Eintrittsgeld bekam ich nicht wieder zurück.

Julian Merrill

Kirchheim, Esslinger Steige

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