Lokales

Uranbelastete Heinrichsquelle bleibt geschlossen

Die Nürtinger Heinrichsquelle bleibt geschlossen. Sowohl das Regierungspräsidium als auch das Gesundheitsamt raten den Stadtwerken davon ab, das stark uranbelastete Galgenberg-Wasser auch nur in kleinen Mengen weiter zum Trinken zur Verfügung zu stellen.

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NÜRTINGEN Eine Untersuchung der Heinrichsquelle durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg hat eine außergewöhnlich hohe Uranbelastung ergeben. Mit 474 Mikrogramm pro Liter liegt das Quellwasser vom Galgenberg weit über dem von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Richtwert von 15 Mikrogramm pro Liter.

Auf diese Mitteilung des Geologischen Landesamtes im Frühjahr dieses Jahres haben die Stadtwerke spontan reagiert und den Ausschank der Heinrichsquelle in der Trinkhalle eingestellt. Eine zusätzlich in Auftrag gegebene Untersuchung bestätigte den hohen Urangehalt. Stadtwerkegeschäftsführer Klaußer hat dann im Mai entschieden, den Ausschank der Heinrichsquelle so lange einzustellen, bis eine Empfehlung der Experten vorliegt.

Jetzt haben die Stadtwerke das Ergebnis Schwarz auf Weiß: Das Regierungspräsidium hat den Ausschank des Quellwassers als Trinkwasser untersagt. Da das Wasser aber so salzhaltig ist, dass es wohl kaum jemand wie Sprudel trinkt, sondern von den meisten Kunden auf Grund seiner angeblich gesundheitsfördernden Wirkung genossen wurde, wollten die Stadtwerke vom Gesundheitsamt wissen, ob das Wasser vielleicht weiterhin in kleinen Mengen abgegeben werden könnte. Die Antwort der zuständigen Ärztin, Dr. C. Otto, ist eindeutig: Nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart wird dringend davon abgeraten, das Wasser der Heinrichsquelle, wenn auch nur in kleinen Mengen, weiter zum Trinken zur Verfügung zu stellen. "Die gemessenen Uranwerte von über 400 Mikrogramm pro Liter überschreiten den angedachten Grenzwert von 10 bis 15 Mikrogramm so weit, dass ein Grenzwert beziehungsweise eine Menge, bei der das Trinken auf Dauer unbedenklich ist, nicht angegeben werden kann." Wenn die Stadt das Wasser der Heinrichsquelle weiter zum Trinken zur Verfügung stellen wolle, müsste am Ort des Ausschankes eine Analyse der Wasserinhaltsstoffe veröffentlicht werden und hierbei auch auf den Urangehalt hingewiesen werden. Gleichzeitig macht die Medizinerin des Gesundheitsamtes darauf aufmerksam, "dass gegebenenfalls die Stadt als Inhaber und Betreiber für Gesundheitsschäden der Nutzer des Wassers haftbar gemacht werden könnte, wenn natürlich auch im Einzelfall ein Zusammenhang zwischen bestimmten Krankheitssymptomen und dem Genuss der Heinrichsquelle schwierig nachzuweisen sein dürfte".

Eine unmissverständliche Aussage. Stadtwerke-Geschäftsführer Klaußer und Oberbürgermeister Heirich, die sich in Anbetracht der Tatsache, dass Heinrichsquellwasser schon seit Jahrzehnten getrunken wird, eine Abgabe in kleinen Mengen hätten vorstellen können, sehen nach dieser Beurteilung durch das Gesundheitsamt keinen Spielraum. "Ich bin nicht bereit, ein Risiko zu übernehmen, wenn uns das Gesundheitsamt so ausdrücklich auf die Gefahren hinweist."

Für die Stadtwerke heißt dies, dass es im Hallenbad, das im Oktober wieder eröffnet werden soll, keinen Ausschank der Heinrichsquelle geben wird. Geplant war, ein Sprudelliegebecken im Hallenbad-Anbau mit Heinrichsquellwasser zu speisen, der Ausschank sollte von der Trinkhalle am Galgenberg ins Foyer des Hallenbades verlegt werden. Die Leitungen sind bereits verlegt, doch die Vergabe weiterer Einbauten für den Ausschank hat Stadtwerkegeschäftsführer Klaußer rechtzeitig gestoppt. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen." Ein wenig bedauert Klaußer indes, dass es im Hallenbad keine Heinrichsquelle geben wird. "Das wäre für uns ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Bädern gewesen."

Die endgültige Entscheidung, ob die Heinrichsquelle 74 Jahre nach der Bohrung geschlossen wird, will Volkmar Klaußer der Familie Schöll überlassen. In einem Brief hat Klaußer Dr. Alfred Schöll wissen lassen, dass die Stadtwerke ein privates Engagement zum Betrieb der Quelle außerhalb der Verantwortung des Versorgungsunternehmens unterstützen würden.

Info1931 ließ Heinrich Schöll auf dem Brauereigelände am Galgenberg nach Brauwasser bohren. Das Wasser war allerdings so bitter, dass es sich zum Bierbrauen nicht eignete. Der Chemiker Dr. Paul Haußmann untersuchte das Wasser und stellte fest, dass die Inhaltsstoffe des Nürtinger Wassers dem der Heilquellen von Karlsbad und Marienbad sehr ähnlich sind. Im Hof der Brauerei wurde ein Ausschank eingerichtet und das "Galgenbergwasser" 1949 "Heinrichsquelle" getauft. 1953 ließ Bürgermeister Pfänder die Trinkhalle am Galgenberg bauen. Die Stadtwerke haben Mitte der neunziger Jahre den Ausschank der Quelle übernommen und ließen den Brunnen sanieren. Auch von außerhalb Nürtingens kamen Kunden, um sich das Quellwasser in Flaschen abfüllen zu lassen.