Lokales

Urlaub im Kleinformat

Ansichtskarten sind allen elektronischen Medien zum Trotz ausgesprochen beliebt

Der Eiffelturm in Paris oder der Ayers Rock in Australien, der Tegernsee oder die Strandpromenade von Rimini – mit vielfältigen Motiven grüßen Urlauber derzeit die Daheimgebliebenen. Die Bilder erreichen ihr Ziel digital via Facebook, Whatsapp oder MMS, aber auch noch auf ganz traditionelle Weise: Die gute alte Ansichtskarte hat in der Ferienzeit Hochkonjunktur.

Postkarten , jemand schaut sich Postkarten auf einer Pinnwand an
Postkarten , jemand schaut sich Postkarten auf einer Pinnwand an

Irene Strifler

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Kirchheim. Gefühlt waren es für die meisten Menschen wohl früher mehr Ansichtskarten, die Sommer für Sommer im Briefkasten lagen. Doch der Stuttgarter Post-Pressesprecher Gerold Beck widerspricht diesem Eindruck vehement: „Die Menge der Postkarten ist seit Jahren stabil“, betont er. Zum einen handelt es sich um launige Grußkarten, die über die Landesgrenzen in die Republik gelangen. Vor allem aber sind es bunte Motive aus fernen Ländern. Junge Leute würden zum Teil heute ganz gezielt Postkartenfreundschaften schließen, weiß der Fachmann. Zum Teil tun sie dies im Rahmen des Projekts „Postcrossing“. Ähnlich wie beim Book-Crossing hat man hier die Chance, aus aller Welt Postkarten zu erhalten. Für jede versandte Karte erhält man eine andere.

„Urlaubspostkarten sind spitze“, bekennt Christian Dieterich auf der Facebook-Seite des Teckboten. Für ihn gehören Postkarten zum Urlaub wie der Schnee zu Weihnachten. Farbenfrohe Urlaubsgrüße in der Hand halten und an die Pinnwand heften zu können, findet er schön und persönlich. Dem stimmt auch Isabel Merkle-Mettlach zu. Sie empfiehlt allen, die aus dem eigenen Foto eine „echte Postkarte“ machen wollen, das Portal urlaubsgruss.com. Christine May ergänzt, dass jede Karte auch ein bisschen Urlaubsflair nach Hause bringt.

Das gilt auch für Ansichten, die nicht gerade exotisch sind, beispielsweise Motive aus der näheren Umgebung. Auch der Tagesausflug kann durchaus ein Kärtchen wert sein. So berichtet Karin Doll, Inhaberin von Wall am Markt in Kirchheim, dass immer wieder Gäste, die per S-Bahn aus der Region Stuttgart anreisen, die Kartenständer vor dem Geschäft interessiert durchstöbern. Sie kaufen Kirchheimer Ansichten nicht nur als Souvenir, sondern schicken die Motive oft gleich umgehend postalisch auf die Reise. Das merkt Karin Doll daran, dass viele gleich die passende Briefmarke mit dazunehmen. Während früher allerdings ein ganzes Arsenal an Motiven aus Kirchheim und Umgebung der Kundschaft die Auswahl schwer machte, sind es heute nur wenige Motive. „Lieber einige richtig schöne Karten, als viele beliebige“, meint die Fachfrau. Spitzenreiter in der Kundengunst ist klar das Kirchheimer Fachwerkrathaus. Aber auch Karten mit Sprüchen gehen von Kirchheim aus in die weite Welt.

Einen Steinwurf weiter, bei der Kirchheim-Info im Max-Eyth-Haus, wird die Beliebtheit von Postkarten bestätigt. Hier gibt‘s jetzt sogar ein funkelnagelneues Postkartenset. Mag sein, dass selbiges dem beliebtesten Einzelmotiv – einem Blick von oben auf die Stadt – vielleicht bald den Rang abläuft. Auf jeden Fall werben die schmucken Bilder sicher an vielen Orten erfolgreich für die Teckstadt.

Der höchste Punkt im Landkreis, an dem fleißig Postkarten geschrieben werden, ist die Burg Teck. Teckwirt Uwe Bogner sieht seine Gäste oft im 775 Meter hoch gelegenen Burghof sitzen und schreiben. Das meistverkaufte Motiv hier ist natürlich die Teck selbst, sei‘s zur Kirschblüte oder im Herbstkleid. Aber auch gemalte Bilder und Aufnahmen weiterer Burgen finden bei der naturverbundenen Kundschaft Anklang. Dazu zählen nicht nur gestandene Albvereinsmitglieder, sondern auch zahlreiche Schüler, die ein paar Nächte auf der Teck verbringen. Wenn sie der Oma schreiben, müssen sie das Kärtle allerdings selbst ins Tal bringen. – Der Briefträger kommt nicht auf die Teck.