Lokales

Urlaubssperre während der Fußball-WM

93 Prozent der Kirchheimer fühlen sich in ihrer Stadt sicher oder sehr sicher. Dieser "sehr gute Wert" entstammt einer repräsentativen Telefonumfrage der Polizei, wie Revierleiter Thomas Pitzinger dem Gemeinderat mitteilte. Thema seines Vortrags war die Kriminalprävention.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM "Der Polizeiposten in Ötlingen fehlt", sagte der Kirchheimer Dienststellenleiter. Als eine Folge der Verwaltungsstrukturreform bei der Polizei sei der Posten aufgelöst worden. Die Aufgaben übernehme jetzt der Bezirksdienst, zu dem insgesamt 14 Beamte gehören. Der Bezirksdienst Kirchheim sei jetzt an allen Wochentagen auf jeden Fall bis 20 Uhr erreichbar, manchmal auch bis 22 Uhr. Und auch die "kleineren Polizeiposten um Kirchheim" hätten inzwischen verlängerte Zeiten bis 17 Uhr. "An sechs Tagen in der Woche gibt es außerdem eine zusätzliche Streife, die von 18 bis 24 Uhr auf der Straße ist", konnte Polizeioberrat Pitzinger Erfreuliches berichten.

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Beim Thema "Jugendliche" begann der Revierleiter wieder in Ötlingen: Trotz vieler Beschwerden der Ortschaftsverwaltung und der Anwohner habe die Polizei dort "keine außerordentlichen Verhältnisse" feststellen können. Kleinere Straftaten seien zum Großteil aufgeklärt worden, unter anderem durch Hinweise aus der Bevölkerung. Gänzlich positiv äußerte sich Pitzinger zur Situation am Rambouilletplatz: "Seit Beginn der Betreuung durch Hauptamtliche und Ehrenamtliche haben wir keinerlei Probleme mehr." Wichtig sei aber die tägliche Betreuung auch in den Ferien.

Drei Jugendsachbearbeiter gebe es zurzeit beim Polizeirevier Kirchheim. In Kürze komme eine "zusätzliche Haushaltsstelle mit dem Aufgabenschwerpunkt russlanddeutsche Jugendliche" hinzu. Auf Nachfrage nannte Thomas Pitzinger den Bereich an der Martinskirche als einen beliebten Treffpunkt junger Spätaussiedler, die sich zu ihren abendlichen oder auch nächtlichen Treffen Musik und Alkohol selbst mitbringen. "Die Jugendsachbearbeiter sind mit denen im Gespräch. Die Namen sind bekannt. Den meisten ist klar, dass sie als erste gefragt werden, wenn etwas anliegt."

Eine weitere Nachfrage bezog sich auf das Modell des Jugendschutz-Eingreif-Teams (JET) aus Heilbronn. Pitzinger zufolge sind die Kirchheimer Jugendsachbearbeiter immer wieder in zivil unterwegs, turnusgemäß oder auch gezielt bei Festen und Veranstaltungen. Der Bekanntheitsgrad dieser Kollegen sei "ungeheuer", da sie sich auch bei Präventivmaßnahmen engagieren. Für bestimmte Mai-Feiern, die in der Vergangenheit von Krawallmachern gestört worden waren, "lassen wir uns was einfallen", kündigte Thomas Pitzinger an, ohne auf Details einzugehen: "Was wir machen, will ich jetzt nicht im einzelnen bekantgeben."

Während der Fußball-WM gelte "de facto Urlaubssperre für das gesamte Polizeirevier, da sind wir verstärkt präsent". Gemeinsam mit der Polizeidirektion werden derzeit die Konzepte verfeinert, die Dienstzeiten würden an die jeweiligen Spielzeiten angepasst. Vor allem achte die Polizei darauf, dass auch die "Nachfeiern" möglichst friedlich über die Bühne gehen.

Schließlich möchte die Polizei alles dafür tun, dass das spezifische Sicherheitsgefühl der Kirchheimer Bevölkerung die hohen Werte beibehält, die bei einem Pilotprojekt ermittelt worden waren. Weil die Antworten der Telefonumfrage direkt in den PC eingegeben wurden, habe sich der Aufwand in vertretbarem Rahmen gehalten. Der gute Wert von 93 Prozent der 382 befragten Personen, die sich sicher fühlen, gehe bei Dunkelheit allerdings zurück, sagte Thomas Pitzinger. Abends fühlten sich in ihrer Wohngegend nur noch 78 Prozent sicher, während 20 Prozent bereits "etwas Unsicherheit" verspüren. Bei Nacht sei die "gefühlte" Sicherheit noch stärker rückläufig. Für den Kirchheimer Dienststellenleiter gilt deshalb: "Die Dunkelheit sorgt für ein Unsicherheitsgefühl im Unterbewusstsein."

Eine andere Zahl freilich gibt dem Unterbewusstsein Recht: Die Straftaten, mit denen 6,5 Prozent der Befragten persönlich konfrontiert waren, hatten sich in nahezu zwei Drittel aller Fälle bei Nacht ereignet. Angezeigt wurden übrigens nur 70 Prozent dieser Fälle. Häufig habe es sich dabei um Belästigungen gehandelt, die eigentlich gar keine Straftaten sind: "Die Bürger empfinden es aber so." Ansonsten hätten die Umfrageteilnehmer Gewalt- und Eigentumsdelikte genannt, zerbrochene Scheiben, Unfallflucht oder Fahrraddiebstähle bei deren Zahl Kirchheim nach wie vor "Spitzenreiter" im Landkreis ist.

Zwei weitere Prozentzahlen dürften sich höchst unterschiedlich auf das individuelle Sicherheitsgefühl auswirken: Auf öffentlichen Straßen hatten sich der Umfrage zufolge nur 25 Prozent der Straftaten ereignet, im häuslichen Umfeld dagegen waren es 45 Prozent. Zumindest in letzterem Fall ist Revierleiter Pitzinger eindeutig zuzustimmen, wenn er der Meinung ist, dass die Zahl der Straftaten nicht hochschnellen werde, wenn die Straßenbeleuchtung weiter heruntergefahren wird.