Lokales

Urnen am alten Standort

Der Tod ist nach wie vor eines der größten Tabuthemen. Der Friedhof dagegen ist einer der wichtigsten Aufenthaltsorte im Alltag vieler vor allem älterer Menschen. Deshalb stand unter anderem auch die künftige Nutzung der beiden Dettinger Friedhöfe auf der Tagesordnung der Bürgerversammlung in der Schlossberghalle.

ANDREAS VOLZDETTINGEN Zunächst ging es um die Wiederbelegung des Alten Friedhofs. Im Juni hatte sich der Gemeinderat schon einmal mit dem Thema befasst und beschlossen, die Bürgerschaft über die Möglichkeiten von Urnenbestattungen auf dem Alten Friedhof zu informieren. In der Schlossberghalle wurden nun die verschiedensten Bestattungsformen mit Bildbeispielen vorgestellt: Urnenwand, Urnenstele, Friedwald, Bestattung unter Bäumen, Urnenhain, Urnengemeinschaftsgrabanlage, Gemeinschaftsgrab und anonyme Bestattung. Was alle Alternativen gemeinsam haben, ist der vergleichsweise geringe Pflegeaufwand für die Gräber. Wenn Verstorbene keine Angehörigen mehr haben oder aber ihre möglichen Grabpfleger zu weit entfernt wohnen, ist dieser Punkt von großer Bedeutung.

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Aber auch im Fall des Alten Friedhofs in Dettingen ist die "einfache" Art der Grabpflege entscheidend. Nur unter diesen Bedingungen könne der Alte Friedhof überhaupt wiederbelegt werden, hieß es in der Schlossberghalle. An dem ehemaligen Friedhofsstandort wieder Erdbestattungen zuzulassen, sei vollkommen unwirtschaftlich. Darin waren sich die versammelten Bürger weitgehend einig. Tendenziell befürworteten sie pflegeleichte Urnengräber auf dem Alten Friedhof ebenso wie die Sanierung der Park- und Wegeanlagen zwischen Kirchheimer Straße und Eisenbahnstraße.

Auch beim Neuen Friedhof waren die Dettinger in der Bürgerversammlung mit einem der Neuerungsvorschläge sofort einverstanden: So sollen 62 neue Stellplätze dafür sorgen, die Parkplatznot künftig zu lindern. Vor allem bei Beerdigungen ist es für die Friedhofsbesucher bislang schwierig, ihre Autos ordentlich abzustellen.

Die größte Diskussion beim Friedhofsthema ergab sich aus der Frage nach den Zugangsmöglichkeiten zum Neuen Friedhof. Drei Varianten für einen Nebeneingang nebst kürzerem Fußweg standen zur Debatte. Ein klares Meinungsbild ergab sich allerdings nicht. So befürworteten die einen vehement einen zusätzlichen Eingang und wollten gleich selbst zu Drahtschere und Baumsäge greifen, während andere den Weg zum Haupteingang für zumutbar hielten. Wer es schon bis zum "Bänkle" geschafft habe, könne dort ausruhen und dann weitergehen.

Auch bei den zusätzlichen Fußwegvarianten gingen die Meinungen weit auseinander. Das Hauptproblem war vergleichbar mit einem Aspekt der "Stegdebatte": Werden die Fußgänger in diesem Fall überwiegend ältere Menschen eine steilere Verbindung wählen, weil sie die kürzere ist, oder werden sie lieber einen längeren Weg in Kauf nehmen, der ihnen große Steigungen oder gar Treppen erspart? Diese Frage dürfte allerdings jeder einzelne Nutzer individuell entscheiden, sodass eine allgemeingültige Antwort darauf nicht zu finden ist.

Bei einer Anregung aus der Bürgerschaft dagegen versprach Bürgermeister Rainer Haußmann, die Machbarkeit zu untersuchen. Es ging um die Möglichkeit, den Anstieg vom Eingangstor zur Aussegnungshalle zu umgehen und gleich linkerhand einen neuen Weg im Bogen oder als Rampe anzulegen. Vor allem für diejenigen, die mit einem Wagen auf dem Friedhof unterwegs sind, würde sich dadurch einiges erleichtern.

Rainer Haußmann dankte abschließend den Diskussionsteilnehmern für ihre Beiträge und beschrieb die weitere Vorgehensweise bezüglich Wiederbelegung Alter Friedhof sowie Par

ken und Zugangsmöglichkeiten Neuer Friedhof: "Wir werden die Eindrücke im Gemeinderat diskutieren und eine kluge Entscheidung treffen."