Lokales

Urteil wieder vertagt

BERND WINCKLER

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STUTTGART Die 40-Jährige wird vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts beschuldigt, ihre 76-jährige Mutter mit einem Hammer verletzt und dann in der Oberboihinger Wohnung eingesperrt zu haben. In der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie im Nürtinger Krankenhaus soll sie durch einen absichtlich gelegten Brand zahlreiche Patienten und Pflegekräfte in Todesgefahr gebracht haben.

Strafrechtlich soll die 40-Jährige nicht zur Verantwortung gezogen werden, da sie infolge einer Wahnkrankheit offensichtlich nicht wusste, dass sie Straftaten beging. Vor dem Gericht geht es jetzt nur noch darum, wie man die Allgemeinheit vor der Frau schützen kann, da sie laut einem Gutachten jederzeit rückfällig werden könnte.

In der Diskussion zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger ist eine Wohn-Einrichtung mit medizinischer Betreuung in Nürtingen, in der die Angeklagte zwar nicht eingesperrt, aber unter einer ständigen Kontrolle sein kann. Eine sogenannte freiwillige ambulante psychiatrische Behandlung, statt Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt, wie es ihr Verteidiger am ersten Prozesstag formulierte.

Die Beschuldigte selbst scheint auch nicht der paranoide Typ zu sein, der Angst und Schrecken verursacht; Sie absolvierte an der Uni Karlsruhe ein Studium, wurde Diplom-Grafikerin und Kunsterzieherin in einem Kinderheim und ließ sich zudem noch in einem Lehrer-Seminar für Waldorfschulen spezialisieren. Eine feste Anstellung fand sie jedoch nie, wie sie selbst sagt.

Die Schwurgerichtskammer will ihr nun per Urteil eine Chance einräumen, diesen Beruf auszuüben, anstatt in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt zu sein. Eine offene Einrichtung hat bereits signalisiert, die Frau aufzunehmen. Dort soll sie sich am 24. Mai vorstellen. Bis dahin haben die Stuttgarter Richter die Verhandlung auf Eis gelegt. Ein endgültiges Urteil könnte nach dem Prozessplan der Strafkammer am 22. Juni gesprochen werden.