Lokales

Vaterliebe und falsche "Freundschaft"

Der Owener Kinderchor "Moiakäfer" hat im Herzog-Konrad-Saal der Owener Teckhalle sein neuestes Musicalprojekt aufgeführt. Dem Kinderchor gehören mehr als 40 Kinder und Jugendliche der Klassen 1 bis 9 an.

OWEN Das Musical "Der verlorene Sohn" von Dagmar und Klaus Heizmann setzte die bekannte biblische Geschichte zunächst in die heutige Zeit. Am Familientisch liest der Vater in der Zeitung, dass der Sohn eines Fabrikanten sein ausgezahltes Erbe in Höhe mehrerer Millionen Euro innerhalb von ein paar Jahren mit Glücksspiel, Frauen und Alkohol verschleuderte und zum Schluss bei der Müllabfuhr landete. Danach kam er reumütig zurück und durfte wieder in der elterlichen Villa einziehen.

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Diese Geschichte spielte den Auftakt zu einer Reise in die Zeit der Bibel, und plötzlich war ein bunter Bauernhof mit Hühnern, Schweinen und Hund auf der Bühne. Dem Chor gelang es, mittels eines lebhaften und schwungvollen Liedes das schwere und auch lustige Leben auf einem Bauernhof darzustellen. Ein Vater und seine zwei Söhne treten auf. Der jüngere Sohn Simon hat genug von der Sesshaftigkeit und will hinaus in die Welt und etwas erleben, Freude und Freunde finden "Fun haben", wie es heutzutage heißt. So mancher wurde an das Lied "Father and Son" von Cat Stevens erinnert. Der Vater ist gutmütig und gibt dem Jüngeren das Geld, und nun wechselt die Szenerie vom Bauernhof in die Stadt.

Schneider und Goldschmied staffieren den Sohn prächtig aus. Frauen und Freunde treten auf. Die Szene einer Schenke entsteht, und der Chor singt das mitreißende Lied "Ein Hoch auf unseren besten Freund". Zum Schluss dieser Szene singen die Jugendlichen feiernd auf den Wirtshaustischen und jubeln ihrem spendablen Freund und Partyhelden zu. Jäh ändert sich das Bild, als die letzte Münze aus Simons einst so prallem Geldbeutel auf den Tisch fällt. Das nun folgende Lied, gesungen von zwei Jungs, drückt den Verlust der "Freundschaft" aus, die sich nur auf Geld beschränkt hatte.

In der nächsten Szenerie treten als Schweine verkleidete Kinder auf, und Simon muss die Schweine hüten. Ein Höhepunkt des Musicals war sicherlich der Schweine-Rap, den vier Mädchen mit Schweinskopfmasken aufführten. Dazu kommentierten vier Jugendliche im Rap-Stil den Eindruck der Schweine über ihren Schweinehirt. Die sehr exakte Durchführung des Raps in Tanz und Gesang zeigte viel vom hohen Niveau des Kinderchors, der ja das gesamte Musical allein in der Faschingswoche eingeübt hatte.

Auch in den anderen Sing- und Spielszenen wurde sichtbar, was Kinder und Jugendliche leisten können, wenn Sie mit Herz und Feuereifer bei der Sache sind. Dem gesamten Chor gelang es, im Nachklang zum Rap die Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit des "verlorenen Sohns" plastisch und erlebbar auszudrücken. Weiterhin konnte in Gesang und Spiel der Aufbruch Simons zu seinem Vater gut umgesetzt werden. Den Abschluss des Musicals bildete die Tanzgruppe des Kinderchores, die auf dem ursprünglichen Bauernhof des Vaters einen Willkommenstanz aufführt. Dieser Tanz erinnert in seiner Choreografie an israelische Tänze und hat seinen Ursprung im Squaredance. Insgesamt war auch dieses Musical wiederum sehr gelungen. An beiden Aufführungstagen waren mehr als 500 Zuschauer in der Teckhalle.

beg