Lokales

Verbesserte Auftragseingänge im vierten Quartal

Die konjunkturelle Situation in den 29 000 Handwerksbetrieben in der Region Stuttgart hat sich stabilisiert. Die letzten drei Monate im vergangenen Jahr 2005 brachten ein leichtes Plus vor allem bei den Auftragseingängen. Als "Gift für die weitere Erholung der Konjunktur" wertet die Handwerkskammer Region Stuttgart die Pläne zur Erhöhung der Mehrwertsteuer.

STUTTGART Uneinheitlich verlief das Jahr 2005: Nachdem die erste Jahreshälfte die Erwartungen nicht erfüllte, brachten die Sommermonate ein leichtes Umsatzplus. Im vierten Quartal konnten insbesondere die Nahrungsmittelhandwerke und die Ausbauberufe dann bessere Konjunkturzahlen melden. Schlusslicht bleibt nach wie vor die Baubranche. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart Mitte Januar. Positiv wertet Ulrich Bär, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, vor allem die von Zuversicht geprägten Erwartungen der Betriebsinhaber für das erste Quartal 2006. "Ein Drittel der Befragten erwartet, dass sich ihre Geschäftslage verbessern wird." Vor allem habe die innerbetriebliche Investitionstätigkeit leicht zugenommen. Große Sorgen bereiten den Unternehmern die enorm gestiegenen Einkaufspreise.

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Für Unruhe im Handwerk sorgt die Diskussion um die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent. Bär: "Eine höhere Mehrwertsteuer bringt unter dem Strich keine Steuermehreinnahmen, sondern fördert nur die Schwarzarbeit, weil alles teurer wird." Ein Verzicht auf die Erhöhung würde die gegenwärtigen Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung verstärken und auch so zu mehr Steuereinnahmen führen.

Die Auslastung der Unternehmen im vierten Quartal hat sich auf gut 78 Prozent verbessert. Im Vorquartal waren es noch 76 Prozent. Zwar ist der Auftragsbestand mit gut sieben Wochen auf dem gleichen Niveau wie im dritten Quartal, allerdings sind mehr Aufträge mit einer längeren Ausführungsdauer eingegangen. Gut ein Viertel aller Befragten gaben an, mehr Aufträge erhalten zu haben, 15 Prozent schrieben dagegen weniger Aufträge. Spitzenreiter waren in den letzten Monaten des vergangenen Jahres die Ausbaugewerbe. Über 50 Prozent der Betriebe bezeichneten ihre Geschäftslage als gut. Gleiches meldeten die Nahrungsmittelhandwerke, die allerdings im dritten Quartal am unteren Ende der Konjunkturskala lagen.

Bei den Metallgewerben setzte sich der positive Trend aus dem dritten Quartal fort. Acht von zehn befragten Betriebsinhabern waren mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Bei den Kraftfahrzeuggewerben hat sich das gute Klima aus den Sommermonaten nicht in den Herbst hinein retten können. Nur 10 Prozent der Befragten waren mit ihrer betrieblichen Situation zufrieden, 27 Prozent sprachen von einer schlechten Entwicklung in ihren Werkstätten. Über die Hälfte der Betriebe konnten ihre Werkstattkapazität nur zu zwei Dritteln nutzen. Auch das Bauhauptgewerbe, das in den Sommermonaten eine unerwartet gute Beschäftigungslage verzeichnete, ist zum Jahresende wieder eingebrochen. Nach einem durchschnittlichen Auftragsbestand von zwölf Wochen im Vorquartal fiel der Auftragsbestand auf knapp sieben Wochen zum Jahresende. Ein Drittel der Befragten konnte lediglich 60 Prozent der betrieblichen Kapazität einsetzen.

In den Dienstleistungshandwerken, beispielsweise den Zahntechnikern, Augenoptikern und den Gebäudereinigern, ist die Konjunkturlage in der Region Stuttgart sehr uneinheitlich. Während die Mehrzahl der Gebäudereiniger zwar eine befriedigende Auftragslage verzeichnet, ist die Ertragslage unbefriedigend. In den Gesundheitshandwerken sind im gesamten Jahresverlauf Auftragsrückgänge feststellbar.

pm