Lokales

Vereine füllen altes Rathaus mit Leben

Die Amtsstube hat sich zum Vereinsheim gemausert: Sieben Wernauer Vereine präsentierten das alte Rathaus als neues Domizil. Sie haben mit hoher Eigenleistung die Räume gestaltet und ausgebaut, die Stadt übernahm die Sanierung der "Außenhülle".

KARIN AIT ATMANE

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WERNAU Rund 4 700 Arbeitsstunden und 37 000 Euro an Material haben die Vereine nach Rechnung von Alfred Freistädter eingebracht. Der Vorsitzende der AGKus (Arbeitsgemeinschaft der Kultur- und Sportvereine) koordinierte den Umbau des alten Rathauses. "Die Planungsphase gestaltete sich doch recht schwierig, und zwar aus finanziellen Gründen", sagte er bei der offiziellen Eröffnung mit Tag der offenen Tür. Es galt, Wünsche aufs vorhandene Budget und die Denkmalschutzauflagen abzustimmen. Das ist Freistädter mit allen Beteiligten gelungen.

Der Umbau selbst erfolgte dann recht schnell innerhalb von einem guten halben Jahr. Vereinsmitglieder rissen Wände ein und erneuerten Sanitäranlagen, verlegten Leitungen und Fußböden, fliesten, gipsten und strichen. Die Stadt renovierte für rund 200 000 Euro Heizung, Fassade, Dach und Fenster. Ein Schmuckstück sei das Rathaus geworden, sagte Bürgermeister Roger Kehle und ein Beleg dafür, "was unsere Vereine zu leisten imstande sind. Es ist eine beeindruckende Renovierungsleistung, die wir erlebt haben". Lohn der Arbeit sind zusätzlicher Platz und neue Möglichkeiten.

DLRG, Obst- und Gartenbauverein und Gesangverein Cäcilia brauchten lediglich kleinere Lager- oder Büroräume im alten Rathaus; der ökumenische Verein hat ein Aufenthalts- und Sprechzimmer eingerichtet. Deutlich vergrößert mit großen Aufenthalts- und Nebenräumen haben sich die drei Hauptnutzer: Der Schachclub im Erdgeschoss, der Akkordeonverein im zweiten Stock und der Albverein dazwischen. Dieser hat auch eine Küche eingebaut und sein Gemeinschaftszimmer mit viel Weiß gestaltet, sodass die historischen Fenster mit den Zunftzeichen zur Geltung kommen. "Wir haben den Raum den Fenstern nachgestaltet", sagt der SAV-Vorsitzende Siegfried Ruttkowski, dessen Verein "jede Woche mindestens zwei Mal" dort zusammensitzt.

Unter dem Dach gebe es noch Raumreserve für Interessenten, sagte der Bürgermeister. Miete bezahlen die Vereine nicht, sondern lediglich die Nebenkosten. Die in den vergangenen Wochen angefallenen Heizkosten haben sie zwar etwas erschreckt aber dafür kann man zunächst mal den kalten Winter verantwortlich machen. Im "Haus der Musik" und dem ehemaligen Stadtbauamt in der Friedrichstraße haben die mehr als 100 Wernauer Vereine und Initiativen weitere räumliche Möglichkeiten. Das Rathaus war 1938 eingeweiht worden, damals auf der grünen Wiese zwischen den beiden frisch vereinten Ortsteilen Steinbach und Pfauhausen erbaut. Inzwischen ist Wernau zusammengewachsen und das historische Gebäude steht in seiner Mitte. Als 1999 der Gemeinderat den Bau des Quadriums und damit den Umzug der Verwaltung beschloss, wurde eine neue Nutzung gesucht.