Lokales

Vereine machen Sparvorschläge

Die Schulen, der VfL, die DLRG und die Tauchgruppe Teck sind auf das Hallenbad angewiesen

Die schlechte Lage der öffentlichen Kassen wirkt sich auch negativ auf die Kirchheimer Wassersportler aus: Seit Monaten sehen sie sich Diskussionen um das Für und Wider eines Hallenbads in Kirchheim ausgesetzt. Wie dringend die Vereine, aber auch die Schulen auf ein Hallenbad angewiesen sind, das haben etliche Vereinsvertreter sowie der Geschäftsführende Schulleiter nun in einem Gespräch mit dem Teckboten deutlich gemacht.

Andreas Volz

Kirchheim. Am 23. Juni beschäftigt sich der Kirchheimer Gemeinderat mit der Frage, ob er das Bad in der Friedrichstraße vorläufig erhalten will oder ob es bereits im September geschlossen werden soll. Die Alternative wäre das Dettinger Bad. Die Kirchheimer Verwaltung führt derzeit im Auftrag des Gemeinderats Gespräche mit der Dettinger Verwaltung, bei denen es um eine Kooperation in Sachen Hallenbad geht.

Siegfried Hauff, der Vorsitzende des Stadtverbands für Leibesübungen (SfL), ist der Meinung, dass die Stadt Kirchheim der Bevölkerung, vor allem aber den Schulen und Vereinen während der acht Monate Winterzeit, in denen das Freibad nicht geöffnet hat, das Schwimmen im Hallenbad ermöglichen müsse. Und aus seiner Sicht bietet das Kirchheimer Hallenbad gegenüber dem Dettinger Bad wesentliche Vorteile. Um Kosten sparen zu helfen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeiten für öffentliches Schwimmen aufrechtzuerhalten, macht Siegfried Hauff seitens der Vereine folgenden Vorschlag: „Wir wollen das öffentliche Baden in das Vereinsschwimmen integrieren.“

Dieses Angebot habe „den großen Vorteil, dass kein städtischer Bademeister Aufsicht machen muss. Wir könnten damit die Personalkosten stark reduzieren.“ Es wären nur noch ein technischer Betriebsleiter sowie Reinigungspersonal nötig. Die Aufsichtsstunden würden entweder von Lehrern – für das Schulschwimmen an Vormittagen – oder von ehrenamtlichem Vereinspersonal übernommen – für das Vereinsschwimmen am Abend sowie für die integrierten öffentlichen Badezeiten Mittwochabends und an den Wochenenden.

Doris Imrich, die Vorsitzende des VfL Kirchheim, verweist in diesem Zusammenhang allerdings auf eine gewisse Schwierigkeit: den Versicherungsschutz für die Aufsicht. Deshalb sollten die „öffentlichen“ Schwimmer im angedachten Schul- und Vereinsbad Mitglied in einem Kirchheimer Sportverein sein. Trotz dieser formellen Voraussetzung müssten sie sich aber nicht an bestehende Gruppen und deren Zeiten anschließen, sondern könnten zu den jeweiligen „Öffnungszeiten“ eigenständig wie bisher ihrem individuellen Schwimmbedürfnis nachkommen. Für Doris Imrich ist dieses Angebot auch eine Art Signal an die Bevölkerung: „Wir möchten die Öffentlichkeit ja nicht ganz außen vor lassen.“

Sollte dagegen das Kirchheimer Hallenbad komplett geschlossen werden, dann hätte nicht nur die Öffentlichkeit ihre Bademöglichkeit eingebüßt, sondern auch Schulen und Vereine. Doris Imrich: „Für uns ginge dann auch ein Stück Vereinslandschaft verloren.“ Dass die Stadt Kirchheim bei allen Sparvorschlägen trotzdem Geld für das Hallenbad ausgeben müsste, möchte Doris Imrich nicht bestreiten: „Es ist klar, dass wir den Abmangel nicht auf null senken können.“ Aber andererseits ersetze das Hallenbad für die Stadt Kirchheim auch eine Schulsporthalle.

Auf diesen Punkt ging im Pressegespräch vor allem auch der Rektor der Freihof-Realschule, Eberhard Schweizer, in seiner Eigenschaft als Geschäftsführender Schulleiter ein. Wenn Schwimmen auf dem Stundenplan steht, dann ist das wertvoller Sportunterricht, der außerhalb der Turnhallen stattfinden kann. Wie wertvoll gerade der Schwimmunterricht ist, lasse sich an einem erschreckenden Phänomen ablesen: „Speziell an den Hauptschulen, aber auch an den Realschulen gibt es immer mehr Schüler, die erst in der 5. Klasse schwimmen lernen.“ Dass die Kirchheimer Schulen ihre Schwimmzeiten reduzieren könnten, ist für Eberhard Schweizer gänzlich ausgeschlossen: „Schon seit Jahren reichen uns die Schwimmzeiten nicht aus. Eigentlich wären für die Schulen schon jetzt mehr Stunden nötig – auch ohne Schüler aus Dettingen.“

Aber nicht nur deshalb hält er es für unmöglich, dass der Kirchheimer Schwimmunterricht in Dettingen stattfinden könnte: „Das Kirchheimer Bad liegt wesentlich näher. Nach Dettingen wäre es ein viel weiterer Weg, der mit deutlich höheren Transportkosten verbunden wäre.“ Von der Freihof-Realschule und von der Alleenschule aus beispielsweise entstehen derzeit keinerlei Transportkosten, weil die Schwimmklassen den Weg ins Hallenbad zu Fuß zurücklegen. Bei entsprechenden Fahrtzeiten nach Dettingen wäre es für Eberhard Schweizer fraglich, ob Kirchheimer Schulen überhaupt noch Schwimmunterricht an Vormittagen organisieren könnten.

Auch zum Vereinstraining kommen viele Kinder und Jugendliche zu Fuß oder mit dem Fahrrad, berichteten Werner Gonser von der VfL-Schwimmabteilung und Michael Blank, der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Kirchheim, übereinstimmend. Michael Blank sieht im Fall der DLRG sogar eine große Gefahr für den Freibadbetrieb: „Wenn es kein Hallenbad mehr gäbe, dann gäbe es auch keine DLRG mehr, und dann könnten wir auch nicht mehr im Freibad Wache schieben.“ – Eine wichtige Auswirkung auf das Freibad hat auch das Vereinsleben der Tauchgruppe Teck, wie deren Vorsitzender Stefan Gölz erläutert: „Unsere Gruppe putzt regelmäßig die Edelstahlnähte im Freibad.“ Seine Stellvertreterin Marian Kupferschmid ergänzt: „Das ist stundenlange Arbeit.“

Fehlende Wassertiefe oder auch die Art der Scheiben erlauben es nach Ansicht der Vereinsvertreter nicht, dass in Dettingen Angebote wie Wasserball, Tauchen oder auch das DLRG-Training vollwertig stattfinden könnten. Selbst für gewisse Schwimmabzeichen sei es notwendig, dass ein Bad über ein Drei-Meter-Brett verfügt, von den Ansprüchen des Pädagogischen Fachseminars an ein Hallenbad ganz zu schweigen.

Robert Hertle, der Vorsitzende der VfL-Schwimmabteilung, wägt auch technisch zwischen Kirchheim und Dettingen ab, wobei er auf eine Pattsituation stößt: „Das Dettinger Bad ist gebäudetechnisch besser, weil es jünger ist. Dafür ist die Wassertechnik in Kirchheim relativ gut, weil sie erst vor sieben Jahren erneuert worden ist.“ Den Abmangel des Kirchheimer Hallenbads würde Robert Hertle aber anders berechnen als die Stadtverwaltung, weil bislang nämlich die Überstunden der Schwimmmeister aus der Freibadsaison im Hallenbad abgefeiert würden, was die Bilanz des Hallenbads deutlich verschlechtert.

Eine eigene Bilanz präsentierten die Vereinsvertreter aber auch, und diese spricht aus ihrer Sicht eindeutig für den vorläufigen Erhalt des Kirchheimer Hallenbads als Schul- und Vereinsbad – bevor in einigen Jahren vielleicht doch über einen Neubau nachzudenken ist: Monatlich kommen derzeit etwa 450 öffentliche Badegäste ins Hallenbad. Von den 800 Mitgliedern der wassersporttreibenden Vereine sind es sogar 500 pro Woche, die ins Hallenbad gehen. Und was die Kirchheimer Schulen betrifft, so schicken sie jede Woche mehr als tausend Schüler ins Hallenbad.

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