Lokales

Vergessliche Zeugen

Nur sehr schleppend kommt vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess gegen drei ehemalige Türsteher einer Frickenhausener Diskothek voran. Die meisten Zeugen erscheinen nicht vor Gericht. Ein jetzt vernommener Kellner der Diskothek hat nur lückenhafte Erinnerungen an eine Misshandlung seines Chefs im September 2004 durch die Angeklagten.

FRICKENHAUSEN Haben die drei bosnischen und kroatischen Angeklagten den Diskotheken-Betreiber damals schwer misshandelt, wie er ihnen den Türsteher-Job fristlos gekündigt und andere Helfer eingestellt hatte? Und hatten die Angeklagten den Mann auch mit einer Pistole bedroht, um wieder eingestellt zu werden?

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Diese Fragen wollen die Richter der siebten Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts in dem nun schon seit vier Wochen andauernden Prozess gerne beantwortet haben. Doch die Zeugen machen sich rar. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio schwere räuberische Erpressung, Nötigung, versuchte Erpressung, Freiheits-Beraubung und gefährliche Körperverletzung vor. Mit Gewalt, so die Anklage, habe die Türsteher-Gruppe sich den Posten in der Frickenhausener Diskothek erkämpft und dabei den Disko-Betreiber krankenhausreif geschlagen. Auch in einer Bernhausener Diskothek und in Stuttgart sollen die Angeklagten Gewalt gegen Inhaber angewendet haben, um die Kontrolle an den Türen zu bekommen (wir berichteten).

Während viele der geladenen Zeugen entweder durch Urlaubsabwesenheit glänzten oder einfach der Ladung nicht folgen, konnten die Stuttgarter Richter gestern wenigstens einen ehemaligen Kellner aus Frickenhausen zu den angeklagten Vorfällen vernehmen, wenngleich der 34-jährige Jugoslawe erhebliche Gedächtnislücken aufwies.

Immerhin konnte er bestätigen, dass am 25. September 2004 der Diskotheken-Inhaber in Frickenhausen von zweien der Angeklagten misshandelt worden war: "Der fiel auf den Boden!" Laut Anklage geht es um Faustschläge und Tritte gegen den Kopf des Opfers. An eine Waffe erinnert sich der Zeuge nicht. Und dies, obwohl er laut dem damaligen Polizeiprotokoll noch seinem Chef zugerufen habe: ". . .der hat eine Pistole!" Jetzt jedoch korrigiert der Kellner sich: "Ich habe keine Pistole gesehen." Und den Satz will er damals auch nicht gerufen haben. Die Verletzungen des Disko-Chefs sollen nach der Aussage des Zeugen auch nicht sonderlich gravierend gewesen sein: "Ein paar Kratzer, mehr nicht", sagt er.

Die Richter haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, weitere Zeugen aufrufen zu können, die genauere Angaben zu den Vorfällen machen. Kommen die Zeugen auch nach ihrem Urlaub nicht, dann könnte der Ankläger gegen sie Haftbefehle erwirken und sie zwangsweise in den Gerichtssaal diktieren. Der nächste Prozesstag ist auf 29. September terminiert.

wic