Lokales

Vergewaltiger kommen hinter Gitter

Die beiden Männer, die in Kirchheim eine 14-jährige Schülerin "brutal vergewaltigten" (Gericht), müssen dafür vier, beziehungsweise viereinhalb Jahre hinter Gitter und kommen zusätzlich in eine geschlossene Alkoholentzugs-Einrichtung. So entschied gestern die 2. Große Jugendschutzkammer des Stuttgarter Landgerichts, vor der die beiden ihre Unschuld bis zuletzt beteuerten.

BERND WINCKLER

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KIRCHHEIM Brutal war die Tat, trickreich das Einfädeln der Tat zuvor, so kommentierte der Vorsitzende Richter der Strafkammer den Schuldspruch: "gemeinschaftliche schwere Vergewaltigung." Die ahnungslose und auch anfangs sich noch keiner Gefahr bewusste 14-jährige Kirchheimer Schülerin hatte nicht freiwillig mitgemacht, wie die beiden 27- und 28-jährigen russischen Spätaussiedler dies während des dreiwöchigen Verfahrens den Richtern glaubhaft machen wollten. Sie hatten die 14-Jährige, die an jenem 14. April dieses Jahres nachmittags mit einem Freund in Kirchheim unterwegs war, angesprochen und ihr zunächst Komplimente gemacht. Auch hatten sie die 14-Jährige nach deren Alter gefragt, was das Opfer wahrheitsgemäß beantwortete.

Der Beginn der Tat sei an sich harmlos gewesen, sagte der Richter im Urteil: Ein Treffen am hellen Tag, ein Anbaggern, etwas Alkohol. Das erste Bier wurde dem Opfer verabreicht. Sie fühlte sich auch dann noch sicher, als die beiden Täter sie und den Freund zu einem nahen Spielplatz einluden, nur zum Reden. Dort wurde ihr dann mitgeteilt, dass der eine Angeklagte drei Jahre in Haft war und dringend eine Frau brauche. Der andere sei beim Militär gewesen und ihm erginge es ebenso. Doch die 14-Jährige hatte das Sex-Angebot deutlich abgelehnt, wurde dann von beiden betatscht und am Arm festgehalten, als sie mit ihrem Freund wieder nach Hause wollte.

Der Freund indessen wurde von den Angeklagten barsch weggeschickt, etwas zum Essen zu holen. Als er auf den Spielplatz zurückkam, jagte man ihn wieder fort. Das Mädchen versuchte noch per Handy ihre Mutter zu erreichen, doch vergeblich. Als es schließlich bereits dunkel war, wollte sie erneut weg, wurde dann aber von den Angeklagten gehindert. Sie müsse zuerst ein letztes Glas Wodka-Gemisch leer trinken, dann dürfe sie gehen, hieß es. Was dann nach dem Getränk geschah, daran konnte sich das Mädchen im Zeugenstand nicht mehr in allen Einzelheiten erinnern. Der Alkoholgehalt des Getränks war so stark, dass sie einen "Filmriss" bekam.

Doch fest stand für die Richter nach der umfangreichen Beweisaufnahme, dass man das Opfer gewaltsam auf eine Bank setzte und dann auch gemeinsam wechselseitig vergewaltigte und zu verschiedenen sexuellen Praktiken zwang. Infolge des Alkoholrausches sei die 14-Jährige nicht mehr in der Lage gewesen, sich überhaupt dagegen zu wehren, lautet die Feststellung. Im Urteil wird vor allem die trickreiche Einfädelung der Tat als "besonders brutal" bewertet. Und die Beteuerungen der beiden Angeklagten, die 14-Jährige habe alles freiwillig mitgemacht und sogar noch bekundet, sie hätte Spaß daran gehabt, als widerlegt angesehen.

Mehrfach hatte der Vorsitzende Richter in dem Verfahren die beiden jungen Männer aufgefordert, Geständnisse abzulegen, um damit auch eine moderate Strafe zu bekommen. Sie lehnten es ab, sagten immer wieder, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt habe: "Wir haben keine Gewalt angewendet." Das sei zwar richtig, doch mit dem Alkohol habe man das Opfer willenlos gemacht und dann gegen dessen Willen vergewaltigt, mussten sie sich jetzt im Urteil sagen lassen. Als schwer wog die Tat auch deshalb, weil einer der beiden HIV-positiv infiziert ist und der andere Hepatitis B hat. Doch glücklicherweise wurde das Mädchen durch die Tat von keiner der beiden gefährlichen Krankheiten infiziert.

Die Staatsanwaltschaft hatte gerade wegen des hartnäckigen Leugnens gegen die beiden je sieben Jahre Freiheitsstrafe beantragt. Überraschend milderten die Richter dies jetzt aber auf einmal vier und einmal viereinhalb Jahre herab, ordneten aber zusätzlich noch die Unterbringung des alkoholsüchtigen Duos in einer geschlossenen Entzugseinrichtung an. Allerdings müssen sie zuerst einen großen Teil der Haftstrafe im Gefängnis verbüssen.