Lokales

Vergewaltigt und bewusstlos geschlagen

Staatsanwaltschaft verhandelt äußerst brutalen Fall

Eine äußerst brutale Vergewaltigung, verbunden mit mehrfacher vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung, wirft die Staatsanwaltschaft seit gestern einem 45-jährigen Energie-Dip­lom-Ingenieur aus Aichtal vor dem Stuttgarter Landgericht vor.

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BERND WINCKLER

Stuttgart. Der Mann soll in der Nacht zum 30. August letzten Jahres im Haus seiner damaligen Freundin die Frau vergewaltigt und auch noch drei Mal bewusstlos geschlagen haben. Da dieser Fall erheblich von Regelfällen von Sexualstraftaten und Gewalttaten gegen Lebenspartner abweicht, hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft jetzt vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart ein „besonderes öffentliches Interesse an der Verfolgung“ deutlich unterstrichen.

Der 45-Jährige lebte laut der Anklage seit Februar letzten Jahres mit der Frau in deren Haus in Grötzingen eheähnlich zusammen. In der Tatnacht soll es dann nach reichlichem Alkoholgenuss zunächst zu einem verbalen Streit zwischen den beiden gekommen sein. Dabei habe der Angeklagte die Frau mehrfach mit der Hand geschlagen und sie so lange am Hals gewürgt, bis sie keine Luft mehr bekam und bewusstlos zu Boden fiel. Als sie wieder zu sich kam und in einen anderen Raum flüchten wollte, soll er sie an den Armen gepackt und mit ihrem Kopf so gegen einen Türrahmen geschubst haben, dass sie erneut bewusstlos wurde.

Erneut wachte das Opfer auf und wollte ebenfalls wieder vor dem rabiaten Mann flüchten, heißt es in der Anklage. Doch jetzt habe der Beschuldigte plötzlich Sex von ihr gefordert, sie erneut am Hals gepackt und wieder so lange gewürgt, bis sie erneut das Bewusstsein verlor und zu Boden ging. Dann soll der 45-Jährige über sie hergefallen und die Sexualstraftat unter Benutzung einiger Fremdgegenstände an ihr verübt haben. Danach habe er den Raum verlassen. Die Frau konnte, nachdem sie wieder bei Bewusstsein war, telefonisch die Polizei benachrichtigen. Allerdings sei der Angeklagte wieder zurückgekommen und habe ihr nun noch einen kräftigen Fußtritt an den Kopf verpasst. Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Vorgehen als eine vollendete Vergewaltigung, verbunden mit gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung. Die Nürtinger Polizei, die kurz danach am Tatort eintraf, nahm den rabiaten Mann fest.

Der jedoch lässt sich jetzt vor den Richtern der 7. Großen Strafkammer von zwei Anwälten verteidigen, die am gestrigen ersten Prozesstag per vorgelesener mehrseitiger Erklärung die Vorwürfe gegen ihren Mandanten energisch bestreiten. Die Partnerschaft mit der Frau, die als Vorstandsvorsitzende in einem Nürtinger Konzern fungiert, sei harmonisch gewesen. Man habe sich Anfang letzten Jahres über einen Internet-Chat kennengelernt. Nach dem ersten Real-Treff sei der Mann bei der Frau in deren Haus in Grötzingen eingezogen. Man habe privat wie beruflich dieselben Interessen verfolgt.

In der Tatnacht selbst sei jedoch die Frau plötzlich auf dem Teppich gelegen. Sie habe viel Alkohol getrunken, es habe Streit gegeben, aber weder Misshandlungen, noch eine Vergewaltigung. Im Streit soll die Frau ihn angegriffen und auch verletzt haben, lässt der 45-Jährige vortragen. Er habe dann im Haus einen Knall gehört und die Freundin wieder auf dem Boden liegend angetroffen und gefragt, was denn los sei. Sie aber habe die Polizei gerufen.

Dem allerdings widerspricht die Aussage der Frau vor den Richtern, die ihn der Vergewaltigung und der Körperverletzung beschuldigt. Auch die Nürtinger Polizei habe letztlich deutliche Spuren einer Vergewaltigung gefunden, heißt es in der Anklage. Auch die Würgemale am Hals des Opfers sollen von einem Arzt festgestellt worden sein. Die Stuttgarter Richter haben zur Aufhellung der Hintergründe mehrere Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil gegen den 45-Jährigen könnte frühestens Ende März gesprochen werden.