Lokales

Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt

Dass am Donnerstag offiziell die Schlierbacher Ortschronik vorgestellt werden konnte, stellt nicht nur für Bürgermeister Paul Schmid ein besonderes Ereignis dar. Das 550 Seiten starke, reich bebilderte Buch, kann auf dem morgen stattfindenden Weihnachtsmarkt noch zum Vorzugspreis erworben werden.

JOACHIM KRUG

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SCHLIERBACH Am vergangenen Donnerstag war für Schlierbach zweifellos ein besonderer Tag. Mit der Präsentation einer neuen Ortschronik hat Schlierbach gewissermaßen seine Geschichte zurück bekommen, die mit der Verbrennung des Ortsarchivs durch Kriegseinwirkungen im Jahre 1945 verloren gegangen war. Das Interesse an einer Ortschronik, so Bürgermeister Paul Schmid, war in Schlierbach groß.

Als ehrenamtlich tätiger, fachlicher Koordinator des Vorbereitungsteams hat sich nach Schmids Worten Göppingens Kreisarchivar Walter Ziegler große Verdienste erworben. Das Gleiche gelte für Verleger Anton Konrad, für Schmid ein "schwäbisches Urgestein", der aber aus dem bayrischen Schwaben stammt. Die knapp 20 Autoren sind für den Bürgermeister die "Mütter und Väter" der Ortschronik. Als mit dem Amtsantritt Schmids 1986 der Wunsch nach einer Ortschronik an ihn herangetragen wurde, habe er sich als neuer Schultes allerdings andere Sorgen um Schlierbach gemacht.

Bürgermeister Schmid kam aber im Laufe der Zeit zu der Überzeugung, dass ohne Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft einer Gemeinde nicht zu bewältigen sei. 1996 habe er dann den Göppinger Kreisarchivar Ziegler als kompetenten Ansprechpartner gefunden. Neben dem Vorbereitungsausschuss habe er auch auf zahlreiche ältere Mitbürger, wie Friedrich Roth, zurückgreifen können. Für die Fotos sei das Bildarchiv Kurt Molls von unschätzbarem Wert gewesen. Aus den ursprünglich vorgesehenen 400 Seiten seien jetzt 550 geworden mit insgesamt 150 Bildern. Schon 1950 habe in Schlierbach das Gefühl für eine Ortschronik bestanden, denn "Heimatgefühl bedarf einer Identität", versicherte Schmid.

Bei aller am Schluss aufkommenden Hektik habe Verleger Anton Konrad aber stets Ruhe und Zuversicht ausgestrahlt. Finanzielle Unterstützung für das 80 000 Euro teure Werk habe die Gemeinde durch Firmen- und Privatspenden in Höhe von 9 000 Euro erfahren, "worauf ich sehr stolz bin", versicherte der Bürgermeister. Die Herausgabe einer Ortschronik für Schlierbach war nach Ansicht Walter Zieglers eine große Herausforderung, besonders über die Zeit von 1275 bis 1945. Paul Schmid sei immer der Motor gewesen. Erst am Schluss habe man sich den letzten 60 Jahren zugewendet. Die Durchforstung der verschiedensten Archive sei eine "unendliche Geschichte" gewesen, wofür er allen Autoren danke. Verleger Anton Konrad bedauerte, dass jetzt "alles aus ist." Nach dem Auftrag durch Schmid am Heiligabend 2002 habe er erst 2004 "richtig losgelegt" und kenne jetzt jeden Schlierbacher seit 1275. Dem Bürgermeister empfahl der Verleger, jetzt die Stadtrechte zu beantragen, "bei einer zwei ein halb Pfund schweren Ortschronik".

Historisch ein besonderer Leckerbissen sei die gotische Kirche, in der es sogar noch zwei gotische Glocken gäbe. Die Fotos im Buch verglich Konrad mit "funkelnden Edelsteinen". Von dem Schlierbacher Bildhauer Henri Weigele gäbe es in Paris sogar noch eine Bronzestatue. Der Tag der Herausgabe der Ortschronik sei gut gewählt worden, schließlich sei es "ein Buch in einer Vollmondnacht."

Die ersten der insgesamt 1 500 Exemplare der Schlierbacher Ortschronik erhielten die Autoren am Ende der Veranstaltung, die von Ildiko Solomaier und Sandra Geiselhart musikalisch umrahmt wurde.