Lokales

Verkehrsentwicklung schnell entflechten

Die Debatte um einen Einrichtungsverkehr auf dem Alleenring geht in die nächste Runde. Stand in der jüngsten Sitzung die von dem Stuttgarter Planungsbüro Kölz erstellte "Verkehrlich-städtebauliche Abwägung eines Einbahnsystems im Verlauf des Alleenrings" im Mittelpunkt, liegt inzwischen neben einem Dringlichkeitsantrag auch eine detaillierte Machbarkeitsstudie der FDP / KiBü vor.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Wie berichtet, war ein nach zunächst kontroverser Diskussion in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten in der Juni-Sitzung des Kirchheimer Gemeinderats einhellig von den Sprechern der im Gremium vertretenen Fraktionen begrüßt worden. Selbst vorherige Kritiker der Kosten einer fundierten Analyse der komplexen Fragen, die sich bei einem Einbahnverkehr um den Alleenring stellen, zeigten sich abschließend überzeugt davon, dass erhoffte "schnelle Lösungen" praktisch zum Nulltarif tatsächlich nicht machbar sind.

In ihrem Gutachten, das Diplom-Ingenieur Andreas Weber und Professor Kölz vorgestellt und dabei vor allem auch die langfristigen städtebaulichen Chancen aufgezeigt hatten, waren die Verkehrsexperten zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einrichtungsverkehr ein "verfolgenswerter konzeptioneller Ansatz" sei und eine behutsame und möglichst viele Beteiligte intensiv einbindende Vorgehensweise vorgeschlagen. Fast einhellig wurde dann auch dafür plädiert, nicht auf einen Schnellschuss zu setzen, sondern in eine seriöse Planung zu investieren und die große Chance zu nutzen, die sich für die Steigerung der Attraktivität der Einkaufsstadt hier langfristig biete.

Die FDP / KiBü-Stadträte Albert Kahle und Bernhard Most hoffen, mit ihrem detailliert ausgearbeiteten Vorschlag Verwaltung und Ratsgremium nun doch noch davon überzeugen zu können, dass ein Einbahnverkehr "auf bestehenden Straßenflächen ohne Behinderung durch Umbaumaßnahmen bei geringstem Aufwand und minimalen Kosten" möglich ist. Voraussetzung wäre, dass ihre Analyse bei der Vorberatung im Technischen Ausschuss und in der nächsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderats den erforderlichen Zuspruch findet und entsprechend unterstützt wird.

Es gelte, sehr schnell die durch Ampelschaltungen, Bussteuerung und die derzeitigen Baumaßnahmen entstandene Verkehrsentwicklung zu entflechten, um die Gesamtsituation in Kirchheim wieder zu verbessern, argumentieren die Verfasser des an die Stadtverwaltung und alle Fraktionen, an den City Ring und den Bund der Selbstständigen sowie an betroffene Verkehrsunternehmen, die Polizei und an Rektor Schweizer als Vertreter der Schulen verschickten Entwurfs. Ziel des Antrags der FDP / KiBü ist es, die Zahl der Ampeln am Alleenring von derzeit über 40 auf nur noch acht zu reduzieren und durch den Einbahnverkehr entgegen des Uhrzeigersinns zusätzliche Park- und Freiflächen zu gewinnen.

Die Initiatoren versprechen sich von ihrem Vorschlag, dass der Verkehr flüssiger gemacht und die Standzeiten und damit der Abgasausstoß halbiert werden könnten. Gleichzeitig hoffen die Antragsteller auch, dass durch diese Maßnahme der baustellen- und verkehrsbedingte Rückgang der Besucher und Kunden gestoppt werden kann. Angeregt wird, eine Parkscheibenregelung mit zweistündigem kostenlosem Parken und während der Bauzeit der Tiefgarage Schweinemarkt wenigstens an Samstagen einen Shuttle Bus vom Ziegelwasen in die Innenstadt einzurichten. Albert Kahle und Bernhard Most vertreten klar die Meinung, dass es keiner "vergoldeten Lösung" bedarf, sondern vielmehr einer schnellen und unproblematischen Umsetzung. Ihre Liste der einzeln beschriebenen Kreuzungs- und Haltestellenbereiche wird dabei Punkt für Punkt weitergeschrieben und jeweils mit der lapidaren Bemerkung eingeleitet "Keine bauliche Veränderung notwendig".

Außer den Fußgängerüberquerungen Kreissparkasse / Max-Eyth-Straße, Dettinger Straße / Marktstraße und Ochsengässle können nach der Überzeugung der beiden Stadträte der FDP / KiBü alle Ampeln am Alleenring abgeschaltet werden. Für den Probelauf eines Einbahnverkehrs würde lediglich Farbe zur Fahrbahnmarkierung benötigt, dazu noch etwa 30 bis 40 laufende Meter rot / weiß markierter Holzbalken sowie genügend Stahlnägel zu deren Befestigung.

Darüber hinaus wäre nur noch zu ermitteln, wie viele Schilder insgesamt benötigt werden, die an den Hauptzufahrtsstraßen auf die veränderte Verkehrsführung hinweisen und wie viele Verkehrszeichen "Einbahnstraße" und "Durchfahrt verboten" aufgestellt werden müssten.

"Der Vorteil einer stadtplanerischen Gestaltung, wie sie sich aus den von dem Büro Kölz vorgeschlagenen Planungen ergibt, soll die angestrebte Verkehrsführung und die damit verbundene städtebauliche Wirkung bereits im Probelauf aufzeigen", machen Albert Kahle und Bernhard Most in ihrer alle einzelnen Kreuzungspunkte einbeziehenden Arbeit deutlich. Eine solche Umgestaltung sei nie Ziel des Dringlichkeitsantrages der FDP / KiBü gewesen.

Solche städtebaulichen Maßnahmen seien derzeit nicht finanzierbar, stellen die beiden Stadträte fest und betonen, dass entsprechende Umgestaltungsmaßnahmen bei einem Erfolg des Probelaufs als Gesamtkonzept in eine der nächsten Haushaltsplanungen eingestellt werden müssten.