Lokales

Verknüpfung der sozialen Angebote

In Lenningen wird es alsbald eine weitere Vereingung geben: "Lenninger Netz Verein zur Koordination sozialer Aufgaben". Der Gemeinderat will die Gründung unterstützen und stimmte dem Beitritt der Gemeinde Lenningen einstimmig zu.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN "Dieser Verein soll die Koordination bestehender Angebote übernehmen. Somit erreichen wir eine bessere Vernetzung der Angebote und müssen nicht in jedem Ortsteil das Rad neu erfinden", erklärte Lenningens Bürgermeister Schlecht. Mit diesem Verein will die Gemeinde den demografischen Veränderungen Rechnung tragen. "Eine adäquate Versorgung älterer Menschen wird zu einem immer wichtigeren Thema", so der Schultes.

Gerade für Lenningen mit seinen vielen Teilorten ist dies eine Herausforderung. "Wir haben funktionierende Strukturen, nur bei der Koordination gibt es Schwierigkeiten. Das vorhandene Potenzial soll mit Hilfe des Vereins besser genutzt werden können", beschreibt Michael Schlecht die Aufgabe. So stehe beispielsweise mehrmals das gleiche Angebot an Diensten zur Verfügung, wodurch die Gefahr bestehe, dass die oftmals ohnehin schon stark engagierten Helferinnen und Helfer durch Überbeanspruchung aufgerieben werden. Sinnvolle Bündelung lautet deshalb eine der Aufgaben, die das Lenninger Netz anpacken wird.

Als "geborene Mitbegründer" sieht Michael Schlecht neben der bürgerlichen Gemeinde die fünf evangelischen Kirchengemeinden und die katholische Kirchengemeinde, die vier Krankenpflegevereine sowie die Diakoniestation Teck und das Deutsche Rote Kreuz. Operativ tätig ist das Netz nicht, die Arbeit vor Ort wird weiterhin von den bisherigen Anbietern geleistet. "Durch den Verein wird niemandem etwas weggenommen. Im Gegenteil: das Projekt Betreutes Wohnen zu Hause soll vorangetrieben werden", erklärte der Schultes.

Das Lenninger Netz zu gründen ist die Idee des Arbeitskreises "Älter werden in Lenningen", der sich schon seit langer Zeit mit dieser Thematik befasst. "Umfangreiche Informations- und Vorgespräche ließen erkennen, dass von den Kirchengemeinden und Pflegediensten in allen Ortsteilen Dienst- und Pflegeleistungen sowie Nachbarschaftshilfen angeboten werden können. Um diese Leistungen zusammenzuführen und zu optimieren, ist eine Verknüpfung vor allem der im sozialen Bereich tätigen Vereine und Organisationen erforderlich", so Michael Schlecht.

"Ich begrüße dieses Vorhaben außerordentlich. Es bietet die Chance, bestehende Angebote zu koordinieren und Doppelstrukturen zu vermeiden und es ist gleichzeitig ein Signal. Unterschiedliche Partner arbeiten gemeinsam an einem Projekt, was für das Zusammenwachsen der Ortsteile prima ist", lautete die klare Zustimmung von Georg Zwingmann. Der Beitritt zum Lenninger Netz ist für ihn selbstverständlich. "Damit können wir Flagge zeigen", erklärte er. Ähnlich sah es auch Jürgen Rau: "Man kann nicht die ganze Zeit davon reden, die Altenarbeit zu unterstützen und dann keine Taten folgen lassen." Von einem wichtigen Meilenstein sprach Inge Kodera und Roland Sailer ist es wichtig, dass die Krankenpflegevereine mit in das Projekt einbezogen werden.

Karl Boßler war vor allem der finanzielle Aspekt wichtig. "Ich begrüße das Vorhaben grundsätzlich. Uns muss aber klar sein, dass es nicht zum Null-Tarif zu haben ist und uns Geld kosten wird", sagte er. "Ich bitte schon darum, nicht alles von der finanziellen Seite zu sehen", machte Bürgermeister Schlecht seinen Standpunkt dazu deutlich. Dass ein Verein zwingend notwendig ist, ist die Ansicht von Wolfgang Tröscher. "Es geht im Moment um Mitgliedsbeiträge und wenn Zuschüsse anstehen, kann der Gemeinderat darüber entscheiden", erklärte er zum Thema Finanzen. Irgendwann soll sich der Verein Lenninger Netz alleine tragen. Eine Anschubfinanzierung ist jedoch nötig, darin sind sich alle Beteiligten einig.

Ein Anfang ist schon gemacht: Gestern überreichte Walter Zink einen Scheck in Höhe von 3500 Euro an Michael Schlecht für das Lenninger Netz. Der ehemalige Unternehmer aus Unterensingen gründete Ende des vergangenen Jahres die Walter-Zink-Stiftung zu den drei Linden. Sie unterstützt die Altenhilfe vor Ort, kulturelle Belange und Jugendhilfeprojekte. "Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, lokale Netzwerke zu initiieren und zu unterstützen, damit es älteren Menschen ermöglicht wird, so lange als möglich zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung selbstständig zu leben", so Walter Zink. Da die Gemeinde Lenningen gerade in diesem Bereich den anderen Kommunen im Kreis weit voraus ist, will er dieses vorausblickende Projekt unterstützen.

Damit das Konzept realisiert werden kann, wird eine qualifizierte Fachkraft benötigt. Sie ist zum einen für die Fort- und Weiterbildung der Helferinnen und Helfer zuständig und hält zum andern die Fäden in der Hand. "Wir müssen das nachholen, was einst die Nachbarschaftshilfe war", sagt Michael Schlecht.