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"Verlängerte Lehrwerkbank" optimiert Berufsstart

Seit ihrer Gründung 1974 bildet die GARP in Plochingen, Ruit, Nürtingen und Göppingen die "verlängerte Ausbildungswerkbank" für klein- und mittelständische Betriebe in der Region. Seit September 2005 absolvierten 150 Azubis die Grundausbildung. Gestern sind sie von GARP-Geschäftsführer Dr. Werner Waiblinger verabschiedet worden.

RICHARD UMSTADT

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PLOCHINGEN Daniel Zechner, 17, kommt aus Holzmaden und hat, wie der 19-jährige Daniel Wache aus Hohenstadt, einen Ausbildungsvertrag der Firma TTS Tooltechnic Systems AG & Co. KG in der Tasche. Beide wollen sie Mechatroniker werden. Da der in Neidlingen und Wendlingen ansässige Hersteller von Profi-Elektrowerkzeugen keine eigene Lehrwerkstatt besitzt, schickte er die zwei jungen Männer in die GARP nach Plochingen. Damit ist TTS Tooltechnic in guter Gesellschaft. Auch die Unternehmen Danfoss Bauer und CeramTec oder aus dem Kirchheimer Bereich Keller Lufttechnik und Sprimag gehören zu den rund 140 Mitgliedsbetrieben der GARP, die ihre Lehrlinge im ersten Lehrjahr zur Grundausbildung oder später zur Fachausbildung an das überbetriebliche Bildungszentrum verweisen.

Dies ist ganz im Sinne des Geschäftsführers Dr. Werner Waiblinger und des Leiters der Grund- und Fachausbildung an der GARP, Heinz Maisch. "Schicken Sie ihre jungen Leute zu uns," appelliert Dr. Waiblinger an die Unternehmen der Region und verweist auf den Bedarf an qualifizierten Facharbeitern. "Wir haben in Deutschland kein Gold und andere Bodenschätze, aber wir haben Leute mit Köpfchen, und diese brauchen wir auch in Zukunft, um unsere hochwertigen Produkte erzeugen und unsere Qualität halten zu können."

Seit seiner Gründung im Jahre 1974 bietet das GARP-Bildungszentrum Betrieben in der Region die Grundausbildung ihrer Azubis an. "Das ist ein win-win-Modell", so Dr. Waiblinger. Jeder der Kooperationspartner zieht seinen Nutzen daraus: Die GARP ebenso wie die klein- und mittelständischen Unternehmen ohne eigene Lehrwerkstätte.

Doch es gibt auch Betriebe wie zum Beispiel CeramTec. Der Hersteller künstlicher Keramikknie und -hüften besitzt zwar eine Ausbildungsabteilung, schickt aber trotzdem seine Auszubildenden ins Plochinger GARP-Bildungszentrum. Den Grund nennt CeramTec-Ausbildungsleiter Albrecht Baumann: "Zum einen wollen wir den jungen Leuten den Übergang von der Schule in den Betrieb erleichtern. Zum anderen erhalten sie während des ersten Lehrjahres in der GARP die Gewissheit, dass ihre Berufsentscheidung die richtige war." Ähnlich argumentiert auch Ausbildungsleiter Markus Brändle von Danfoss Bauer. Einen großen Vorteil sehen sowohl die Ausbilder als auch deren Schützlinge im Erleben von Gemeinschaft und Teamgeist, wenn, ähnlich wie in einer Schulklasse, rund 30 bis 35 Auszubildende in der GARP-Lehrwerkstatt an den Schraubstöcken stehen.

Wuchs die Zahl der Lehrlinge in der Grundausbildung bei der GARP von Jahr zu Jahr bis auf rund 150 im Herbst 2005 an, so verzeichnet Ausbildungsleiter Heinz Maisch in diesem Jahr einen Rückgang, vor allem in den Elektroberufen. "Im Moment haben wir für die Grundausbildung 2006/2007, die am 11. September beginnt, etwa 122 Anmeldungen." Er macht dafür die nicht einfache Situation auf dem Lehrstellenmarkt verantwortlich.

"Die jungen Leute, die einen Ausbildungsplatz haben, sind heutzutage die Gewinner," ist Dr. Werner Waiblinger überzeugt. Er weiß aber auch, dass viele auf der Straße stehen, die keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. Um diese jungen Frauen und Männer kümmert sich der zertifizierte Industriebildungsträger ebenfalls. Mit Erfolg. Nach dem letzten elfmonatigen Lehrgang bei der GARP in Nürtingen konnten von den 63 Teilnehmern über die Hälfte in Firmen vermittelt werden. "Darauf sind wir stolz," so Geschäftsführer Dr. Waiblinger.

Stolz können auch Daniel Zechner und Daniel Wache sein, bei TTS Tooltechnik einen Ausbildungsplatz zum Mechatroniker ergattert zu haben. Beide absolvierten bereits während ihrer Realschulzeit ein Praktikum bei dem Elektrowerkzeughersteller in Neidlingen. "Wir unterstützen die Praktika, weil wir dabei die jungen Leute kennenlernen können und freuen uns, wenn sie sich später bei uns bewerben," sagt TTS-Ausbildungsleiter Uwe Schäfer, und ergänzt: "Mechatroniker ist der ideale Beruf für TTS. Er deckt den Bereich Elektronik ebenso ab wie den Bereich Mechanik, weshalb die Mitarbeiter sehr flexibel einsetzbar sind."