Lokales

Verminderte Einsicht

Vorletzter Prozesstag vor dem Stuttgarter Schwurgericht gegen eine 65-jährige Frau aus Denkendorf, die ihre demenzkranke Mutter heimtückisch getötet haben soll. Ein psychiatrischer Gutachter stellte jetzt bei der wegen Mordes angeklagten Frau, bedingt durch eine schwere psychische Störung, verminderte Einsichtsfähigkeit fest, weshalb wohl eine lebenslange Haftstrafe nicht mehr verhängt werden kann.

BERND WINCKLR

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STUTTGART Am gestrigen Verhandlungstag hörten die Richter der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts noch eine ganze Reihe von Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten. Keiner der Zeugen konnte bestätigen, dass die 65-Jährige, die auch an diesem vorletzten Prozesstag das Szenario mehr auf einer Krankenliege liegend als stehend verfolgte, eine Art gemeinsamen Selbstmord mit der Mutter geplant hatte.

In einem Abschiedsbrief ist allerdings die Rede davon, dass sie durch den Tod der Mutter der 93-Jährigen ein längeres Leiden ersparen wollte. Sie hatte wie berichtet zuerst der Mutter eine Überdosis Schlafmittel verabreicht, dann sich selbst, wobei ihr das Glas mit den Tabletten heruntergefallen sei und sie dann ihren eigenen Selbstmord per Aufschneiden der Pulsadern praktizieren wollte, was allerdings schief ging. Dann hatte sie der neben ihr liegenden Mutter noch ein Kissen in das Gesicht gedrückt und die Frau somit erstickt.

Da das Opfer arg- und wehrlos war, geht die Anklage von einem heimtückischen Mord aus. Nachdem nun der psychiatrische Sachverständige die Frau bedingt durch eine seelische Störung zum Tatzeitpunkt als vermindert einsichtsfähig, sie aber selbst als eine hypochondrische Kranke bezeichnete, die zudem an einer schweren seelischen Abartigkeit leidet, kann wohl eine Verurteilung zu der absoluten Strafe bei Mord nicht in Frage kommen. Eine Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt zur Sicherung der Allgemeinheit schließt der Gutachter ebenfalls aus, da von der Angeklagten keinerlei Rückfälle zu erwarten sind und sie somit auch keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Am morgigen Freitag sollen die Plädoyers der Staatsanwältin und des Verteidigers gehalten und am Nachmittag dann das Urteil gegen die 65-jährige Denkendorferin gefällt werden.