Lokales

"Vermögenssicherung durch Nachlassverwaltung"

Ein Patentrezept für "den" Erbfall gibt es nicht. Das machte Stephan Rißmann im Rahmen der Reihe "FinanzForum" der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen deutlich. Doch jeder Vererbende könne vorsorgen und gemeinsam mit einem Berater ein individuelles Konzept erarbeiten.

KIRCHHEIM "Entdecke die Möglichkeiten", forderte der Erbrechtsspezialist nicht nur Häusles- und Aktienbesitzer auf. Lebendig, anschaulich und routiniert gab er den rund 500 Zuhörern, die mehr über das Thema "Vermögenssicherung durch Nachlassgestaltung" in der Kirchheimer Kreissparkasse wissen wollten, Grundwissen und Begrifflichkeiten an die Hand.

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"In den nächsten Jahren kommt eine riesige Vererbungswelle auf uns zu", führte Jörg Attinger, Leiter des Vermögensmanagements bei Kirchheimer Kreissparkasse, in das Thema ein. Eine Billion Euro werden laut Attinger voraussichtlich in den kommenden drei Jahren in Deutschland hinterlassen. Der Handlungsbedarf, glaubt wiederum Stephan Rißmann, ist groß, da sich bislang nur eine Minderheit mit den Themen Tod und Erbe auseinandersetzen will. Doch bei aller Dringlichkeit dürfe bei Testamentsfragen nicht allein der steuerliche Aspekt im Vordergrund stehen. Immer wieder verwies der Rechtsanwalt auf die menschliche Dimension, die hinter Erbfall und Erbstreitigkeit stecke und die sehr wohl in die Überlegungen einbezogen werden müsse.

"Wenn sie selbst nichts regeln, werden sie geregelt", sagte Rißmann mit Blick auf die gesetzliche Erbfolge, die Erben in verschiedene Ordnungen einteile. Der Referent verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass adoptierte wie leibliche Kinder behandelt würden und das Erbrecht auch Sonderfälle aufführe. Auf diesen Regelungen baue das Pflichtteilsrecht auf, laut Rißmann "das größte Gefahrenpotenzial für ihr Vermögen". Ein Pflichtteil stehe dabei allein Kindern, Ehegatten und Eltern zu. Geschwister und andere Verwandte hätten darauf keinen Anspruch. Würden diese Ansprüche, ohne dass sie vorher bedacht worden sind, geltend gemacht, drohten langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen oder Liquiditätsprobleme. Laut Stephan Rißmann steckt hier der Teufel in manchem Detail etwa wenn bei Enterbungen oder gegenseitiger Vollerben-Einsetzung der Eheleute Pflichtteile sofort eingefordert werden können.

Haben Eheleute Gütertrennung vereinbart, könne das dem einen oder anderen bei einer Scheidung zwar helfen, für den Erbfall sei das aber "absoluter Unfug". Für den Hinterbliebenen könne eine Gütertrennungsvereinbarung steuerlich fatale Folgen haben, da der Steuerfreiheitsanspruch eines Zugewinnausgleichs verloren gehe. Stephan Rißmann forderte deshalb dazu auf, bestehende Verträge zu prüfen und zu modifizieren, etwa indem der Steuerfreibetrag im Erbfall bejaht, bei Scheidung aber Gütertrennung vereinbart wird.

Immer wieder machte der Erbrechtsspezialist klar, wie wichtig eine "durchdachte lebzeitige Regelung" sei. Stephan Rißmann warnte vor fehlenden klaren Regelungen bei Erbengemeinschaften, wog Vor- und Nachteile von Schenkungen ab, redete über "Genussverzicht" und Bedingungen beim Verfassen von Testamenten, pries Vorzüge von Erbverträgen und Stiftungen, erläuterte Unterschiede zwischen Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung und riet Rißmann den Zuhörern, das Beratungsgespräch mit Fachleuten zu suchen.

pm