Lokales

Vernetzte Angebote für Senioren

Der Anteil der Menschen, die im Alter psychisch erkranken, ist offenbar drastisch gestiegen. Im Sozialausschuss des Kreistags ging es deshalb bei der Vorstellung des Psychiatrieplans bis 2007 vor allem um den Ausbau der so genannten Gerontopsychiatrie.

MIRIAM HESSE

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KREIS ESSLINGEN Im Alter steigt das Risiko, psychisch zu erkranken, Depressionen und Demenzerkrankungen nehmen zu. Und gerade die älteren Patienten fallen noch viel zu oft durch das Netz der bestehenden Versorgung. Darauf verwies Hartwig von Kutzschenbach, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes für alte Menschen (SOFA), im Sozialausschuss des Kreistages mit Nachdruck.

Im Bereich der Gerontopsychiatrie, also der Hilfe für ältere, psychisch erkrankte Menschen, bestünden noch große Defizite, so von Kutzschenbach. In der Gerontopsychiatrie gebe es immer noch keine aufeinander abgestimmten Hilfsangebote wie das in der Jugend- oder in der Erwachsenenpsychiatrie der Fall sei. Nun wird schon einiges getan: Im September hat das Gerontopsychiatrische Zentrum Nürtingen seine Arbeit aufgenommen. Es wurden zwölf tagesklinische Plätze eingerichtet. Ab nächstem Jahr wird es dort auch eine Gedächtnissprechstunde geben. Weiter sind im Raum Esslingen-Plochingen und auf den Fildern gerontopsychiatrische Zentren geplant. Diese sind nicht als eigene Standorte gedacht, sondern als stärkere Vernetzung der bestehenden Angebote für Senioren. Der Sozialausschuss befürwortet diese Pläne.

Der Psychiatrieplan sieht noch eine Reihe von zusätzlichen Verbesserungen vor. Bisher hätten die Patienten im Wesentlichen nur die Wahl zwischen ambulanter Behandlung und Klinik. "Hier mangelt es an Alternativen", so von Kutzschenbach. Der Übergang vom allgemeinen Krankenhaus in die Psychiatrie oder zurück in die häusliche Umgebung muss besser gestaltet werden. In Zukunft will SOFA die Diagnose für ältere Menschen vor Ort ambulant abklären. Die Einrichtung übernimmt außerdem die Betreuung schwer kranker Patienten, die wegen Selbstmordgefahr, Aggressivität oder Verwahrlosung nicht gleich weiter verwiesen werden können. Weil Angehörige und Nachbarschaftshelfer häufig mit der Pflege überfordert seien, müssten diese intensiv geschult werden. Des Weiteren wird das Angebot an Selbsthilfegruppen ausgebaut, das bislang stark frauenorientiert ist. Ein spezieller Stammtisch für Männer soll das ändern.

ez