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Versicherungen wollen meist Billiglösung

Vor dem "Schadensmanagement" von Versicherungen warnt, passend zur derzeitigen Witterung, die Kfz-Innung Nürtingen: "Wer das Pech hat, bei Eis und Schnee gerammt zu werden, sollte sich nicht auf das Schadensmanagement der Versicherer einlassen", sagt Alfred Hiller, Pressesprecher der Kraftfahrzeug-Innung.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN Und Alfred Hiller weiß aus seiner Erfahrung, dass es hier nicht um die sachgemäße Reparatur geht, sondern lediglich ums Geld. "Die Versicherung will immer die billigste Lösung erreichen", warnt der Fachmann.

Unabhängig von Schnee und Eis gilt dabei: Wer von einem anderen gerammt wird hat Rechte. Oberstes Gebot ist dabei, dass das Auto nach der Reparatur möglichst nah am Zustand vor der Reparatur sein muss. Und das ist mit moderner Technik heute kein Problem mehr.

Wenn es gekracht hat, sind laut Kfz-Innung vor allem drei Kernrechte für den Geschädigten wichtig: die Reparatur in der Werkstatt des Vertrauens, die Schadensfeststellung durch einen unabhängigen Sachverständigen. Übersteigen die Reparaturkosten im Totalschadensfall den Wiederbeschaffungswert, kann das Fahrzeug gleichwohl in der Fachwerkstatt repariert werden, wenn die voraussichtlichen Reparaturkosten gemäß Sachverständigengutachten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs um nicht mehr als 30 Prozent übersteigen.

Vor allem beim Recht auf freie Wahl der Reparaturwerkstatt sollten sich die Autobesitzer nicht von den Versicherern verunsichern lassen, betont Alfred Hiller. So haben die Versicherungen nur ein Interesse daran, die Autos in Werkstätten zu schleusen, die vertraglich an die jeweiligen Versicherungen gebunden sind.

Auch das Recht auf einen Sachverständigen sollte sich ein Geschädigter nicht nehmen lassen. So steht jedem "Unfallopfer" bei größeren Schäden grundsätzlich frei, einen Sachverständigen seiner Wahl zur Beweissicherung und zur Feststellung von Schadenumfang, Schadenhöhe, Wertminderung, Restwert, Wiederbeschaffungswert und voraussichtlicher Reparaturdauer zu beauftragen. Bei Bagatellschäden mit einer vorhersehbaren Schadenshöhe zwischen 520 bis 770 Euro, reicht in der Regel als Schadensnachweis sogar die Reparaturkalkulation der Fachwerkstatt aus, da die Kosten für ein Gutachten bei Bagatellschäden grundsätzlich nicht von der Versicherung übernommen werden. Ein Gutachten kann auch Grundlage der Abrechnung mit der Versicherung sein, wenn der Geschädigte sein Fahrzeug nicht reparieren lassen, sondern mit dem von der Versicherung ausgezahlten Geld ein anderes Fahrzeug erwerben will.

Für die Dauer des schadenbedingten Fahrzeugausfalls kann grundsätzlich (Ausnahme: sehr geringer Fahrbedarf) ein Mietwagen beansprucht werden. Aber auch hier warnt die Innung. Wegen zum Teil erheblicher Preisunterschiede kann es unter Umständen sinnvoll sein, Preisvergleiche anzustellen, da bei Anmietung zu überhöhten Preisen die Mietwagenkosten nicht immer vollständig von der Versicherung zu übernehmen sind. Benötigt der Geschädigte keinen Mietwagen, kann man für die Dauer des Fahrzeugausfalls alternativ eine sogenannte Nutzungsausfallentschädigung gelten machen. Ein weiterer Tipp der Kfz-Fachleute: Zur Durchsetzung der Ansprüche kann ein Rechtsanwalt beauftragt werden. Diese Kosten hat die Versicherung des Schädigers grundsätzlich zu übernehmen.

Lässt der Geschädigte im Falle eines Totalschadens sein Fahrzeug nicht reparieren, so hat er Anspruch auf Ersatz des Wiederbeschaffungswertes des Fahrzeugs. Allerdings, so Hiller, wird der Restwert des Unfallwagens abgezogen. Weiterhin wird in solch einem Fall die in dem Wiederbeschaffungswert enthaltene Mehrwertsteuer abgezogen. Denn im Schadenfall wird die Mehrwertsteuer nur so weit ersetzt, wie sie tatsächlich angefallen ist. Wie hoch der konkrete Abzug ausfällt, hängt unter anderm vom Alter und Typ des Fahrzeuges ab. So kann man sein Fahrzeug zu dem Restwert veräußern, den der Sachverständige in seinem Gutachten ermittelt hat. Zur Sicherheit empfiehlt sich dazu ein korrekt datierter schriftlicher Kaufvertrag.

Hiller macht darauf aufmerksam, dass man zur Erleichterung der Zahlungsabwicklung von der Werkstatt Formulare "Reparaturkosten-Übernahmeerklärung" oder "Sicherungsabtretung" verwenden kann. In diesem Fall kann die Versicherung bei Vorlage der Erklärung direkt an die Fachwerkstatt auszahlen. Dadurch kann meist vermieden werden, dass der Geschädigte für die Reparaturkosten in Vorleistung treten muss.

Erhebliche Abweichungen vom beschriebenen Haftpflichtschadensfall gibt es laut Alfred Hiller allerdings bei einem selbstverschuldeten Unfall (Kaskoschadenfall). Hier ergeben sich die Rechte aus dem individuellen Versicherungsvertrag. Dabei ist vor allem das Weisungsrecht des Versicherers zu beachten. Daher sollte man sich unverzüglich mit der Versicherung in Verbindung setzen. Aber auch hier gelte, dass man das Recht hat, eine Werkstatt seines Vertrauens auszuwählen, sofern der Vertrag ausdrücklich nichts anderes bestimmt.