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Verstärkte Teamarbeit

Aufsehen erregt vor allem das ungeliebte Spreizdeputat doch hinter der Diskussion um Lehrerarbeitszeit und Unterrichtsorganisation steckt mehr: So rufen geplante Modellversuche überwiegend positive Reaktionen hervor.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Während das Bandbreitenmodell "unten durch" ist, sehen hiesige Schulleiter und Lehrervertreter eine Chance in den Modellversuchen, die das Kultusministerium starten will. Dabei sollen innovative Formen der Arbeitsorganisation in Schulen erprobt und Lehrerleistungen neu bewertet werden. Mögliche Neuerungen, die in 30 Modellschulen in Baden-Württemberg getestet werden sollen, sind, den festen 45-Minuten-Takt der Schulstunden aufzubrechen, verstärkte Teamarbeit und Arbeitsteilung der Pädagogen zu fördern und unterrichtsfreie Zeiten flexibler zu handhaben.

Als "Versuchskaninchen" für die Modellprojekte hat sich keine der befragten Schulen gemeldet. "Abwarten, bis die Sache erprobt ist", heißt die Devise rund um die Teck. Eine Teilnahme sei auch "eine Sache des Zeitrahmens", so Eberhard Schweizer, geschäftsführender Schulleiter in Kirchheim und Rektor der Freihof-Realschule. Mit Evaluation und neuen Bildungsplänen seien die Schulen derzeit schon genügend belastet.

Dennoch reagieren Rektoren und Lehrervertreter positiv darauf, dass Veränderungen bei Unterrichtsgestaltung und Lehrerarbeit angestrebt werden. "Das ist, was wir gefordert haben", verdeutlicht Harald Valachovic, Leiter der Grundschule Holzmaden und Vorsitzender des Personalsrats im Amt für Schule und Bildung des Landratsamts, dass Veränderungen gewünscht werden.

Zu neuer Unterrichtsorganisation und flexibleren Arbeitszeiten gibt es verschiedene Ansichten. Hans Dörr, Kreisvorsitzender der GEW, kann sich vorstellen, dass Lehrerteams für Jahrgangsstufen zuständig sind und den Unterreicht miteinander organisieren. Zu einem anderen Vorschlag äußert sich Dörr skeptisch: Mit der Abschaffung der 45-Minuten-Blöcke "habe ich meine Schwierigkeiten". Die Organisation in Schulstunden müsse differenziert betrachtet werden, da sie für verschiedene Schularten unterschiedlich wichtig sei.

"Bei uns gibt es das 45-Minuten-Schema schon länger nicht mehr", berichtet Harald Valachovic. Der Unterricht sei nicht in Stunden, sondern in Themenblöcke gegliedert. Siegfried Lutz, Rektor des Kirchheimer Schlossgymnasiums, würde eine Abkehr vom starren Stundenprinzip zwar begrüßen, sieht für seine Schule aber wenig Chancen. "Das geht an Grundschulen, wo das Fachprinzip nicht durchgeführt wird." An einer großen Einrichtung mit viel Fachunterricht sei dies aber kaum möglich.

Verstärkte Teamarbeit und "Kooperationszeit" auch Punkte der neuen Verwaltungsvorschrift sollen laut Kultusministerium weiter vorangetrieben werden. Den ersten Schritt in diese Richtung haben viele Schulen im Verbreitungsgebiet bereits getan. "Wir haben spezielle Stunden für Kooperation eingerichtet", sagt Eberhard Schweizer. Diese Zeit nutze das Kollegium je nach Bedarf. "Der Besprechungsbedarf ist durch die neuen Lehrpläne größer geworden", so Schweizer. Fächerübergreifender Unterricht mache es notwendig, jetzt schon "Kooperationszeit" zu praktizieren. Die Bereitschaft zu außerunterrichtlichen Treffen sei vorhanden, so Schweizer. Er geht davon aus, dass Besprechungen künftig auch auf Nachmittage und Ferien fallen.

Von Halbtagsjobs mit übermäßigem Urlaub kann bei Lehrern nach Aussagen der Rektoren nicht die Rede sein: "Ein verantwortungsbewusster Lehrer arbeitet auch in den Ferien", weiß Harald Valachovic. "Wir sind eine Ganztagsschule", stellt Uwe Häfele, Leiter der Kirchheimer Alleenschule, klar. "Wenn wir nur Dienst nach Vorschrift machen würden, würde unsere Schule nicht funktionieren."

Da sich unterrichtsfremde Pflichten häufen, begrüßen Schulleiter und Lehrervertreter auch die "Aufteilung der Jahresarbeitszeit". Künftig sollen von der Jahresarbeitszeit die 1804 Stunden beträgt laut Verordnung 85 Prozent auf Aufgaben entfallen, "die in direktem Zusammenhang mit Unterricht stehen". Die restlichen 15 Prozent stehen Lehrern für Aufgaben wie Fortbildungen und Konferenzen zur Verfügung.