Lokales

„Verstehst du auch, was du liest?“

Nach den Herbstferien geht das Leseprojekt „Zeitung in der Schule“ in eine neue Runde

Am Montag nach den Herbstferien, am 2. November also, startet „Zeitung in der Schule“ – kurz „ZiSch“ genannt – in eine neue Runde. Bis zum 12. Februar bekommen Klassen aller Schularten und aller Altersstufen Klassensätze des Teckboten an ihre Schulen geliefert, wenn sie sich rechtzeitig für eine Teilnahme an diesem langfristig gedachten Leseprojekt entscheiden.

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Andreas Volz

Kirchheim. Die Zukunft hängt von der Bildung ab: Das gilt nicht nur für jeden einzelnen Schüler und jede einzelne Schülerin, sondern für das gesamte Land. Wichtig für die Bildung sind Fähigkeiten wie Rechnen und logisch Denken ebenso wie das Aneignen von möglichst viel, möglichst umfassendem und möglichst strukturiertem Wissen. Besonders wichtig ist es aber, lesen zu können und das Gelesene zu verstehen.

Seit nahezu 2 000 Jahren existiert die berühmte Frage aus der Apostelgeschichte: „Verstehst du auch, was du liest?“ Allerdings dürfte diese Frage schon gestellt worden sein, seit es die Kulturtechniken des Lesens und des Schreibens gibt. Und an Aktualität hat die Frage bis heute nichts verloren – zumal sie wesentlich breiter zu fassen ist als in ihrem biblischen Zusammenhang.

Die PISA-Studien machen immer wieder auf den Unterschied zwischen Lesen und Verstehen aufmerksam. Nun sind Beipackzettel für Medikamente vielleicht nicht gerade besonders leserfreundlich oder gar verständlich abgefasst. Aber gerade deshalb ist es umso wichtiger, die wesentlichen Informationen von den weniger wesentlichen unterscheiden zu können, sie herauszulesen und das eigene Handeln danach auszurichten. Das gilt selbstverständlich auch für jede andere Textsorte – ob es sich dabei um Schulbuchtexte handelt, um gedruckte Rap-Songs, um Werbetexte oder eben um Zeitungsartikel. Was immer jemand liest, sollte zumindest im Grundsatz verstanden werden.

Und um dieses Verständnis zu erreichen, braucht es nur wenig Talent oder Begabung. Vor allem braucht es nämlich Übung. Genau diese Übung ermöglicht das Projekt „Zeitung in der Schule“ seit vielen Jahren: Wer drei Monate lang täglich die Zeitung liest, wird bald feststellen, dass die Zeitungslektüre interessant und spannend, informativ und bildend, aber auch kurzweilig und amüsant sein kann. Dass Lesen Spaß machen kann, ist eine Erfahrung, die immer mehr Kindern und Jugendlichen verloren geht. Wollten sie sich früher in fremde Welten begeben, gab es als Hilfsmittel dafür nur Bücher. Die Bücher belebten die eigene Fantasie. Heutzutage gibt es zwar ausgesprochen fantasievolle Filme und Computerspiele, aber diese Fantasien sind allesamt vorgegeben und visuell perfekt umgesetzt. Die eigene Fantasie der Konsumenten bleibt dabei auf der Strecke.

Bücher dagegen kann man zwar „verschlingen“, aber sie lassen sich nicht einfach „konsumieren“. Lektüre erfordert eigene Anstrengung und Mühe. Dass sich Anstrengung und Mühe in diesem Fall lohnen, ist für bekennende „Leseratten“ keine Frage. Anderen muss man dagegen auf die Sprünge helfen, damit sie diese Erfahrung ebenfalls machen können. Eine Möglichkeit, um auf die Sprünge zu helfen, ist die regelmäßige Zeitungslektüre. Entscheidend an der Zeitung ist, dass niemand sie komplett von vorne oben links nach hinten unten rechts lesen muss, um sie zu verstehen: Jeder Zeitungsleser pickt sich immer nur das heraus, was ihn persönlich interessiert. Und jeder und jede Einzelne werden jeden Tag Informationen in der Zeitung finden, die ihn oder sie persönlich interessieren – egal, ob diese Informationen nun ausschließlich nützlich sind oder auch nur spannend oder möglicherweise gar witzig und kurios. Und nichts anderes muss man lesen außer genau dem, was einem ganz persönlich gefällt. Diese Erfahrung vermittelt „ZiSch“.

Zum Projekt gehören neben der täglichen Lektüre auch die Recherchetermine der Klassen und die Langzeitarbeiten der einzelnen Schüler. Bei den Rechercheterminen sucht sich die Klasse ein Thema aus, über das sie gerne einen Zeitungsartikel verfassen möchte. Der Artikel erscheint dann im Lauf des Schuljahrs auf einer von mehreren speziellen „ZiSch“-Seiten im Teckboten. Für die Langzeitarbeit sammeln die Schüler im Projektzeitraum Artikel über ein bestimmtes Thema, das sie sich selbst aussuchen können. Die Artikel werden anschließend ausgewertet und präsentiert. Für die besten Langzeitarbeiten gibt es traditionell Preise zu gewinnen, die die Stiftung Kreissparkasse als „ZiSch“-Partner des Teck­boten stiftet.

Lehrer, die gerne mit ihrer Klasse an „Zeitung in der Schule“ teilnehmen möchten, können sich beim Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) unter der Telefonnummer 0 24 08/5 88 90 oder per E-Mail an izop@izop.de anmelden. Am Dienstag, 20. Oktober, findet außerdem von 10 bis 17 Uhr im Manfred-Henninger-Saal der Kirchheimer Kreissparkasse in der Alleenstraße 160 ein vorbereitendes Lehrerseminar statt.