Lokales

Verstimmung über plötzliche Kehrtwendung

Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln . . . wieder einmal soll die Postfiliale in Ohmden geschlossen werden. Den schriftlichen Kontakt zur Außenwelt soll erneut der MoPS (Mobiler Postservice) sichern. Die Ohmdener sind darüber wenig erfreut: "Kein Mensch hat das in Anspruch genommen", weiß Bürgermeister Merkle noch gut.

IRENE STRIFLER

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OHMDEN Der MoPS hat schon im Herbst des Jahres 2001 für wenige Wochen sein Debüt in der Wiestalgemeinde gegeben. Damals wurde die Postfiliale geschlossen, aber dann plötzlich doch wieder eröffnet, wiewohl das Nachfragepotenzial laut Unternehmen als "absolut grenzwertig" galt. Noch vor einem Jahr, so der Bürgermeister, habe die Post der Gemeinde allerdings mitgeteilt, dass keine Veränderung geplant sei.

Ein Mann, ein Wort? Von wegen: Nicht schlecht staunte der Schultes, als ihm ein Schreiben auf den Schreibtisch flatterte, das genau das Gegenteil aller bisherigen Versprechungen enthält: "Wir beabsichtigen . . . die Filiale in der Hauptstraße . . . am 29. 12. 2004 zu schließen", heißt es da. Offensichtlich ließ der Briefwechsel der Ohmdener seit der Wiedereröffnung aus Sicht des börsennotierten Unternehmens zu wünschen übrig: "Echter Bedarf" sei an diesem Standort bei "derart geringer Inanspruchnahme" nicht gegeben.

Die "knallharte Gewinnorientierung" des Unternehmens Post prangert dagegen Manfred Merkle an. "Was sich nicht rechnet, muss weg." Der Mensch, der Bürger und die Grundversorgung in kleinen Gemeinden blieben dabei rücksichtslos auf der Strecke, argumentierte er gegenüber den Post-Verantwortlichen.Pressesprecher Hugo Gimber verwies auf die Selbstverpflichtungserklärung seines Unternehmens, in selbstständigen Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von mehr als 2000 vertreten zu sein. Davon jedoch ist Ohmden ein Stück entfernt: 1750 Bürger leben in der beschaulichen Gemeinde. Tendenz allerdings steigend auf Grund des Neubaugebietes.

Besonders erbost ist Merkle darüber, dass auch heuer wieder gar nicht der Versuch unternommen werde, eine Postagentur als Alternative in Erwägung zu ziehen. Das wäre nämlich in der Scholderbeck-Filiale möglich gewesen, die kürzlich in die umgebauten Räume der Kreissparkasse eingezogen ist. "Unsere Idee war, alles, was es noch in Ohmden gibt, zu bündeln", erläutert Bernd Sigel den kundenfreundlichen Grundgedanken. In der Bäckerei in der Ortsmitte ist ein Geldautomat untergebracht. Für die Postagentur signalisierte der Bäckermeister Offenheit und trat in Verhandlungen unter anderem mit der Post. Die jedoch wollte es damals bei der Filiale belassen.

Jetzt aber will sich das Unternehmen komplett zurückziehen. Gimber rechtfertigt den Verzicht auf Agenturen in kleinen Orten damit, dass der MoPS preisgünstiger sei. Gleichzeitig macht er dessen Vorteile schmackhaft: Der Zusteller kommt ins Haus, wenn er zuvor über eine in den Briefkasten eingeworfene Postkarte dazu aufgefordert wurde. 20 000 Mal sei der MoPS in Deutschland mittlerweile in ländlichen Gebieten im Einsatz. Im Übrigen verweist die Post auf das Kundenverhalten: In Orten mit weniger als 5000 Einwohnern gingen 50 Prozent der Kunden alle zwei bis drei Monate oder seltener in eine Postfiliale. Im Ländle kündigt das Unternehmen die Schließung von 40 kleinen Filialen an, um das "Gesamtversorgungsnetz dauerhaft zu sichern und das Briefporto stabil zu halten."

Dass das Ruder für Ohmden nochmal herumgerissen werden kann, wagt wohl kaum jemand ernsthaft zu hoffen. "Ohmden hat schon früher viel erreicht", will jedoch Manfred Merkle die Flinte nicht frühzeitig ins Korn werfen. Auch Bernd Sigel lässt anklingen: "Wir sind nach wie vor offen für vernünftige Lösungen!"