Lokales

Verstreute Urnengräber stießen teilweise auf Kritik

Mit dem ersten Grobentwurf der Friedhofsplanung befasste sich der Notzinger Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung. Vollkommene Einigkeit herrschte nicht darüber und auch über die Grabeinfassungsplatten gab es unterschiedliche Auffassungen bei den Räten.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Die Bodenbachgemeinde leistet sich im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen recht teure Grabeinfassungsplatten. Dabei handelt es sich um "Norikum Gneis, rostend, Oberfläche spaltrauh". Seit dem Jahre 1991 haben sich die Kosten je Quadratmeter verdoppelt und liegen jetzt bei knapp 120 Euro. Sie zu verlegen ist gleich in mehrerer Hinsicht eine Knochenarbeit: zum einen sind sie recht schwer, zum anderen haben sie unterschiedliche Stärken, weshalb die Platten oft mehrmals in die Hand genommen werden müssen, damit sie auf einer Ebene liegen. Bürgermeister Flogaus regte daher an, einige Friedhöfe in der Umgebung zu besichtigen, welche Platten dort verlegt sind.

"Die Gehwegplatten im mittleren Teil unseres Friedhofs mit Verlaub, das sieht mehr als bescheiden aus. Um alles in der Welt sollten wir darauf nicht zurückkommen", meldete sich Herbert Hiller zu Wort. Gleicher Ansicht war auch Eduard Bosch. "Das war eine Fehlplanung. Die reichen für einen Hennengarten, aber nicht für einen Friedhof. Das Thema können wir abhaken", fand er klare Worte. Gesägte Platten seien zwar einfacher zu verlegen, die Rutschgefahr dafür aber größer. Würde sie es mit einer Oberflächenstruktur geben, wäre dies seiner Meinung nach die ideale Lösung. "Graue Gehwegplatten müssen wirklich nicht sein", pflichtete Erhard Reichle seinen Vorrednern zu. Seiner Ansicht nach sollte man bei den schönen Platten bleiben. "Wir reden hier über einen Betrag von etwa 1000 Euro im Jahr", versuchte er zu relativieren.

Ganz anderer Auffassung ist dagegen Günter Barz. "Die Platten haben mir noch nie gefallen. Die Älteren stolpern über die Unebenheiten und es gibt kleine Pfützen, die im Winter gefrieren können", lautete seine Negativliste. Seiner Ansicht nach kann eine andere Lösung gefunden werden. Eine Besichtigungsfahrt, wie vom Schultes vorgeschlagen, soll nun für Anregungen sorgen.

Den vorgelegten Grobentwurf für den westlichen Teil des Friedhofs sieht Landschaftsarchitekt Lengtat als Diskussionsvorlage. Dieser Aufforderung kam der Gemeinderat sofort nach. "Interessant war, dass der Planer von den Gräbern ausgeht und nicht von den Wegen", beschrieb Jochen Flogaus die Vorgehensweise des Planers, für den die Wirtschaftlichkeit Vorrang hat. So hat er beispielsweise die Wege versetzt und eine Rundbank unter der Linde bei der Aussegnungshalle eingezeichnet. Westlich der Treppen soll es in dem bestehenden Dreieck sowohl anonyme Gräber, aber auch Urnen-Erdgräber geben. An der schmalen Ecke ganz im Westen kann sich der Planer Urnenstehlen vorstellen, östlich davon ebenfalls Urnengräber. Ein weiteres anonymes Gräberfeld hat er auch direkt neben dem Haupteingang geplant.

Die Grundidee gefiel dem Großteil des Gremiums, wobei keiner der Gemeinderäte das Konzept eins zu eins übernehmen will. "Die Planung ist ganz anders geworden, als gewollt", erklärte Günter Barz. Ihn stört, dass es zum einen so viele Urnenfelder in verschiedenen Ecken gibt und sie zudem zum größten Teil an den Rand gedrängt sind.

Nachbesserungsbedarf sieht auch Erhard Reichle. "Wir haben Platz und müssen nicht in jedes Eckle Gräber reinquetschen. Ein bisschen Rasen schadet einem Friedhof nicht", kritisierte Erhard Reichle, der die bisherige Großzügigkeit bewahren möchte. Ihn stören vor allem die verstreuten Urnengräber. Seiner Ansicht nach optimal wäre eine größere Fläche in der Mitte, nicht aber auf sämtliche Flächen am Rand verteilt. "Ich sehe einen Friedhof nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, ein bisschen Park darf schon sein", so sein abschließendes Urteil.

Weiter ins Detail wollte Jochen Flogaus die Diskussion gar nicht kommen lassen. Der Planer wird zur Besichtigungsfahrt eingeladen, dabei können dann weitere Einzelheiten besprochen und möglicherweise schon geklärt werden.