Lokales

Versuchter Totschlag

Wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung muss ein 50-jähriger Elektriker aus Wernau fünfeinhalb Jahre Haft absitzen. Der Mann hatte seine getrennt von ihm lebende Ehefrau unter anderem am Wendlinger Bahnhof in ihrem Auto regelrecht überfallen und fast zu Tode gewürgt.

BERND WINCKLER

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WERNAU Neben der Haftstrafe ordnete das Stuttgarter Landgericht auch seine Einweisung in eine Alkoholentzugsklinik an.

Mit diesem gestern verkündeten Urteilsspruch setzte die Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts einen Schlusspunkt unter einen Fall, der Aufsehen erregt hatte. Der Angeklagte hatte nach den richterlichen Feststellungen ab April letzten Jahres mit seiner Ehefrau ständig Streit wegen Nichtigkeiten bekommen. Anlass der Auseinandersetzungen war nach Meinung eines Gerichtsgutachters der vom Angeklagten übermäßige Alkoholkonsum.

Im April letzten Jahres begannen die Übergriffe gegen die Ehefrau. Ohne Grund hatte er sie in der gemeinsamen Wohnung plötzlich am Hals gewürgt, ihr einen Fausthieb in den Bauch versetzt und sie gegen eine Treppe geworfen, sodass die Frau verletzt wurde. Nach Feststellung des Schwurgerichts drohte er mehrfach, das eigene Einfamilienhaus in die Luft zu sprengen und erhielt dafür vom Nürtinger Amtsgericht einen 14 Tage dauernden Platzverweis. Den jedoch habe der Mann mehrfach ignoriert, heißt es in dem gestern verkündeten Urteil. Er verfolgte die Frau und raste am 25. Mai mit seinem Cabrio ungebremst gegen das Garagentor seiner Schwiegereltern in Köngen, wobei er einen Gesamtschaden in Höhe von 10 000 Euro verursachte. Danach war er noch mit dem Zweitwagen der Schwiegermutter in ein weiteres Tor gefahren, was ihm vom Amtsgericht weitere Platzverweise einbrachte, die er ebenfalls nicht einhielt.

Das schwerste Delikt war nach Ansicht der Stuttgarter Richter der Angriff des 50-jährigen Elektrikers gegen die Frau am 11. Juni letzten Jahres vor dem Wendlinger Bahnhof. Er wartete auf seine Frau, die mit dem Zug von der Arbeit kam und dann mit ihrem am Bahnhof geparkten Fahrzeug nach Hause fahren wollte. Unvermittelt setzte er sich mit den Worten: "Ich will mit dir reden, sonst bist du tot" zu ihr ins Fahrzeug, als sie gerade abfahren wollte und griff ihr mit beiden Händen an den Hals.

Dabei habe er in Tötungsabsicht gehandelt, heißt es im Urteil des Stuttgarter Landgerichts allerdings unter starkem Alkoholeinfluss , weshalb er nur bedingt einsichtsfähig war.

Passanten konnten ihn letztlich von der Frau wegreißen, wobei allerdings ein erheblicher Kraftaufwand nötig war. Die Frau stand kurz vor einer Bewusstlosigkeit, erlitt dabei Halswirbelverletzungen und mehrere Prellungen.

Dass der Angeklagte rein zufällig seine Ex-Frau am Wendlinger Bahnhof traf und nur mit ihr reden wollte, nahmen ihm die Richter nicht ab. Jedoch seinen Trunkenheitsgrad von etwa zwei Promille, der ihm eine etwas mildere Strafe einbrachte. Hätte ihn niemand von der Frau weggezogen, so seine Angaben, dann wäre die Frau tot gewesen.

Neben der verhängten fünfeinhalbjährigen Haftstrafe, die auch der Staatsanwalt beantragt hatte, muss der 50-Jährige in eine geschlossene Alkoholentzugsklinik. Allerdings erst nach Verbüßung einer Teilstrafe von zwei Jahren, so der Richterspruch.