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Vertrag mit Stadt lässt nicht mehr Motorflug zu

Im Zusammenhang mit der Umwidmung des Segelfluggeländes Hahnweide zum Sonderlandeplatz stellt die Fliegergruppe Wolf Hirth fest, dass sich die Ziele der Interessengemeinschaft, "alles soll beim Alten bleiben", völlig mit denen der Hahnweide-Benutzergruppen, des BWLV und der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau decken.

KIRCHHEIM Über die Genehmigung durch die Landesluftfahrtbehörde hinaus regelt ein seit 1983 bestehender Vertrag zwischen der Stadt Kirchheim, dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband (BWLV), der Fliegergruppe Wolf Hirth Kirchheim und der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau die Verfahren zur Nutzung des Fluggeländes Hahnweide, teilt Johann Puskeiler, Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf Hirth und der Hahnweidebenutzergruppen, mit. In diesem Vertrag enthalten sei zum Beispiel eine eindeutig formulierte und unterzeichnete Willenserklärung aller Vertragsparteien, das Fluggelände für den Luftsport zu erhalten, die Zahl der stationierten motorgetriebenen Luftfahrzeuge zu begrenzen und für Veränderungen in jedem Einzelfall vorher durch die Stadt Kirchheim eine Genehmigung einzuholen. "In der Weiterführung dieses Vertrages ist für das Gelände ein Kontingent motorgetriebener Luftfahrzeuge festgelegt, über das die Stadt sehr genau wacht", weiß Puskeiler. Dieser Vertrag ist unbefristet, wurde nicht gekündigt und bleibt damit die Grundlage für den weiteren Betrieb mit motorgetriebenen Luftfahrzeugen auf der Hahnweide.

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Wie Johann Puskeiler weiter mitteilt, geht die Umwidmung nicht vom BWLV, der Stadt Kirchheim, den Hahnweide-Benutzergruppen oder der Firma Schempp-Hirth aus, sondern wurde diesen, mit noch über 30 weiteren Segelfluggeländen in Baden-Württemberg, vom Innenministerium Baden-Württemberg über die zuständige Landesluftfahrtbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart vorgegeben.

Bisher ist es so, dass alle motorgetriebenen Luftfahrzeuge jeweils eine jährliche Außenlandeerlaubnis der Landesluftfahrtbehörde benötigt haben, die jeweils im Rahmen des mit der Stadt vereinbarten Kontingents und mit Zustimmung der Stadt erteilt wurde. Als Sonderlandeplatz würde diese Verwaltungsaufgabe der Regierungspräsidien wegfallen, was zu einer erheblichen Vereinfachung deren Verwaltung führen würde. Wie oben beschrieben, bleibt jedoch das vertraglich festgelegte und von der Stadt Kirchheim überwachte Kontingent in der genannten Form vollständig und unbefristet erhalten. Dies ist ganz im Sinne der Vertragsparteien, wie Puskeiler mitteilt, "da sind wir uns mit der Interessengemeinschaft einig". Außer der neuen Bezeichnung "Sonderlandeplatz Hahnweide" ändert sich durch die vertraglich festgelegten Beschränkungen des motorgetriebenen Fluges auch künftig nichts.

Der Begriff Flugplätze ist dem Grunde nach im Paragraf 6, Absatz 1, des LuftVG definiert, wonach unter den Begriff Flugplatz Flughäfen, Landeplätze und Segelfluggelände fallen. Landeplätze sind nach Paragraph 49, Absatz 1, LuftVZO, Flugplätze, die nach Art und Umfang des vorgesehenen Flugbetriebs einer Sicherung durch einen Bauschutzbereich nach Paragraf 12, LuftVG nicht bedürfen und nicht nur als Segelfluggelände dienen. Nach Paragraf 49, Absatz 2, Ziffer 1, LuftVZO, werden Landeplätze genehmigt als Landeplätze des allgemeinen Verkehrs (Verkehrslandeplätze) oder nach Ziffer 2 des gleichen Paragrafen als Landeplätze für besondere Zwecke (Sonderlandeplätze). Dieser Terminus Sonderlandeplatz bedeutet aber nicht, wie behauptet, ausufernden Motorflugverkehr, sondern im Gegenteil, er macht diesen Landeplatz bereits durch diese allgemeine Formulierung zu etwas Besonderem, einem Fluggelände, das für besondere Zwecke benutzt wird, so die Hahnweid-Benutzergruppen. Diese besonderen Zwecke sind hier nicht weiter definiert, aber im Falle der Hahnweide bleibt es die Beschränkung des Benutzerkreises.

Es ist erklärter Willen aller Vertragsparteien, das bewährte Vorgehen auch weiterhin, so wie vertraglich vereinbart, fortzuführen. Also kein "unbegrenzter Geschäftsreiseverkehr" oder "alle über 10 000 BWLV-Mitglieder landen künftig auf der Hahnweide". Puskeiler: "Dies ist an den Haaren herbeigezogen, entspricht bisher nicht den Tatsachen und wird auch künftig nicht so sein". Sonderlandeplätze bekämen außerdem für gewerblichen Verkehr kaum eine Betriebserlaubnis. "Ich denke, alle Vertragpartner haben bisher gezeigt, dass es ihnen mit den getroffenen Regelungen sehr ernst ist", stellt der Vorsitzende fest. Der BWLV ist kein gewerblicher Unternehmer, sondern ein Sportverband, der unter anderem engagiert die Interessen seiner Mitglieder wahrnimmt und im Falle der Hahnweide (und weiterer Fluggelände) als Platzhalter fungiert. Gerade dadurch sei gewährleistet, dass es nicht zum befürchteten Werks- und Geschäftsflugverkehr und zu ausuferndem Motorflug mit stärker werdendem Lärm auf der Hahnweide kommt. Weitere Garanten für die Einhaltung der Verträge sind die Stadt Kirchheim, die Fliegergruppe Wolf Hirth und die Firma Schempp-Hirth. "Das Segelflugzentrum Hahnweide ist weltweit bekannt, es ist und bleibt ein Sportgelände", so der Vorsitzende der Hahnweide-Benutzergruppen. "Wer will, hat in Nabern einen öffentlichen Flugplatz, der schon immer Werksverkehr durchgeführt hat".

"Die Flieger auf der Hahnweide sind seit vielen Jahren vorbildlich, wenn es um Lärmminderung geht". So entsprechen schon seit Jahren alle Motorflugzeuge den Vorschriften des "erhöhten Lärmschutzes". "Auch gehen wir verantwortungsvoll mit der uns anvertrauten Natur um", so Puskeiler. Darüber hinaus wird durch den Flugbetrieb auf der Hahnweide der an- und abfliegende Verkehr in Stuttgart von der Flugsicherung großräumig um Kirchheim herumgeleitet, was für die Bürger deutlich wahrnehmbar ist. "Wir laden Sie dazu ein, mit uns zusammen dafür zu sorgen, dass es auch weiterhin so bleibt", appelliert Puskeiler an die Interessengemeinschaft, mit den Hahnweide-Fliegern das Gespräch zu suchen.

pm