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"Vertrauen grob missbraucht"

Der Nürtinger Rechtsanwalt, der wegen Veruntreuung von 300 000 Euro Mandantengelder angeklagt war, ist jetzt vom Stuttgarter Landgericht deswegen zu der Freiheitsstrafe von dreieinviertel Jahren verurteilt worden.

BERND S. WINCKLER

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STUTTGART Der 54-jährige Anwalt, dessen Zulassung schon seit Längerem entzogen ist, hatte vor den Stuttgarter Richtern ein umfassendes Geständnis abgelegt. Als beauftragter Testamentsvollstrecker hatte er im Dezember 2002 eine Familie in Frickenhausen vertreten und in deren Auftrag das Haus eines verstorbenen Familienmitglieds verkauft. Die Einnahmen in Höhe von 301 000 Euro gingen zunächst auf eines seiner Bankkonten und blieben dort angelegt.

Bis die Erben aber dann das Geld von ihm abforderten, hatte er bereits den größten Teil davon für die Begleichung eigener Verpflichtungen ausgegeben. Er löste einen eigenen Kredit bei seiner Bank ab, die ihm bereits wegen rückständiger Zahlungen die Kündigung schicken wollte. Und er bediente sich weitere 20 Mal an dem fremden Geld, um andere Verbindlichkeiten und laufende eigene Kosten abzudecken. Letztlich waren die 301 000 Euro verbraucht, zumal er auch einem Bekannten einen hohen Betrag auslieh und dieses Geld nicht zurück erhielt.

Die Stuttgarter Richter stellten fest, dass die Taten einen "klassischen Fall von Untreue" darstellen und dass Mandanten gerade bei Anwälten einen großen Vertrauensvorschuss geben. Dieses Vertrauen habe der Anwalt grob missbraucht. Der Jurist habe mit der Untreue zum Nachteil der Erben auch dessen Wehrlosigkeit ausgenutzt, nur um eigene finanzielle Vorteilte für sich zu gewinnen. Dies müsse besonders hart bestraft werden, auch bei einem Geständnis. Die von seinem Verteidiger beantragte Bewährungsstrafe lehnten die Richter ab und verhängten drei Jahren und drei Monate Haft für den Ex-Anwalt. Ob er dagegen in Revision gehen will, ist nicht bekannt.