Lokales

Verunsicherung durch EU-Richtlinie zum Vogelschutz

Beherrschendes Thema der Jahreshauptversammlung des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen in der Bissinger Schulturnhalle am Freitag war die Sorge um den Erhalt der Streuobstwiesen.

VOLKMAR SCHREIER

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BISSINGEN Schon lange klaffen der Aufwand für Pflege und Bewirtschaftung und Ertrag weit auseinander, was dazu geführt hat, dass immer mehr Streuobstwiesen verbuschen und verwildern. Nun droht die Arbeit der Streuobstwiesenbesitzer durch die Ausweisung von Vogelschutzgebieten nach der EU-Richtlinie zusätzlich erschwert zu werden. "Alle, die im Streuobstanbau unterwegs sind, sind verunsichert", so der Vorsitzende des Kreisverbands und Präsident des Landesverbands für Obstbau, Garten und Landschaft Ulrich Rieker. Vor allem sei ja immer noch nicht klar, was denn in Zukunft bei der Pflege und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen in ausgewiesenen Schutzgebieten noch erlaubt und möglich sei. "Fragen dazu bleiben."

Rieker hofft, über den Landesverband beim Land Baden-Württemberg noch Änderungen in der Gebietsausweisung erreichen zu können und wünscht sich, dass für die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen keine neuen Hindernisse aufgebaut werden. Deutlich machte Rieker, dass sich die Obst- und Gartenbauvereine nicht grundsätzlich gegen die Belange des Vogelschutzes stellen: "Wir sind keinesfalls gegen den Lebensraum von Rotem Milan oder Halsbandschnäpper." Vielmehr glaubt er, dass sich die Vogelwelt schon bisher in den Streuobstwiesen recht wohl gefühlt habe.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann zeigte sich in seinem Grußwort davon überzeugt, dass eine akzeptable Lösung für die Streuobstwiesen gefunden werden kann. Matthias Berg, Landratsvize und Chef der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt, sieht in der Richtlinie die klare Aufforderung, in Sachen Streuobstwiesen weiterzumachen. "Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Streuobstwiesen wird es wohl nicht geben", sagte Berg und wies darauf hin, dass im Landratsamt in diesem Jahr eine Projektgruppe zum Thema Streuobstwiesen eingerichtet werde.

Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle lobte die Arbeit des Kreisverbands sowie des Bissinger Obst- und Gartenbauvereins, verbunden mit der Aufforderung, die Streuobstwiesen auch in Zukunft nicht zu vernachlässigen. "Die Arbeit des Bissinger Obst- und Gartenbauvereins tut uns gut", sagte er.

Ein zweites Thema stand während der Hauptversammlung ebenfalls im Interesse der Obst- und Gartenbauer: das Referat "Gemüseanbau im Hobbygarten". Referent Wolfgang Nixdorf aus Lauda weihte die Besucher mit seinem bebilderten Vortrag in die Geheimnisse des erfolgreichen und umweltgerechten Gemüseanbaus ein. Er stellte die wichtigsten Grundregeln für die Auswahl des Saatguts, die richtige Anzucht von Jungpflanzen, Gießen, Düngen und für den Schutz vor Schädlingen vor. Besonders legte er den Zuhörern den Einsatz von Schutznetzen zur Schädlingsabwehr nahe: Diese seien sicher, umweltfreundlich und auf Dauer billiger als der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Nach den Berichten, dem Fachvortrag und der Entlastung des Vorstands ehrte der Kreisverbandsvorsitzende Ulrich Rieker Hans Bazle aus Weilheim mit der Landesverbandsnadel für sein jahrzehntelanges Engagement. "Sie waren in all den Jahren ein kompetenter Ansprechpartner in allen Fragen des Obstanbaus", würdigte Rieker Bazles Vereinstätigkeit.