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Verwaltung will in Sport, Bildung und Betreuung investieren

Entspannte Mienen bei der Vorstellung des Weilheimer Haushaltsplanentwurfs 2008: Erwartet wird ein Überschuss von knapp 1,2 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2011 möchte die Stadt unter anderem Projekte wie eine Mensa, eine große Ballspielhalle beim Stadion sowie einen Allwetterplatz für Training und Pflichtspiele anpacken.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Hatten wir über mehrere Jahre hinweg berechtigten Anlass zur Sorge, so sind am Konjunkturhimmel die dunklen Wolken gewichen", sagte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das wirkt sich auch auf den Haushalt der Stadt Weilheim aus: Bereits in den beiden vergangenen Jahren hatte die Gewerbesteuer deutlich zugelegt. Mit veranschlagten 3,7 Millionen Euro liegt sie 2008 immer noch deutlich über dem Durchschnitt.

Hermann Bauer erinnerte noch einmal an die schwierigen Haushalte 2003 und 2004. Die damals aufgelegten Konsolidierungsprogramme mit Einsparungen und Steuererhöhungen brächten nach wie vor ein jährliches Plus von einer Million Euro. Ohne das Sparpaket würde keine nennenswerte Eigenfinanzierung erwirtschaftet. "Deshalb haben wir auch keinerlei Anlass vom Sparkurs und der Haushaltsdisziplin abzuweichen", unterstrich Bauer.

Die Eckpunkte des Haushalts können sich durchaus sehen lassen: Neben einem Überschuss von knapp 1,2 Millionen Euro ist wie in den Jahren 2006 und 2007 keine Erhöhung der Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer geplant. Auch werden im Kämmereihaushalt weiterhin keine Schulden aufgenommen. Stattdessen ist ein weiteres Abschmelzen der Kredite vorgesehen.

Insgesamt möchte die Verwaltung im kommenden Jahr 4,6 Millionen Euro investieren. "Das ist nach 2006 die zweithöchste Summe überhaupt", betonte Kämmerer Reiner Philipp. Finanziert werden sollen die Ausgaben zu einem geringen Teil über Zuschüsse und zu jeweils 40 Prozent mit Eigenmitteln beziehungsweise Grundstückserlösen. Letztere bezeichnete Philipp jedoch als "Achillesferse des Haushalts". Der Grund: In den vergangenen Jahren geriet vor allem der Verkauf von Gewerbegrundstücken ins Stocken.

Im kommenden Jahr werden rund 600 000 Euro in den Unterhalt von Straßen und Wegen fließen, die Erschließung neuer Grabfelder am Friedhof Weinsteige für neue Bestattungsformen kostet voraussichtlich 270 000 Euro. Größter Einzelposten ist die Erneuerung und Erweiterung der Gemeindehalle Hepsisau mit 600 000 Euro. In die "Zielgerade" biegt die Stadt 2008 beim Rathauskomplex sowie bei der Umgestaltung der Lindach zwischen Adlerbrücke und Molkesteg ein. Für die Lindach-Aufwertung steht im Etat eine letzte Rate von 580 000 Euro. Vorgesehen sind außerdem die Sanierung des Flachdachs der Sporthalle Wühle für 215 000 Euro sowie die Beschaffung eines Hilfeleistungsfahrzeugs für die Feuerwehr für 200 000 Euro.

Etwas tun wird sich auch hinsichtlich neuer Wohngebiete. An der Georg-Kandenwein-Straße auf dem Egelsberg werden in den nächsten Monaten acht städtische Bauplätze für Einfamilienhäuser auf den Markt kommen, und auf dem ehemaligen Gelände der Geflügelschlachterei soll mit der Landsiedlung Baden-Württemberg und Bauträgern preisgünstiges Bauen ermöglicht werden.

Konkrete Schritte will die Verwaltung in den kommenden Jahren im Bereich Betreuung und Bildung gehen. Angestrebt wird die Einrichtung einer Kinderkrippe in einem bestehenden Kindergarten vom Jahr 2011 an. Auch die Ganztagsschule an der Grund- und Hauptschule Wühle wird konzeptionell weiter vorangetrieben. In den Jahren 2008 bis 2010 hat die Verwaltung außerdem insgesamt rund 1,1 Millionen Euro für den Bau einer Mensa eingestellt. Nachdem die Limburggrundschule entlang der Bissinger Straße dieses Jahr ein neues Gesicht bekommen hat, ist für 2008 ein neues Make-up für die Fassade zum Hof beim Gebäude Kelterstraße vorgesehen. Die Erneuerung der dortigen Turnhalle erscheint in der Finanzplanung vom Jahr 2010 an.

Ohnehin wird das Thema Sport neben Ausgaben für Bildung und Betreuung in den kommenden Jahren einen Großteil der Mittel binden: Der Etat ab 2009 beinhaltet zum einen den Grunderwerb und Bau eines Allwetterplatzes für Fußballtraining und Pflichtspiele. Zum anderen soll der langjährige Wunsch Sporttreibender in Weilheim nach einer neuen, großen Ballspielhalle beim Stadion in Erfüllung gehen. Mit insgesamt drei Millionen Euro Kosten im Übrigen das dickste Paket im mittelfristigen Finanzplan, das Hermann Bauer kurz vor Weihnachten auf den "Gabentisch" legte. Läuft alles glatt, könnte 2009 mit dem Bau begonnen werden. Fertiggestellt wäre das Projekt im Jahr darauf. Die 27 mal 45 Meter große Halle, die endlich auch ausreichend Platz für Zuschauer bieten soll, würde dem Schul- und Vereinssport dienen. Der Verwaltungschef: "Vom TSV erwarten wir eine enge Kooperation und Unterstützung."

Aufgenommen ist in den mittelfristigen Finanzplan bis 2011, der Investitionen in Höhe von 14,7 Millionen Euro vorsieht, darüber hinaus die Restaurierung des Kulturdenkmals Schlossscheuer für insgesamt 770 000 Euro sowie der Kauf einer Drehleiter für die Feuerwehr in Höhe von 650 000 Euro.

Der Blick auf die Zahlen der kommenden vier Jahre stimmt den Bürgermeister durchaus optimistisch. Er geht von jährlichen Nettoinvestitionsraten von gut einer Million aus und kündigte an, die Schulden von 2,3 Millionen Euro auf 1,6 Millionen Euro im Jahr 2011 herunterzufahren. Gleichzeitig soll die Rücklage aus den Aktienerlösen von zwei Millionen Euro erhalten bleiben. "Nutzen wir die Umstände und die Zeit, um unsere Stadt voranzubringen", so lautete der abschließende Appell des Schultes.

Beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung wird die Optimierung der Kläranlage in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 675 000 Euro zu Buche schlagen. Bei der Wasserversorgung stehen demgegenüber keine größeren Ausgaben an.

Am 22. Januar werden die Wählergruppierungen des Gemeinderats den Entwurf beraten und ihre Anträge einbringen. Die Verabschiedung des Haushalts ist für den 19. Februar vorgesehen.

DER ETAT IN ZAHLENHaushaltsvolumen

22,3 Mio. Euro

(2007: 20,5 Mio.)Verwaltungsetat

17,4 Mio. Euro

(2007: 15,9 Mio.)Vermögensetat

5 Mio. Euro

(2007: 4,6 Mio. Euro)Einkommenst.-anteil

4,3 Mio. Euro

(Ergebnis 2007: 4,2 Mio.)Gewerbesteuer

3,7 Mio. Euro

(Ergebnis 2007: 5 Mio.)Rücklage Ende 2008

2,8 Mio. Euro

(Ende 2007: 3 Mio.)Schulden

2,1 Mio. Euro

(2007: 2,3 Mio.)Schulden pro Einwohner

216 Euro