Lokales

Verwirrspiel um den Klassenteiler 28

Die Lehrer und die Schulleiter an den etwa 140 Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen im Landkreis Esslingen lehnen es entschieden ab, in Zukunft jahrgangsübergreifende Klassen in der Eingangsstufe der Grundschule per Zwang bilden zu müssen.

KREIS ESSLINGEN Das Thema "jahrgangsübergreifende Klassen" bewegt die Gemüter in den Lehrerzimmern, in den Rektoraten und auch in der Elternschaft so Hans Dörr, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Erst kürzlich hatten sich etwa 600 Lehrkräfte aus allen Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen im Landkreis Esslingen in zwei Personalversammlungen in Esslingen-Berkheim und in Nürtingen nahezu einstimmig gegen einen Zwang zur Einführung dieser sehr speziellen Form des Grundschulunterrichts ausgesprochen.

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Es solle so das Votum der Lehrkräfte keiner Grundschule verwehrt werden, aus den Klassen 1 und 2 Kombinationsklassen zu bilden, wenn dies von der Lehrerschaft und der Elternschaft freiwillig gewollt, entsprechend unterstützt und mit den notwendigen materiellen Rahmenbedingungen ausgestattet werde. Dazu gehörten Fortbildungen und mehr Lehrerstunden für den erhöhten individuellen Förderbedarf.

Ein Zwang zur Bildung jahrgangsübergreifender Klassen wird aber so GEW-Kreisvorsitzender Dörr als unzulässiger Eingriff in die pädagogische Verantwortung der Lehrkräfte abgelehnt. Die Verordnung eines bestimmten pädagogischen Konzepts, das sich zwei Schuljahre lang bis in alle Facetten jeder Unterrichtsstunden auswirke, sei ein bildungspolitischer Rückschritt. Mit der vom Kultusministerium propagierten "Eigenständigkeit der Schulen" habe dies überhaupt nichts zu tun. Das sei Gängelung pur.

Die Befürchtungen der Lehrkräfte und der GEW sind keineswegs grundlos. Im Vorwahlkampf hatten Kultusministerium und Medien dadurch für Verwirrung gesorgt, dass der erfreuten Öffentlichkeit suggeriert wurde, der Klassenteiler in den Klassen 1 und 2 solle von 31 auf 28 herabgesetzt werden. Tatsächlich war und ist beabsichtigt, sämtliche Klassen in Klassenstufe 1 und 2 zu addieren und die sich so ergebende Schülerzahl durch 28 zu teilen.

Dadurch hätte manche Schule bereits im Schuljahr 2006/2007 eine Klasse weniger bilden können und wäre gezwungen, eine Kombinationsklasse aus 1 und 2 als jahrgangsübergreifende Klasse zu bilden. Wegen des Proteststurms der Lehrerschaft und der GEW verfügte das Ministerium daraufhin eine Härtefallregelung, allerdings nur für ein Jahr. Die Schulverwaltung kann den Schulen, die im kommenden Schuljahr noch nicht auf den jahrgangsübergreifenden Unterricht umstellen können oder wollen, wie seither die Lehrerressourcen zuweisen, bezogen auf die Jahrgangsstufe, allerdings mit dem Teiler 31.

Im neuen Schuljahr müssen also noch keine so genannten Kombi-Klassen gebildet werden. Aufgeschoben ist laut Hans Dörr aber nicht aufgehoben. Nach Aussage des Kultusministeriums soll die Eingangsstufe (Klassen 1 und 2) "im Endausbau eine pädagogische, juristische und organisatorische Einheit bilden, in der die Kinder entsprechend ihres individuell unterschiedlichen Lernzeitbedarfs variabel verbleiben können."

pm