Lokales

Verwirrspiel um quecksilberhaltige Fiebermesser

Quecksilberhaltige Fieberthermometer müssen am Schadstoffmobil abgegeben werden. Nehmen Apotheken diese Fiebermesser entgegen, so geschieht dies freiwillig. Sie sind nicht dazu verpflichtet.

richard umstadt

Kirchheim. Der erboste Leser verstand die Welt nicht mehr. Da wurde in einem Fernsehmagazinbeitrag darauf hingewiesen, dass ab 1. Januar 2009 keine quecksilberhaltigen Fieberthermometer mehr in Umlauf gebracht werden dürfen, diese aber bei den Apotheken abgegeben werden können, um im Gegenzug einen digitalen Fiebermesser zum Vorzugspreis zu erwerben. Der ältere Herr befolgte den Rat, wurde jedoch in einer Kirchheimer Pharmazie abgewiesen. Die Rücknahme sei nicht möglich, hieß es da, weil die Entsorgung der umweltschädlichen Fiebermesser für die Apotheken kostenpflichtig sei. Der solchermaßen vor den Kopf Gestoßene brachte das alte Fieberthermometer in eine andere Apotheke der Teckstadt und hatte Erfolg. Das umweltschädliche und antiquierte Messgerät wurde anstandslos zurückgenommen.

Die eine Apotheke sagt „njet“ und die andere „aber gerne“? Das Verwirrspiel klärte die Pressesprecherin des Landesapothekerverbandes, Carmen Gonzalez, auf. Es gibt weder eine gesetzliche Verpflichtung seitens des Staates noch eine freiwillige Verpflichtung seitens des Verbandes, Thermometer mit Quecksilber in den Apotheken zurückzunehmen. Weil aber Quecksilber giftig und umweltschädlich ist, schloss sich der baden-württembergische Apothekerverband der bundesweiten Tauschaktion vom 6. bis 11. Oktober 2008 an, über die das Fernsehmagazin berichtete. Damals konnten die Verbraucher ihre quecksilberhaltigen Fiebermesser in den Apotheken zurückgeben und günstige digitale Thermometer kaufen.

Ob nach dieser Aktionswoche Apotheken auch weiterhin Quecksilberthermometer zurücknehmen, „entscheidet jeder für sich im Rahmen seiner Kundenorientierung“, sagt Carmen Gonzalez. „Wer diese Thermometer zurücknimmt, hat die Verpflichtung, diese auch sachgerecht entsorgen zu lassen“, so die Pressesprecherin des Landesapothekerverbandes. Deshalb haben viele Apotheken Verträge mit Firmen, die das Geschäft mit dem Sondermüll für sie erledigen, und das kostet. Nicht allen Apothekern ist ihr Kundenservice und die Umwelt das Geld wert, wie der empörte Leser enttäuscht feststellen musste.

Wie eine Blitzumfrage des Teckboten unter den Kirchheimer Apotheken und denen des Umlands ergab, sind die meisten Pharmazeuten kulant und nehmen die alten Fiebermesser zurück. „Ich bezahle lieber 30 Euro im Jahr und weiß, dass das Ding fachgerecht entsorgt wird“, meint ein Apotheker in Oberlenningen.

Nur wenige verweisen ihre Kundschaft an die Adresse des Abfallwirtschaftsbetriebs und die zweimal jährlich stattfindenden Sammlungen des Schadstoffmobils.

Johannes Hepp vom Abfallwirtschaftsbetrieb appelliert an die Verbraucher, ihre quecksilberhaltigen Thermometer nicht in den Hausmüll zu werfen, sondern entweder in den kundenfreundlichen Apotheken abzugeben oder beim Schadstoffmobil. Termine sind im Müllkalender unter den einzelnen Ortschaften oder unter www.awb-es.de im Internet zu finden.

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