Lokales

Verwirrung um das Schulwerk Mitte

Privatem sozialwissenschaftlichem Gymnasium in Nürtingen wird Anerkennung entzogen

Erst anerkannt, dann aberkannt: das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) hat zwei Schularten am Schulwerk Mitte in Nürtingen die staatliche Anerkennung wieder entzogen. Schuld ist offensichtlich ein Fehler beim Regierungspräsidium.

Nürtingen. Seit September 2010 bietet das Schulwerk Mitte ein dreijähriges Sozialwissenschaftliches Gymnasium und eine zweijährige Wirtschaftsoberschule an, die auch zur allgemeinen Hochschulreife führt. Zu Beginn des Schuljahrs, am 22. September, kam die Anerkennung für Wirtschaftsoberschule und Sozialwissenschaftliches Gymnasium – und wurde am 5. Dezember wieder entzogen.

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„Die Anerkennung hätte gar nicht erteilt werden dürfen. Das war ein Fehler in unserem Haus“, so Dr. Peter Zaar, Sprecher des Regierungspräsidiums. Zu keiner Zeit hätten die Voraussetzungen für eine Anerkennung bestanden. Da unrichtige Angaben über einen Naturwissenschaftsraum gemacht worden seien, genieße die Schule auch kein „schutzwürdiges Vertrauen“. In dem Schreiben, in dem der Schule das mitgeteilt wurde, sei ausdrücklich auf die Fehlentscheidung des RP hingewiesen worden.

Der Leiter des Schulwerks Mitte, Jörg Freimuth, sieht die Dinge etwas anders als das Regierungspräsidium. Von einem Fehler seitens des RP sei ihm gegenüber nie die Rede gewesen, vielmehr sei die Qualifikation der Lehrer und eine fehlende Lüftung im eigens in den Sommerferien eingerichteten Raum für naturwissenschaftlichen Unterricht bemängelt worden. Unrichtige Angaben über den Raum habe er nie gemacht und könne das auch belegen. Die Schule hat Anwälte eingeschaltet und erwägt, vor dem Verwaltungsgericht die Anerkennung wieder zu erstreiten.

Das Regierungspräsidium bleibt dabei: vor 2013 wird es kaum eine Anerkennung und damit auch keine Zuschüsse geben. Geld sei bislang noch keines geflossen, und da das RP die Anerkennung als nie erteilt betrachtet, werde auch keines fließen.

Leidtragende der zurückgenommenen Anerkennung sind die Schüler und ihre Eltern. In einem „Nürtinger Appell“ wenden sie sich an Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer und viele Abgeordnete. „Wir haben das Gefühl, dass wir zum Spielball bürokratischer Akte gemacht werden“, schreiben sie. Durch die Aberkennung werde den Schülern die Chancengleichheit genommen, da die Schulfremdenprüfung höhere Durchfallquoten und schlechtere Notendurchschnitte habe.

Die Schüler haben Unterschriften gesammelt und betonen, wie verunsichert sie durch diese Vorgehensweise sind, was ihnen die Motivation zum Lernen nehme. Alessandra Homola, Mitglied des Sprecherkreises der Eltern, deren Sohn das Sozialwissenschaftliche Gymnasium besucht, schildert, wie auf einem extra anberaumten Elternabend Ende November Schulleiter Freimuth über die drohende Aberkennung berichtete. Als Grund sei genannt worden, dass am Naturwissenschaftsraum noch eine Lüftung fehle, die aber nur nötig sei, wenn 30 Schüler im Klassenzimmer seien, keine der Klassen sei aber so groß. Ein weiterer Grund sei die Qualifikation der Lehrer. Dabei hätten vier der Lehrer sogar promoviert und die Eltern seien sehr zufrieden mit ihnen. „Für uns sind die Gründe des Regierungspräsidiums an den Haaren herbeigezogen“, so Homola. Von einem Irrtum des RP sei nie die Rede gewesen.

„Mir geht es um die Schüler, die haben nachher die schlechteren Karten. Für sie werde ich kämpfen“, kündigte Schulleiter Freimuth an.