Lokales

Veteranen auf Friedensmission mit Kirchheimer Möbeln

Alte Schulmöbel, die unter dem Dachgebälk der Kirchheimer Alleenschule lagerten, kommen jetzt zu neuen Ehren: Bundeswehrsoldaten aus Laupheim beluden gestern einen weißrussischen Lastwagen mit den ausrangierten Tischen und Stühlen. Schon bald werden wieder Kinder und Jugendliche an diesen Tischen büffeln bei Brest in Weißrussland.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Brest müsste deutschen Schülern ein Begriff sein. Zumindest taucht der Name in Verbindung mit dem Zusatz "Litowsk" im Geschichtsunterricht auf, wenn es um die dortigen Friedensverhandlungen von 1917/1918 geht, die den Ersten Weltkrieg im Osten beenden sollten. Historische Hintergründe, die ebenfalls mit Krieg und Frieden zu tun haben, gibt es auch für die gestrige "Räumaktion" in der Alleenschule. Maßgeblich organisiert hat den Möbeltransport nämlich der Verein "Kameradenhilfswerk und Traditionsverband 260. ID." mit Sitz in Ludwigsburg.

Dessen Mitglieder waren einst im Zweiten Weltkrieg im Einsatz, unter anderem in den Kriegsgebieten in der damaligen Sowjetunion. Heute sind sie wieder in Russland, Weißrussland und der Ukraine im Einsatz allerdings mit einer speziellen Friedensmission, die sie nicht von "oben" diktiert bekommen, sondern sich selbst ausgesucht haben. Ein wesentliches Ziel des "Kameradenhilfswerks" ist die Erhaltung und Betreuung deutscher Kriegsgräber in den Sowjet-Nachfolgestaaten. "Allein unsere Division hat dort rund 12 000 Gräber", berichtet der Vereinsvorsitzende Alfons Härtl.

Um die nötige Hilfestellung der örtlichen Behörden und der Bevölkerung zu erlangen, sowie als Versöhnungsgeste und als Zeichen des guten Willens unterstützt das "Kameradenhilfswerk" Krankenhäuser, Waisenhäuser und Schulen vor Ort mit Güterlieferungen aus Deutschland. Außerdem bemühen sich die deutschen Veteranen um Kontakte und Begegnungen mit russischen, weißrussischen oder ukrainischen Kriegsteilnehmern. "Wir sind keine ewig Gestrigen", sagt Alfons Härtl und betont: "Krieg ist eine scheußliche Sache."

Genau das müsse aber auch der jüngeren Generation weitergegeben werden. Also setzen sich die "Kameraden" der einstigen 260. Infanteriedivision auch dafür ein, dass in den ehemaligen Kriegsgebieten Gedenktafeln aufgestellt werden, mit Inschriften, deren Inhalt "nicht provozierend" ist. In deutscher und russischer Sprache steht auf den Tafeln zu lesen: "Die Toten des Krieges verpflichten die Lebenden zu Versöhnung und Frieden." Das nehmen auch die überlebenden Soldaten im "Kameradenhilfswerk" sehr ernst. Alfons Härtl: "Eine neue Zeit ist angebrochen. Der Krieg ist vorbei. Wir müssen Freunde werden."

Zur Freundschaft trägt sicher auch der Möbeltransport bei, der sich jetzt von Kirchheim aus auf den Weg macht. In einer Schule in Beresa werden die Tische und Stühle wieder aufgestellt. Beresa liegt "im Gebiet Brest, an der Autobahn von Brest nach Moskau", gibt Alfons Härtl geografische Hilfestellung. Über seinen Stellvertreter, den Nürtinger Lothar Barth, und über das Kirchheimer Unternehmen sf-didactic war der Kontakt zur Alleenschule zu Stande gekommen. Die Stadt Kirchheim profitiert von dem Transport, weil die Entsorgung der Möbel kostenlos erfolgt. Die Ausgaben teilt sich das "Kameradenhilfswerk" mit der Landesstiftung Baden-Württemberg.